"32 Jahre sind genug"Anwälte im Fall Polanski einig
Es ist selten, dass sich die Anwälte eines Täter und seines Opfers so einig sind. Im Fall Polanski ist dies allerdings der Fall: Anwälte beider Seiten plädieren vor Gericht für die Einstellung des mehr als 30 Jahre alten Verfahrens gegen den Starregisseur.
Die Anwälte Roman Polanskis forderten vor einem Berufungsgericht in Los Angeles, die Anklage wegen schwerer Verfahrensfehler im Jahr 1977 fallenzulassen. Im Zusammenhang mit dem Verhalten des damaligen Richters laufe es ihm "eiskalt über den Rücken", sagte Polanskis Anwalt Chad Hummel.
An der Anhörung nahm auch ein Anwalt der heute 45 Jahre alten Samantha Geimer teil. Die US-Justiz wirft dem 76-jährigen Polanski vor, die damals 13-Jährige sexuell missbraucht zu haben. Geimers Anwalt Lawrence Silver beantragte im Namen seiner Mandantin ebenfalls die Einstellung des Verfahrens. "32 Jahre sind genug", sagte er. Seiner Mandantin sei durch "unfaire" und "unsachgemäße" Gerichtsverfahren geschadet worden.
Die Staatsanwaltschaft verwies bei der Anhörung auf ihre bereits in der ersten Instanz vorgetragene Argumentation, wonach der derzeit in der Schweiz unter Hausarrest stehende Polanski selbst vor Gericht erscheinen müsse. Am Ende des Verfahrens dürfe nicht die Botschaft stehen, dass Angeklagte sich einem Prozess einfach durch Flucht entziehen könnten. Einer der drei Richter, die nun 90 Tage Zeit für ihre Entscheidung haben, sagte ebenfalls, seiner Meinung nach gebe es "Alternativen zur Flucht".
Für schuldig befunden
Polanski hatte sich seinerzeit des illegalen Sexualverkehrs für schuldig befunden. Ursprünglich war er wegen fünf anderer Punkte angeklagt, darunter Verabreichung von Drogen und Alkohol an ein unter 14 Jahre altes Kind zum Zweck der Vergewaltigung. Bevor das Urteil gefällt werden sollte, war er 1978 aus den USA geflohen. Eine Auslieferung aus der Schweiz, wo er auf Betreiben der US-Justiz festgenommen wurde und mehr als zwei Monate im Gefängnis saß, will Polanski unter allen Umständen verhindern.