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Donnerstag, 05. Juni 2008

Fundsache, Nr. 346: Zweite Tropfsteinhöhle am Bleßberg

Beim Bau des Bleßberg-Tunnels für die ICE-Trasse von Erfurt nach Nürnberg ist eine weitere Tropfsteinhöhle entdeckt worden. Die Fachleute seien auf einen zweiten Karst-Hohlraum gestoßen, der etwa 60 Meter vor der geplanten Durchschlagstelle, dem südlichen Tunnelportal, liege, teilte die Deutsche Bahn mit. Experten der Fachbehörden, darunter das Landesbergamt und die Landesanstalt für Umwelt und Geologie, nahmen die neue Höhle bereits vor zwei Tagen in Augenschein. Notwendige Sicherheitsmaßnahmen seien eingeleitet. Fachleute des Thüringer Höhlenvereins könnten den neu entdeckten Hohlraum in den kommenden zwei Wochen erkunden, hieß es.

Anfang April war bei den Bauarbeiten eine erste Tropfsteinhöhle entdeckt worden. Nach Expertenangaben handelt es sich um eine der größten und schönsten Karsthöhlen in Deutschland. In ihr wurden von der Decke hängende Stalaktiten von bis zu 2,25 Metern Länge entdeckt. Wegen des schnellen Verschließens eines Teils des Hohlraums war die Bahn damals ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Außerdem gab es Vorwürfe von Naturschützern, dass Fachleute zu spät über die Entdeckung der Höhle informiert worden seien. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hatte deswegen Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Meinigen erstattet, weil dabei aus seiner Sicht gegen Thüringer Naturschutzrecht verstoßen wurde.

Eine Bahnsprecherin betonte, im Falle der zweiten Höhle erfolgten die weiteren Schritte beim Tunnelbau "mit äußerster Sorgfalt jeweils nach gründlichen Untersuchungen, beispielsweise mit Hilfe von Erkundungsbohrungen in Tunnelrichtung." Ziel seien sowohl der weitere Baufortschritt als auch die Erforschung und Dokumentation der Hohlräume, auch hinsichtlich naturschutzrelevanter Aspekte.

Der Bleßberg-Tunnel wird mit mehr als 8300 Metern der längste von 22 Tunneln der Neubaustrecke von Erfurt ins bayerische Ebensfeld. Er unterquert den Kamm des Thüringer Waldes. Die neue ICE-Verbindung von Berlin über Leipzig, Erfurt nach Nürnberg und München ist etwa 500 Kilometer lang. Die Strecke soll 2017 den Betrieb aufnehmen und die Reisezeit zwischen den beiden Endpunkten von derzeit sechs auf vier Stunden verkürzen.

Quelle: n-tv.de