Unterhaltung
Regisseur Edgar Reitz freut sich bei der Verleihung.
Regisseur Edgar Reitz freut sich bei der Verleihung.(Foto: dpa)
Freitag, 09. Mai 2014

"Die andere Heimat": Edgar Reitz erhält Goldene Lola

Am Ende entscheidet sich die Deutsche Filmakademie gegen den Publikumsliebling. Nicht der Kassenknüller "Fack ju Göhte" gewinnt die Goldene Lola. Der Gewinner ist ein kunstvoller Schwarz-Weiß-Film über die deutsche Geschichte.

Der virtuose Kunstfilm setzt sich gegen die knallige Komödie durch: Die Goldene Lola für den besten deutschen Spielfilm erhielt in Berlin der 81-jährige Regisseur Edgar Reitz für sein vierstündiges, in Schwarz-Weiß gedrehtes Geschichtsepos "Die andere Heimat". Der ebenfalls in der Königskategorie nominierte Publikumsrenner "Fack ju Göhte" von Bora Dagtekin musste sich mit dem undotierten Sonderpreis für den mit sieben Millionen Zuschauern besucherstärksten Film begnügen. Den Auswandererfilm "Die andere Heimat" sahen dagegen nur 122.000 Zuschauer.

Ganz groß räumte bei der Verleihung des 64. Deutschen Filmpreises der düstere Alpen-Western "Das finstere Tal" von Andreas Prochaska ab, der gleich acht Auszeichnungen einheimste - darunter die Silber-Lola in der Kategorie Spielfilm. Tobias Moretti nahm außerdem die Ehrung als bester Nebendarsteller entgegen, weitere Preise gab es vor allem in kleineren Kategorien, unter anderem für Kamera, Maske, Kostüm und Filmmusik.

Mit der Entscheidung für Reitz würdigten die 1600 Mitglieder der Deutschen Filmakademie ganz offensichtlich auch das jahrzehntelange Schaffen des Schöpfers der berühmten "Heimat"-Filmreihe. Sein jüngstes Werk erzählt die Vorgeschichte. "Die andere Heimat" beleuchtet das Schicksal bitterarmer Menschen im Hunsrück Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie denken ans Auswandern nach Übersee und kommen doch oft nicht fort aus dem Dorf Schabbach. Gesprochen wird im Film fast ausschließlich Hunsrücker Platt.

Emotionen und Tränen

Goldene Lola für das Lebenswerk an Helmut Dietl.
Goldene Lola für das Lebenswerk an Helmut Dietl.(Foto: dpa)

Einen sehr emotionalen Moment gab es bei der Gala im Berliner Tempodrom, als der krebskranke Regisseur Helmut Dietl ("Schtonk", "Zettl") die Goldene Lola für sein Lebenswerk entgegen nahm. Der 69-Jährige dankte ausdrücklich seiner Frau. Die Tatsache, dass er an diesem Abend auf der Bühne stehe, habe er ihrer Pflege in den vergangenen Monaten zu verdanken.

Zu Tränen gerührt war Jördis Triebel, die für ihre Leistung in der DDR-Fluchtgeschichte "Westen" als beste Schauspielerin geehrt wurde. Dieter Hallervorden - für seine Rolle in "Sein letztes Rennen" als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet - nutzte seine Dankesrede für eine kleine Abrechnung. "Für mich bedeutet der Preis eine große Genugtuung", meinte er. Die Auszeichnung sei eine saftige Ohrfeige für Möchtegern-Kritiker, die ihn als Komödianten lange abgewatscht hätten.

Mehr als 1800 Filmschaffende waren zu der von Schauspieler Jan Josef Liefers moderierten Gala gekommen, darunter Uschi Glas, Christine Neubauer, Michael Gwisdek und Katja Riemann sowie die Regisseure Leander Haußmann und Oskar Roehler. Nachdem die Trophäen verteilt waren, sollte bei dem "Familientreffen der Branche" noch bis in den Morgen weitergefeiert werden.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen