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Wurde bei Markus Lanz zur Furie: Katrin Sass.
Wurde bei Markus Lanz zur Furie: Katrin Sass.(Foto: picture alliance / dpa)

Ab ins Camp!: Der Aussetzer von Katrin Sass

Ein Kommentar von Volker Probst

Auch beinahe ein Jahrzehnt nach der ersten Show weiß das Dschungelcamp noch zu polarisieren. Zumindest bei Schauspielerin Katrin Sass. Sie rastet in der ZDF-Show von Markus Lanz aus und attackiert Ex-"Dschungelkönig" Peer Kusmagk aufs Übelste. Zum Kotzen.

Eine Sache im Fernsehen regt meine Mutter so richtig auf. Nein, nicht das Dschungelcamp. Okay, das auch, aber vor allem sind es Krimis. Sie habe die Schnauze voll davon, sich Mord und Totschlag anzusehen, sagt sie und setzt dabei die Hemmschwelle nicht etwa erst bei "Kill Bill" oder "Das Schweigen der Lämmer" an. Ihr ist schon der "Tatort" zu viel. Und dass mittlerweile durch so ziemlich jeden Vorabend-Krimi der Marke "Soko" und Co die Leichen nur so kullern, natürlich auch.

Würde sie in einer Talksendung Katrin Sass gegenübersitzen, würde sie der Schauspielerin womöglich entgegen schleudern, dass sie ja wohl nicht mehr alle Latten am Zaun hat. Nein, das würde sie so natürlich nicht, denn meine Mutter hat Manieren. Aber sie würde der Actrice, die in zahlreichen Krimis - von "Polizeiruf 110" über den "Tatort" bis hin zu "Bella Block" - mitgewirkt hat, vielleicht schon erklären, was sie von der Gewalt im Fernsehen und der vermeintlichen Verrohung der Gesellschaft dadurch hält.

"Wie blöd muss man denn sein?"

Katrin Sass indes sagte in der ZDF-Show von Markus Lanz, was sie vom Dschungelcamp hält. Und das ganz ohne Manieren. Um nicht zu sagen: Sie rastete gegenüber dem einstigen "Dschungelkönig" Peer Kusmagk förmlich aus. Aussagen ihres Gegenübers in der Sexismus-Diskussion der Sendung kommentierte die Schauspielerin etwa mit dem Worten "Wie blöd muss man denn sein?" oder sie attestierte dem 37-Jährigen, den sie als "Junge" ansprach, "Müll" zu reden.

Opfer der Sass-Tirade: Seine Exzellenz Peer Kusmagk.
Opfer der Sass-Tirade: Seine Exzellenz Peer Kusmagk.(Foto: RTL)

Vollends in Rage geriet Sass, als Kusmagk seine Teilnahme an der RTL-Sendung "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" zu erklären versuchte. "Ich gehe in den Dschungel, um die 50.000 Knatter mitzunehmen", schrieb sie dem Moderator ins Stammbuch. Dass es ihm darum gegangen sei, erhobenen Hauptes das Camp zu verlassen, nahm sie Kusmagk nicht ab. "Das ist unglaublich, sich hier hinzusetzen und zu sagen: 'Ich will erhobenen Hauptes raus.' Ich fresse Schwänze, aber erhobenen Hauptes."

Als der von den Angriffen sichtlich geschockte Moderator sich zu rechtfertigen versuchte, fuhr Sass ihm über den Mund. "Dann geh doch nach Hause, wenn Dir das zu blöd ist." Schließlich sprach die 56-Jährige, der in ihrer Argumentation auch der Spiegel-Journalist Matthias Matussek zur Seite sprang, Kusmagk gar das Recht ab, in der Sexismus-Debatte mitzudiskutieren: "Das wird mal Zeit, mein Junge, du, dass du dir mal überlegst, was du hier machst in dieser Runde."

Wer im Glashaus sitzt ...

Kusmagk - ja, Herr Matussek, das Feuilleton liebt Analogien - musste sich geradezu an eine Szene im Dschungel erinnert fühlen. Die, in der damals - eingefleischte Fans erinnern sich - Mathieu Carrière auf Knien rutschend Sarah Knappik anflehte, doch bitte, bitte das Camp zu verlassen. Am Ende erwies sich Carrière als der eigentliche Scharlatan. Ganz so wie Katrin Sass.

Sprang Sass zur Seite: Journalist Matthias Matussek.
Sprang Sass zur Seite: Journalist Matthias Matussek.(Foto: picture alliance / dpa)

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen schmeißen. Und wäre Sass vielleicht nicht Krimidarstellerin, sondern zum Beispiel Sportlerin, dann hätte ich hier noch nicht mal mit meiner Mutter argumentieren müssen. Es gab auch mal eine Zeit, in der sich Leute gefragt haben, ob es zumutbar ist, dass sich Menschen gegenseitig zum Amüsement ins Koma prügeln oder zu Tode fahren. Heute schauen beim Boxen und der Formel Eins Millionen zu. Und natürlich auch dabei, wie sich jedes Wochenende die Fußballer in der Bundesliga gegenseitig die Beine brechen. Natürlich für etwas mehr "Knatter" als im Dschungelcamp.

Die Frage nach Moral und Amoral im Bereich der Unterhaltung (!) ist beinahe so dehnbar wie die danach, wo Sexismus beginnt und endet. Man kann und muss sie sicher diskutieren. Aber keinesfalls so wie Sass. Und nebenbei: Auch nicht so wie der ins gleiche Horn stoßende Matussek, der sich außer als Journalist vor allem als Katholik mit Faible fürs Zölibat hervorgetan hat. Aber hier die zweifelhaften moralischen Qualitäten seiner Organisation gegen das Dschungelcamp aufzuwiegen, wäre natürlich ein Fettnäpfchen, in das wir hier aber sowas von bestimmt nicht treten. Let us lieber weiter entertain you.

Grimme-Preis? Ein "Witz"!

Dass "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" für den Grimme-Preis nominiert worden sei, könne ja wohl nur ein "Witz" sein, meinte Sass weiter in der Inbrunst der Überzeugung, das moralische Richtmaß zu sein. Den komödiantischen, parodistischen und selbstironischen Wert der Show hat sie schlicht nicht begriffen. Und auch nicht, dass - zumindest inzwischen - längst nicht mehr alle nur wegen der lausigen Piepen und der puren Not in das Camp einziehen. Eine Olivia Jones etwa, die drei Läden auf der Reeperbahn schmeißt, dürfte nicht gerade der Zaster gereizt haben. Wohl aber - wie viele andere auch - die Lust an der Selbstdarstellung. Die bezahlt sie eben gern auch mal damit, dass sie einen Maden-Shake verputzt.

Wie beim Dschungelcamp wird die Debatte darum, ob ein TV-Format verantwortbar ist, normalerweise in dessen Anfangstagen heiß diskutiert. Ganz ähnlich war es etwa auch bei "Big Brother". Und das vollkommen zu Recht. Die ersten Teilnehmer solcher Sendungen wissen schließlich nicht, worauf sie sich einlassen. Die Kandidaten der jüngsten Dschungel-Shows wussten es jedoch allemal. Die Realität überrollt eben nun mal immer wieder manche noch so gut gemeinte althergebrachte Moralvorstellung. Ganz so wie bei Facebook, Twitter und Co, deren Existenz einige frühere Frontkämpfer gegen die Volksbefragung noch immer zur Weißglut treibt.

Insofern mutete der Aufstand der vermeintlich Anständigen, den Sass und Matussek bei Lanz probierten, schon beinahe prähistorisch an. Ja, er war sogar erschreckender als manches im Dschungelcamp. Um nicht zu sagen: Wie das eine oder andere Busch-Leckerli war er geradezu zum Kotzen.

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Quelle: n-tv.de

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