Unterhaltung
Bloodline ist bereits als komplette Staffel abrufbar.
Bloodline ist bereits als komplette Staffel abrufbar.
Sonntag, 22. März 2015

Dunkle Geschäfte in Florida: "Bloodline" gibt die Familie nicht auf - vorerst

Von Anna Meinecke

"Ich fühle mich viel besser, wenn alle meine Kinder an einem Ort sind", verkündet Sally Rayburn vor ihrem großen Grillfest. Friedlich wird vor Inselkulisse gefeiert, doch das schwarze Schaf der Familie sitzt mit am Tisch.

Es wird nicht gut ausgehen, doch noch weiß das niemand. Unter Floridas Sonne kommt die Rayburn-Familie im elterlichen Hotel zusammen, um Vater Robert "Bob" (Sam Shepard), den alternden Patriarchen zu feiern. Mann grillt, man spielt Mehr-Generationen-Volleyball - wie man das als Südstaaten-Clan eben so macht. Alles sieht nach einem Familiendrama aus, doch die Macher von "Bloodline", haben gemixt, was nur in den seltensten Fällen zusammen gedreht wird: Verwandtschaft und Verbrechen. Seit gestern ist die Show über Netflix abrufbar.

Mit dem ersten Tropensturm wird es auch für die Rayburn-Sippe ungemütlicher.
Mit dem ersten Tropensturm wird es auch für die Rayburn-Sippe ungemütlicher.

Bei "Bloodline" ist ein Mord weder Ausgangspunkt noch Lösung des Problems. Er ist ganz einfach Teil eines größeren Geflechts aus Groll und Enttäuschung. Schnell schleicht sich das Gefühl ein, dass bei Bob und Ehefrau Sally (Sissy Spacek) - spätestens, wenn ihre Kinder ins Spiel kommen. John (Kyle Chandler) ist Polizist, Kevin (Norbert Leo Butz) arbeitet im Familienbetrieb und Meg (Linda Cardellini) als Anwältin. Auf den ersten Blick wirken die Rayburns wie eine liebevolle, umgängliche Familie. Doch der Schein trügt.

Sobald der erste tropische Sturm das Insel-Idyll in Grautöne färbt, sind auch die Raymonds nicht mehr gelassen. Da ist schließlich noch der älteste Sohn, Danny (Ben Mendelsohn). Er hat der Heimat eigentlich den Rücken gekehrt, pflegt ein zu gutes Verhältnis zum Alkohol und ein desaströses zum Gesetz. Jetzt will er zurück ins elterliche Nest krabbeln, im Familienunternehmen aushelfen. Bis auf seine Mutter ist die Familie skeptisch.

Vor Südstaatenkulisse entspinnt sich die manchmal etwas behäbig erzählte Geschichte der Familie Rayburn.
Vor Südstaatenkulisse entspinnt sich die manchmal etwas behäbig erzählte Geschichte der Familie Rayburn.

Was sucht Danny? Geld, Wiedergutmachung oder Rache? Die gängigen Dramaformate haben es den Zuschauer gelehrt, hinter der vertrauten Fassade von Stereotypen ein verstecktes Motiv zu suchen. So schnell lässt sich das jedoch bei keinem der Protagonisten durchschauen. Die Familienmitglieder belügen einander, so wie die Macher der Show ihre Zuschauer hinters Licht führen.

Zuschauer wird für ahnungslos gehalten

"Bloodline" lässt sich Zeit. So gemächlich, wie Bob mit dem Kanu seine Bahnen zieht, schreitet auch die Enthüllung der Geheimnisse voran. Die Serie nimmt sich Zeit, ihre Charaktere aufzubauen und sie tut es vielversprechend. Insbesondere da sich "Bloodline" über Netflix bereits jetzt als gesamte Staffel abrufen lässt, kann das gedrosselte Erzähltempo funktionieren. Die Show fühlt sich mit Cocktails am Strand ein bisschen an wie "The Affair" ohne Affaire. Und natürlich erinnert das Format an "Damages". Es stecken dieselben Macher dahinter.

Was an "Bloodline" frustriert, ist die konstante Ahnungslosigkeit, mit der die Show ihre Zuschauer zurücklässt. Denn sie wird aufgrund actiongeladener Vorblenden begleitet von der Gewissheit, dass ein grausames Ende naht. Es fällt im Laufe der ersten Staffel noch schwer, eine emotionale Verbindung zu den Charakteren der Show herzustellen, doch allein, dass das Bedürfnis danach nach einer knappen Stunde noch besteht, macht "Bloodline" zu einem der vielversprechenden Neustarts des Jahres.

Quelle: n-tv.de

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