Unterhaltung

Boygroup-Idol, Solo-Künstler, Drogen und VaterrolleDie Dämonen des Robbie Williams

13.02.2014, 18:50 Uhr
imageVon Thomas Stechert
Robbie3
Robbie Williams wird erwachsen: Er ist verheiratet und Vater einer Tochter. (Foto: picture alliance / dpa)

In Europa ist er ein Weltstar, in den USA nur eine Randerscheinung. Sein Drang, im Mittelpunkt zu stehen, manifestiert sich bereits in der Kindheit, mit "Take That" legt er den erfolgreichen Grundstein. Nun wird Robbie Williams 40.

Ruhm und Geld sind keine sicheren Garanten für ein sorgloses und zufriedenes Leben. Nicht jeder ist dafür geschaffen, auf der weltumspannenden Bühne des Entertainments zu stehen und dabei der permanenten Beobachtung und Beurteilung der Gesellschaft ausgeliefert zu sein. Die Geschichte der Unterhaltung ist voll mit großen Namen, die an ihren eigenen und denen vom Mainstream geforderten Ansprüchen gescheitert sind.

Marilyn Monroe, Elvis Presley, Kurt Cobain, Michael Jac kson und der erst kürzlich verstorbene Philip Seymour Hoffman sind nur einige dieser Persönlichkeiten, die sich, getrieben von inneren Dämonen, bereitwillig dem Fokus der Öffentlichkeit aussetzen. Gierig nach Aufmerksamkeit und fast jedes Opfer für Anerkennung bringend, stürzen sie sich kopfüber in künstlerische und private Exzesse, deren einziger Katalysator der Missbrauch von Drogen und Medikamenten zu sein scheint.

Diesem schmalen Grat zwischen dem Erfolg um jeden Preis und dem schwarzen, bodenlosen Abgrund des Versagens vor den eigenen Anforderungen, folgt auch der 1974 in Stoke-on-Trent in Staffordshire/England geborene Pop-Musiker Robbie Williams.

Die Sucht nach permanentem Erfolg, nach ständigen Streicheleinheiten für sein Talent und seine Person war von Beginn an sein Begleiter. Wenn die Dämme zwischen der eigenen Persönlichkeit und der überdimensional aufgeblähten Kunstfigur brechen und der Verlust der eigenen Identität nur noch mit falschem Ego und vergänglichen Erfolgen gefüllt wird, ist das künstlerische und private Ende ständig in greifbarer Nähe. Williams ist dabei, seinen Pfad erfolgreich zu meistern, aber er wäre nicht der Erste, der dennoch scheitert.

Drogen-Experimente, Identitätsverlust und "Take That"

Ein Leben auf der Überholspur war für Robbie William s von Beginn seiner Karriere an gewollt. Im zarten Alter von 16 Jahren traf er durch eine Zeitungsannonce, die Talente für eine Boy-Band suchte, auf den Musikmanager Nigel Martin-Smith. Martin-Smith bastelte 1990 aus Gary Barlow, Mark Owen, Jason Orange, Howard Donald und dem kleinen Williams die bis weit in die 90er Jahre hinein erfolgreiche Boygroup "Take That".

Der kleine Robbie, der vom Konzept der Band her eigentlich nicht der Lead-Part war, entwickelte sich schnell zum Liebling der überwiegend weiblichen Fans. Mit seiner Mischung aus Clown, Romantiker und rebellischer Draufgänger traf Williams bei den jungen Ladys den richtigen Nerv. Alle "Take That"-Anhänger liebten die Band, aber für den wilden Robbie hätten sie ihr Erstgeborenes geopfert oder im Idealfall gleich von ihm empfangen. "Take That" wurde zum Phänomen und der "Could It Be Magic"-Sänger zum Idol.

Take-That
Bis Mitte der 90er feierte Williams mit "Take That" große Erfolge. (Foto: picture alliance / dpa)

Mit König Alkohol und anderen chemischen Substanzen hatte Robbie Williams, nach eigener Aussage, schon vor seiner Zeit bei "Take That" ein gelegentliches Verhältnis. Das Leben als Teenie- und Musikstar förderte nicht gerade seine Abstinenz zu besagten Rauschmitteln. Nach jahrelanger Suche nach einer eigenen Identität, dem ausschweifendem Leben eines Rockstars und Querelen zwischen ihm, den Bandmitgliedern und seinem Management, nahm der damals 21-Jährige seinen Hut und verlies "Take That". Armageddon für die Fans: Seelsorge-Hotlines wurden eingerichtet. Der Untergang des Abendlandes stand bevor.

Der kleine Robbie wähnte sich frei, in Bezug auf Kreativität und die ehemaligen Arbeitskollegen. Aber der Vertrag mit den inneren Dämonen ist mit Blut besiegelt und kann von keinem Gericht dieser Welt mit einer kleingeschriebenen Klausel ausgehebelt werden.

Romantischer Pop-Komiker mit rebellischem Anstrich

Robbie Williams wurde im vergangenen Jahrzehnt einer der erfolgreichsten Pop-Musiker des Planeten. Im November letzten Jahres stellte er mit "Swings Both Ways" sein mittlerweile zehntes Studioalbum vor und setzte damit seine Leidenschaft für den Swing nach dem 2001er Album "Swing When You’re Winning" fort. Beide Projekte huldigen Williams persönlichen Vorbildern Frank Sinatra, Dean Martin und Samy Davis Junior. Der britische Pop-Star kann insgesamt auf über 70 Millionen verkaufte Tonträger zurückblicken. 2010 schloss er sich seinen alten Bandkollegen von "Take That" wieder an und konnte den Bruch mit seinem alten Kumpel Gary Barlow kitten.

Und dennoch, glücklich wirkte der Star in all diesen Jahren selten. Bei Konzerten und Interviews spielte er zwar weiterhin den Clown, aber die von ihm geschaffene Kunstfigur bekam Risse. Ein unzufriedener, missverstandener und ängstlicher Junge schien durch die Fassade des erfolgreichen Musikers hindurchzuschimmern. Eine Medikamenten-Abhängigkeit, die Williams zu einem Aufenthalt in eine Reha-Klinik zwang, unterstrich diesen Umstand medienwirksam.

Der große Durchbruch in den USA wollte dem Briten nie so richtig gelingen. Bei allen musikalischen Erfolgen, die er weltweit feiert, spielt er am anderen Ende des großen Teiches nicht mal die zweite, sondern vielmehr die vierzigste Geige. Auch sein Versuch in der Schauspielerei Fuß zu fassen, entpuppte sich als Wunschtraum. Gerne hätte er den neuen James Bond verkörpert.

Seine Fans und die Öffentlichkeit haben seine Rolle festgelegt. Die Parameter seiner Möglichkeiten sind damit klar definiert. Robbie Williams soll bleiben, wie er ist: der romantische Pop-Komiker mit leicht rebellischem Anstrich.

Frieden in der "Advertising Space"-Street

Seit eineinhalb Jahren ist der mittlerweile leicht ergraute Robbie Vater eines kleinen Mädchens. Die Geburt seiner Tochter scheint den einstig unruhigen Musiker in seichtere Gefilde geführt zu haben. Auch wenn er, nach eigener Aussage, seinen Ansprüchen selten gerecht wird, so ist die Vaterrolle eine Aufgabe, an der er wachsen möchte.

Ein Leben im Showbusiness scheint der kleinen Theodora Rose vorprogrammiert zu sein. Mama Ayda Field ist Schauspielerin und ihr Vater einer der erfolgreichsten Musiker Großbritanniens. Bleibt nur zu hoffen, dass Daddy-Williams mit seinem reichen Erfahrungsschatz das Familien-Schiff um die allzu scharfen Klippen des Ruhms herum manövriert oder im Notfall ein Rettungsboot parat hat.

Robbie Williams wirkt ruhiger in diesen Tagen. Heute an seinem 40. Geburtstag will seine Heimatstadt Stoke-on-Trent ihm zu Ehren einige Straßen nach seinen erfolgreichsten Liedern benennen. Wenn der "Take That"-Sänger in den nächsten Jahren mit seinen Lieben durch die "Rock DJ"-, die "Feel"- und die "Advertising Space"-Street schlendert, wird es ihm vielleicht gelungen sein, seinen inneren Frieden zu finden und die geltungssüchtigen Dämonen zu zähmen.

Quelle: ntv.de