Frage & Antwort

Frage & Antwort, Nr. 143 Wie groß können Flugzeuge werden?

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Der A380 wiegt beim Start rund 560 Tonnen.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Wenn Start- und Landebahnen beliebig lang sein könnten und Geld keine Rolle spielte, wie groß könnten Flugzeuge dann theoretisch werden, und wo sind die physikalischen und technischen Grenzen? (fragt Ansgar L. aus Karlsruhe)

Im Oktober 2007 hob der Airbus A380, das größte Verkehrsflugzeug der Welt, zum ersten Mal mit Passagieren an Bord von der Landebahn ab. Er ist 73 Meter lang und misst von einer Tragflächenspitze zur anderen fast 80 Meter. Das ist groß. Aber das größte Flugzeug überhaupt ist der A380 nicht. Diesen Rekord hält die Antonov AN-225, ein Frachtflugzeug mit 85,30 Metern Länge und einer Flügelspannweite von 88,40 Metern. Nur in der Höhe ist der A380 überlegen: Mit seinen 24,10 Metern überragt er die Antonov AN-225 um gut 6 Meter.

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Die Antonov AN-225, ein sechsstrahliges Frachtflugzeug (hinten im Bild), ist das größte gegenwärtig im Einsatz befindliche Flugzeug der Welt.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Wer nun in visionären Höhenflügen Konstruktionen ersinnt, die die Dimensionen der bisherigen Riesenvögel deutlich übersteigen, der wird von Hans-Leo Richter, Experte am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), schnell auf den Boden der Tatsachen zurück geholt: "Mit dem A380 und der Antonov AN-225 sind die physikalischen Grenzen sehr bald ausgereizt", lautet Richters ernüchternde Antwort auf unsere Leserfrage. "Denn je größer die Flugzeuge werden - Leichtbau hin, Leichtbau her –, umso schwerer werden sie auch." Der A380 hat ein Startgewicht von 560 Tonnen. "Viel mehr wird nicht gehen", sagt der Fachmann. "Sie müssen ja auch Unmengen von Treibstoff mitnehmen, um die Riesentriebwerke zu befeuern, die bei noch größeren Flugzeugen erforderlich wären."

Ein Flugzeug nur aus Flügeln

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So sieht der Nur-Flügel-Körper aus, der die aktuellen Flugzeug-Modelle im Passagierbereich irgendwann ersetzen könnte.

(Foto: NASA)

Dennoch schlummern in den Schubladen der großen Flugzeughersteller natürlich Entwürfe für die Flugzeuge von morgen. "Eine Variante", so Richter, "ist irgendwann vielleicht der so genannte Nur-Flügel-Körper, der blended wing body." Er wäre eine von mehreren denkbaren Alternativen und würde den Abschied von der gegenwärtigen Konfiguration bedeuten. Denn während aktuelle Flugzeuge stets aus einem langgestreckten Rumpf mit Pfeilflügeln bestehen, ist der Nur-Flügel-Körper eben nur ein Flügel. In dem befänden sich dann sowohl Fracht als auch Passagiere. "Aber das ist alles Zukunftsmusik", sagt Richter. Die Entwicklungszyklen für Transportflugzeuge erstrecken sich über mehrere Jahrzehnte.

"Wie das Flugzeug der Zukunft aussieht, hängt im Wesentlichen von der Frage ab, was es überhaupt können muss", betont der Luftfahrt-Experte. Mit dem in Entwicklung befindlichen A350-900R setzen Hersteller derzeit auf ein Ultralangstreckenflugzeug mit 17.600 Kilometern Reichweite. "Aber sind solche Hyperlangstrecken der Weisheit letzter Schluss?", gibt Richter zu bedenken. "Ist es wirtschaftlich, eine irrsinnige Menge Kerosin mitzuschleppen und sie 16 Stunden lang zu transportieren, bis sie in der 17. Stunde dann mal zu den Triebwerken kommt?"

Flieger kaum noch händelbar

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Nicht größer, aber weitreichender: der A350-900.

(Foto: Airbus)

Diese und andere Fragen beschäftigen die Entwickler. Richter weist auf einen Aspekt hin, der dabei nie außer Acht gelassen werden darf: "Die Dinger müssen händelbar bleiben!", sagt er. "Die großen Flugzeuge sind ja schon jetzt ohne elektronische Unterstützung kaum noch fliegbar. Wenn bei einem A380 im wirklich unwahrscheinlichsten Fall alle elektronischen Regler ausfielen, dann hätten es die Jungs da vorne aüßerst schwer, das Flugzeug manuell noch wieder nach Hause zu bringen."

Und natürlich spielen auch Wind und Wetter eine wichtige Rolle: "Mit der Größe eines Flugzeugs wachsen auch die Schwierigkeiten im Wind", sagt der Fachmann. "Die Windangriffsfläche wird immer größer. Was passiert bei einer nur leichten Bö, wenn sie auf ein solches Riesengewälz trifft?"

Es wird noch eine Weile dauern, bis all diese Parameter zufriedenstellend geklärt sind und ein komplett anderes Flugzeug-Modell marktreif ist. Dementsprechend fällt auch Richters Resümee aus: "Für die nächsten 20 bis 30 Jahre ist der A380 der Weisheit letzter Schluss."

Quelle: n-tv.de