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Bleibt in Freiheit: Nadja Benaissa.
Bleibt in Freiheit: Nadja Benaissa.(Foto: dpa)
Donnerstag, 26. August 2010

Urteil folgt der Anklage: Bewährung für Benaissa

"No Angels"-Sängerin Nadja Benaissa muss nicht ins Gefängnis. Das Gericht in Darmstadt verhängte eine zweijährige Bewährungsstrafe gegen die HIV-infizierte Sängerin, die gestanden hatte, im Wissen um ihre Krankheit ungeschützten Sex gehabt zu haben.

Der HIV-infizierten "No Angels"-Sängerin Nadja Benaissa bleibt das Gefängnis erspart. Das Amtsgericht Darmstadt verhängte gegen die 28-Jährige eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Außerdem muss sie 300 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Das Urteil folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Das Urteil nahm die Sängerin äußerlich unbeeindruckt auf. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Benaissa sich der gefährlichen Körperverletzung sowie der versuchten gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht hat. So habe sie 2004 einen Sex-Partner, der in dem Prozess als Nebenkläger auftrat, mit dem Aids-Virus angesteckt. Ein anderer Mann blieb von einer Ansteckung verschont.

Richter Wacker hielt Benaissa vor, "katastrophale  Fehlentscheidungen" getroffen und "verantwortungslos" gehandelt zu  haben. Es wäre ihr ohne Weiteres möglich gewesen, "auf die Nutzung  von Kondomen zu bestehen". Sie habe die Männer durch den  ungeschützten Sex zwar "nicht absichtlich in Gefahr" gebracht. Doch  habe sie eine Ansteckung "zumindest billigend in Kauf genommen."

Benaissa hatte zu Prozessbeginn gestanden, Sex ohne Kondom gehabt zu haben, obwohl ihr die eigene HIV-Infektion bekannt war. Richter Dennis Wacker wertete dies als "ganz erheblich" strafmildernd. Die Sängerin habe deutlich zu verstehen gegeben, "dass sie um ihr Fehlverhalten weiß und Verantwortung übernehmen will". Den von ihr angesteckten Mann indes habe sie damals "zu keinem Zeitpunkt über ihre HIV-Infektion aufgeklärt".

In ihren Plädoyers am Mittwoch hatten sich alle Seiten - Anklage, Verteidigung und auch der Anwalt des Nebenklägers - für eine Bewährungsstrafe ausgesprochen. Ein Gutachter untermauerte den Anklagepunkt der gefährlichen Körperverletzung: "Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist festzustellen, dass Frau Benaissa die Quelle für die Infektion war", sagte der Virologe Josef Eberle.

Benaissa hatte bereits zu Prozessbeginn Reue gezeigt. Auch in ihrem Schlusswort demonstrierte sie Einsicht: "Ich habe einen riesigen Fehler gemacht", sagte sie. "Es wird mir immer leid tun."

Die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH) kritisierte die Gerichtsentscheidung: "Ich halte dieses Urteil für falsch. Es wird der HIV-Prävention dramatischen Schaden zufügen. Wir sehen die Politik nun in der Pflicht, das Strafrecht der Lebensrealität anzupassen", erklärte DAH-Bundesvorstandsmitglied Carsten Schatz. Die DAH-Frauenreferentin Marianne Rademacher ergänzte: "Wenn die Verhütung vor allem Frauen und HIV-Positiven einseitig zugeschrieben wird, setzen wir die gemeinsame Verantwortung zweier Menschen außer Kraft."

Quelle: n-tv.de

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