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Jennifer Lawrence mag klare Ansagen. Damit passt sie irgendwie zu der diesjährigen Oscar-Show.
Jennifer Lawrence mag klare Ansagen. Damit passt sie irgendwie zu der diesjährigen Oscar-Show.(Foto: REUTERS)

Oscar, "Argo", Haneke und Waltz: Der Oscar wird schmutzig

Von Markus Lippold

Ein Song über die Brüste von Schauspielerinnen, ein bitterböser Lincoln-Witz und "schwule" Musikeinlagen. Seth MacFarlane haucht der Oscar-Show etwas Leben ein - und Schmutz. Ansonsten werden die Preise hübsch verteilt: Ben Affleck jubelt, Österreich gleich zweimal und Anne Hathaway sowieso. Nur Steven Spielberg geht leer aus.

Die stolzen Produzenten von "Argo": Grant Heslov (l.), Ben Affleck (M.) und George Clooney.
Die stolzen Produzenten von "Argo": Grant Heslov (l.), Ben Affleck (M.) und George Clooney.(Foto: AP/dpa)

Wandert Steven Spielberg jetzt aus? Wieder einmal geht er bei einer Oscar-Verleihung leer aus. Zum siebten Mal war er für die beste Regie nominiert - zum fünften Mal geht er ohne Oscar nach Hause. Ja, wenn die 85. Oscar-Verleihung (hier der Liveticker zum Nachlesen) etwas gezeigt hat, dann war es die Niederlage für "Lincoln". Zwölf Mal war Spielbergs Film über den US-Präsidenten und den amerikanischen Bürgerkrieg nominiert. Am Ende reichte es für zwei Preise.

Ansonsten gab es keinen großen, alle anderen überragenden Gewinner in diesem Jahr. Die Preise wurden hübsch gerecht verteilt. Und zwar an Filme, die sich auf die eine oder andere Art dem Hollywood-Einerlei entziehen. "Life of Pi" holte vier Oscars und landet damit an der ersten Stelle. Der visuell überragende 3D-Film zeigt dem Kinopublikum, was mit der neuen Technik möglich ist. "Les Misérables" erntete bei der Kritik ein geteiltes Echo, aber das kann einem Musical, in dem die Schauspieler live singen, eben passieren. Der Lohn: drei Oscars. Und mit "Argo" holt ein ausgesprochen politischer Streifen den Preis für den besten Film. Der wurde überdies von Michelle Obama während einer Live-Schalte aus dem Weißen Haus präsentiert.

Bilderserie

Dabei war die Show eher politisch unkorrekt. Das lag an Moderator Seth MacFarlane, der für die Trickserien "Family Guy" und "American Dad" und für den Film "Ted" bekannt ist. Der brachte ordentlich Schwung in die Show, die in den letzten Jahren müde vor sich hin geplätschert war. Richtig gut war etwa gleich der Beginn, als nicht nur William Shatner als Captain Kirk aus der Zukunft grüßte, sondern MacFarlane auch noch den Song "We saw your Boobs" zum Besten gab. Da besang er die Brüste der nominierten Schauspielerinnen. Die drehten sich im Publikum nur verschämt zur Seite.

"Noch nicht schwul genug"

Überhaupt war die Show ganz auf Musik abgestellt, das Motto hieß ja "Music in Film". Da wurde gesungen, getanzt, gekrächzt (jaja, Russell Crowe) und Barbara Streisand trat auf. Und dann gab es noch eine Reminiszenz an "Chicago" (bester Film 2003) und andere ältere Musikfilme. Moderator MacFarlane kommentierte das trocken: "Die Show ist ja noch nicht schwul genug."

Haneke bekommt den Oscar von Jennifer Garner überreicht, der Frau von Ben Affleck - da schließt sich der Kreis zwischen bestem Film und bestem Auslands-Film.
Haneke bekommt den Oscar von Jennifer Garner überreicht, der Frau von Ben Affleck - da schließt sich der Kreis zwischen bestem Film und bestem Auslands-Film.(Foto: AP/dpa)

Ja, MacFarlane machte seine Sache ziemlich gut und sorgte für ein paar frische Ideen. Zumindest hörte man den Schrecken, der einigen Gästen im Publikum in die Glieder fuhr, wenn MacFarlane wiedermal politisch unkorrekt wurde. Etwa, als er über den Mörder von Lincoln, den Schauspieler John Wilkes Booth, sagte, dieser Mime habe den US-Präsidenten am besten getroffen. An die singende Trapp-Familie wurde dann mit einem Nazi-Witz erinnert, der aber irgendwie unterging.

Dass der Show dann, je länger sie dauerte, auch etwas die Luft ausging und sie braver wurde, ist ja normal. Spannend war es am Ende trotzdem. Und das lag an Ben Affleck, der angekommen ist in Hollywood. Nach dem frühen Drehbuch-Oscar für "Good Will Hunting", nach einigen Blockbustern und etlichen Flops ist er jetzt mit "Argo" wieder obenauf. Der Film über die Befreiung von US-Geiseln im Iran erhielt den Academy Award für den besten Film - unter den geehrten Produzenten war neben Affleck auch George Clooney. Außerdem nahm der Streifen, der auf einer wahren Begebenheit beruht, noch die Statuen für adaptiertes Drehbuch und Schnitt mit.

Freude in Österreich - und Berlin

Um einen Oscar übertrumpft wurde "Argo" aber noch von "Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger". Für seinen bildgewaltigen und poetischen 3D-Film wurde der Taiwaner Ang Lee mit dem Regie-Oscar belohnt. Der Preis gehörte zu den wenigen Überraschungen des Abends, auch wenn Ang Lee den gleichen Oscar bereits für "Brokeback Mountain" erhielt. Außerdem bekam "Life of Pi" die Preise für Kamera, Filmmusik und die visuellen Effekte.

Die besten Darsteller: Daniel Day Lewis (l.), Jennifer Lawrence (2.v.l.), Anne Hathaway und Christoph Waltz.
Die besten Darsteller: Daniel Day Lewis (l.), Jennifer Lawrence (2.v.l.), Anne Hathaway und Christoph Waltz.(Foto: REUTERS)

Der Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film ging in diesem Jahr nach Österreich. Michael Haneke nahm ihn für "Liebe" mit nach Hause. Darüber freut sich aber nicht nur die Alpenrepublik, sondern auch die deutschen Co-Produzenten vom Berliner X-Filme Creative Pool um Stefan Arndt. Dass "Liebe" in vier weiteren Kategorien leer ausging, ist da auch egal.

Die Darstellerpreise wurden gerecht auf vier Filme verteilt, wobei Daniel Day-Lewis als bester Hauptdarsteller heraussticht: Er ist der erste Schauspieler überhaupt, der drei Oscars erhält (wobei Katherine Hepburn mit vier Oscars immer noch führt). Der Goldjunge für Day-Lewis ist wohl eine Art Trostpreis für "Lincoln", der trotz vieler Nominierungen nur noch den Oscar für das Szenenbild erhielt.

Tarantino erhielt seinen Oscar von Charlize Theron.
Tarantino erhielt seinen Oscar von Charlize Theron.(Foto: REUTERS)

Immerhin bewies der irisch-britische Mime aber Humor. Nachdem er den Preis aus den Händen von Meryl Streep erhalten hatte, frotzelte er, dass er eigentlich für die Rolle der Margaret Thatcher vorgesehen war - jene Rolle, mit der Streep im vergangenen Jahr den Oscar holte. Und Streep hätte Lincoln spielen sollen. Naja, bei zwei so überragenden Schauspielern ist das gar nicht mal abwegig.

Als beste Hauptdarstellerin wurde Jennifer Lawrence ausgezeichnet. Nachdem sie trotz schwerem und riesigem Kleid doch noch die Bühne erklommen hatte, zeigte sie sich sehr aufgeregt. Der Preis für ihre Darstellung in der Tragikomödie "Silver Linings" ist gerechtfertigt und zeigt, dass Hollywood durchaus Wert legt auf seine kleineren Produktionen - tags zuvor hatte der Film bereits bei den Independent Spirits Awards abgeräumt. Lawrence jedenfalls dürfte noch eine große Karriere bevorstehen. Es war bereits ihre zweite Nominierung.

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Ebenfalls etabliert in Hollywood ist inzwischen wohl der deutsch-österreichische Schauspieler Christoph Waltz. Er brauchte dafür gerade mal zwei Jahre. Für seine Rolle in "Django Unchained" von Quentin Tarantino erhielt er bei der zweiten Nominierung bereits die zweite Trophäe. Ihren ersten Oscar bekam dagegen Anne Hathaway. Auch dieser Preis für die Singrolle in dem Musical "Les Misérables" ist nicht unverdient, auch wenn einige Kritiker die Sangesleistung eher skeptisch sehen. Apropos "Les Misérables": Der Film räumte (bei acht Nominierungen) noch zwei weitere Preise ab, für Ton sowie Make-Up und Frisuren.

Genugtuung für Tarantino und 007

Eine Genugtuung gab es für Quentin Tarantino, der nicht für den Regie-Oscar nominiert war, aber den Preis für das beste Originaldrehbuch von "Django Unchained" entgegennahm. Wie groß seine Erleichterung war, zeigte sich an der schnellen, begeisterten Rede, die er hielt. Aber Maschinengewehrfeuer ist ja nichts Ungewöhnliches für den Filmemacher.

In gewisser Weise entschädigt wurde auch James Bond. Nach Jahren, in denen 007 von der Academy von wenigen Ausnahmen abgesehen ignoriert wurde, gab es diesmal zwei Preise - das waren dann genau so viele wie für "Lincoln". Neben dem Tonschnitt (den sich "Skyfall" mit "Zero Dark Thirty" teilte, weil sie gleich viele Stimmen bekamen) wurde auch der Titelsong ausgezeichnet, den die britische Sängerin Adele live auf der Bühne vortrug. Außerdem gab es einen Einspieler mit Szenen aus allen Bond-Filmen, eine Verneigung zum 50. Kinojubiläum.

Den Preis für den besten Zeichentrickfilm erhielt "Merida - Legende der Highlands", in der animierten Kurzform "Im Flug erobert". Bester Dokumentarfilm wurde das britisch-schwedische Werk "Searching for Sugar Man", die fast unglaubliche Geschichte über die (ihm selbst nicht bewusste) ungeheure Popularität eines US-Musikers in Südafrika; bester Doku-Kurzfilm wurde "Inocente". "Anna Karenina" wurde für die Kostüme prämiert, "Curfew" als bester Kurzfilm.

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Quelle: n-tv.de

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