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Sie schauen sich in die Augen: Rick (Bogart) und Ilsa (Bergman). Bogart freilich trägt Plateau-Schuhe, damit er größer wirkt.
Sie schauen sich in die Augen: Rick (Bogart) und Ilsa (Bergman). Bogart freilich trägt Plateau-Schuhe, damit er größer wirkt.(Foto: AP)

Vor 70 Jahren startete "Casablanca": Ein Kinojuwel für die Ewigkeit

Seine Nationalität ist Trinker, er weiß nichts mehr von letzter Nacht und plant nicht bis zum Abend: Rick ist nicht gerade charmant. Trotzdem erobert er in "Casablanca" die Herzen des Publikums. Dabei brauchte Humphrey Bogart Plateau-Schuhe, um Ingrid Bergman in die Augen schauen zu können.

Es ist eines der bekanntesten und vielleicht sogar besten Werke der Kinogeschichte: "Casablanca" mit Humphrey Bogart als Rick Blaine und Ingrid Bergman als Ilsa Lund. Auch wenn keiner so recht weiß, warum dieser zum Teil schlampig gemachte Streifen von Michael Curtiz, den viele beim ersten Anschauen für unlogischen Kitsch halten, eine derart magische Wirkung entfalten konnte: Irgendwie ist und bleibt "Casablanca" der Film der Filme.

Sam soll spielen, Rick will trinken.
Sam soll spielen, Rick will trinken.(Foto: AP)

Eine einleuchtende These lautet: Das Anti-Nazi-Melodram ist eine Essenz von allen nur denkbaren Liebesfilmen. Ein Feuerwerk von Klischees, aber gerade deshalb so zitierbar. Und auch nach sieben Jahrzehnten wirkt der mit drei Oscars ausgezeichnete Film (unter anderem für den besten Film und die beste Regie) noch so, als hätten sich alle Hollywood-Schmonzetten davor und danach in dieser einen verdichtet. Am 26. November 1942 feierte "Casablanca" in New York seine Premiere, bevor er dann am 23. Januar '43 in die US-Kinos kam. Dass sich gleichzeitig Roosevelt, de Gaulle und Churchill in der marokkanischen Stadt zu einer Konferenz trafen, dürfte die Aufmerksamkeit dabei noch erhöht haben.

"Zur Erinnerung an damals"

"Spiel es einmal, Sam. Zur Erinnerung an damals" lautet eines der berühmtesten Zitate (und nicht "Spiel's noch einmal, Sam", wie viele glauben - diese Version stammt aus einer Persiflage der Marx Brothers). Ilsa sagt diesen Satz, als sie mit ihrem Mann Victor Laszlo (Paul Henreid) unerwartet in "Rick's Café Americain" in Casablanca auftaucht und den Pianisten Sam (Dooley Wilson) wiedertrifft, Ricks guten Freund und Begleiter.

Schöner Kitsch: Rick und Ilsa in Paris.
Schöner Kitsch: Rick und Ilsa in Paris.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Und dieses "Damals", das sie meint, ist natürlich klischeegerecht Paris, die Stadt der Liebe, in der Ilsa und Rick im Sommer 1940 eine Affäre hatten, kurz bevor die Nazis Frankreichs Hauptstadt besetzten. Und zwar in einer Zeit, in der Ilsa dachte, dass ihr zu schützender Mann, der Widerstandskämpfer Laszlo, womöglich tot ist.

In kitschigen Rückblenden erfährt der Zuschauer, wie das damals war, wie sich Ilsa und Rick in den letzten Tagen vor dem Einmarsch der Deutschen das Leben versüßten ("Wir haben doch ausgemacht: keine Fragen"). Romantisch fällt hier auch der Satz, den jeder kennt und den Bogart viermal im Film sagt: "Ich seh' dir in die Augen, Kleines" (also nicht: "Schau mir in die Augen, Kleines", der Originalsatz lautet "Here's looking at you, kid"). Bei den Dreharbeiten musste der nicht gerade groß gewachsene Bogart freilich Plateau-Schuhe tragen, die ihn erst auf Augenhöhe mit Bergman brachten.

Bogart brauchte Plateau-Schuhe, die Bergman war einfach zu groß für ihn.
Bogart brauchte Plateau-Schuhe, die Bergman war einfach zu groß für ihn.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Die namensgebende Stadt Casablanca ist für den Film, der Ende 1941 spielt, zu einem Tummelplatz für Emigranten aus dem eingeschlossenen Europa verklärt, die alle zum großen Auswandererhafen Lissabon wollen und dann nach Amerika. Doch der historische Hintergrund ist ein bisschen konstruiert - am ehesten kam in Marokko noch Tanger an das heran, was hier für Casablanca beschrieben wird. Die Bar im dortigen Hotel "El Minzah" war ein Refugium, ähnlich wie "Rick's Café" im Film. Egal: Das alles hinderte die Amerikanerin Kathy Krieger nicht daran, vor ein paar Jahren in der Innenstadt von Casablanca "Rick's Café" zu eröffnen - aus Zelluloid wurde sozusagen ein echtes, stilvolles Lokal.

Nationalität: Trinker

Wobei der Film selbst auch ein Tummelbecken europäischer Schauspieler war, die teils eigene Erfahrungen als Emigranten hatten: Neben der Schwedin Bergman stand der Österreicher Paul Henreid vor der Kamera, der 1935 aus Protest gegen den Anschluss Österreichs nach England und danach in die USA geflohen war. Der Ungar Peter Lorre, der mit Fritz Langs "M" berühmt geworden war, und Curt Bois waren bereits 1933 aus Deutschland geflohen. Sie spielten in " Casablanca" also auch die Rollen ihres Lebens.

Die Hauptfiguren, dargestellt von Bogart, Claude Rains, Paul Henreid und Ingrid Bergman (v.l.).
Die Hauptfiguren, dargestellt von Bogart, Claude Rains, Paul Henreid und Ingrid Bergman (v.l.).(Foto: AP)

So versteht man erst im Laufe der etwa 100 Minuten, warum das Lied "As Time Goes By" so viel Wehmut bei den Beteiligten hervorruft: "You must remember this/A kiss is just a kiss/A sigh is just a sigh ..."). Der in Casablanca als Zyniker bekannte Rick ("Ich halte für niemanden den Kopf hin"), den Humphrey Bogart darstellt - man möchte gar nicht sagen, dass er ihn "spielt", denn er scheint mit der Rolle zu verschmelzen -, selbst dieser Rick hat eine weiche pathetische Seite und ein Herz. Und am Ende wächst er über sich hinaus.

Doch zunächst gibt es herrlich schräge Dialoge mit Bogart, etwa: "Welche Nationalität haben Sie?" Antwort: "Ich bin Trinker." Oder aber: "Wo warst Du letzte Nacht?" Antwort: "Das ist so lange her, ich erinnere mich nicht." Oder: "Sehen wir uns heute Nacht?", Antwort: "Ich plane nie so weit im voraus." Und wie wäre es mit: "Was hat Sie nur in Gottes Namen nach Casablanca verschlagen?" Antwort: "Meine Gesundheit. Ich kam nach Casablanca wegen der Quellen.""Quellen? Was für Quellen? Wir sind in der Wüste." "Man hat mich falsch informiert."

"Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft"

Rick ergeht sich zunächst in Selbstmitleid: "Nicht zu fassen: von allen Kaschemmen der ganzen Welt kommt sie ausgerechnet in meine." Doch am Schluss wählt er nicht die Rache oder Eifersucht, sondern stellt die unbezahlbaren, sicheren Transitvisa Ilsa und ihrem Mann zur Verfügung - damit die beiden als Paar weiter für die gute Sache kämpfen können. Es gibt Wichtigeres als die Liebe. Oder: Die größte Liebe ist die, die sich nie (ganz) erfüllt. Kein Wunder, das der bis dahin vor allem als Gangster besetzte Bogart mit dem Film zum Held wurde und seinen großen Durchbruch erlebte.

Und noch was: der Film ist ein Hoch auf die Freundschaft, denn Rick bleibt in (Französisch-) Marokko, bei dem korrupten Polizeichef Louis Renault (Claude Rains): "Louis, ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft", heißt es ganz am Ende. Auch dieser - im Nachhinein eingefügte Satz - ist heute ein Klassiker.

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Quelle: n-tv.de

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