Unterhaltung

Benefizkonzert ihm zu EhrenEin Mythos wird 90

26.06.2008, 15:57 Uhr

Im Hyde Park wird für den bald 90-Jährigen aufgespielt – und für die Aidskranken dieser Welt. Der Erlös des Konzerts im Londoner Hyde Park kommt einer Kampagne gegen das HI-Virus zugute.

Nelson Mandela schreckt vor keiner Strapaze zurück, wenn es um seine Herzensangelegenheiten geht. Der Friedensnobelpreisträger hat die lange Flugreise von Südafrika nach Großbritannien auf sich genommen, um an einem Aids-Benefizkonzert im Londoner Hyde Park teilzunehmen, das am Freitag anlässlich seines bevorstehenden 90. Geburtstags veranstaltet wird. Die Einnahmen des Konzerts kommen Mandelas Kampagne für den Kampf gegen Aids zugute. Das Konzert steht unter dem Motto "46664" - Mandelas Häftlingsnummer auf der Gefangeneninsel Robben Island.

Der Anti-Apartheids-Kämpfer und erste schwarze Präsident Südafrikas wird am 18. Juli 90 Jahre alt. "Dieser alte, zerbrechliche Mann ist einer der seltenen Giganten auf unserem Planeten", würdigte der irische Musiker Bob Geldof Mandela bei einem der ersten Benefizkonzerte dieser Art. Ein 46664-Konzert in Kapstadt verfolgten Ende 2003 weltweit zwei Millionen Fernsehzuschauer. Damals gaben sich Musiker wie Peter Gabriel und der Südafrikaner Johnny Clegg, die schon den Anti-Apartheid-Kampf unterstützt hatten, ein Stelldichein. Am Freitag treten unter anderem Simple Minds, Queen und der Soweto Gospel Chor auf.

Befreit von Apartheid und Aids

"Du hast uns geholfen, die Apartheid zu besiegen, Du wirst uns auch helfen, das HI-Virus und Aids zu besiegen", appellierte Südafrikas Ex-Bischof Desmond Tutu an Mandela. Denn der einst berühmteste Häftling der Welt, der es bis zum Präsidentenamt brachte, hat sich nach seinem Rückzug aus der Politik dem Kampf gegen Aids verschrieben. Er gründete eine Stiftung, die kostenlos Medikamente an Aids-Kranke verteilt. Denn sexuelle Gewalt, Aberglaube und eine umstrittene Gesundheitspolitik haben dazu geführt, dass in Südafrika inzwischen 5,5 Millionen der 48 Millionen Einwohner mit dem Aids-Virus infiziert sind, mehr als in jedem anderen Land der Welt. Auch Mandelas Sohn Makgatho starb 2005 an Aids.

Mandelas Name steht wie kein anderer für den Befreiungskampf der Schwarzen in Südafrika, für die Überwindung des Apartheid-Systems. 27 Jahre saß er in Haft. Doch Rachegelüste waren ihm fremd. Er, der jahrzehntelang gegen die Apartheid stritt und zum bewaffneten Kampf gegen die weißen Unterdrücker aufrief, wurde nach seiner Freilassung am 11. Februar 1990 zum Mann der Verständigung. Der weißhaarige Mann mit dem gütigen Lächeln verkündete die Schaffung einer "Regenbogennation". "Südafrika gehört allen, die dort leben, Schwarzen und Weißen." Eine Vision, die mit den jüngsten Fällen ausländerfeindlicher Gewalt einen herben Rückschlag erlitt.

Aus dem Gefängnis zum Präsidenten

Als erster schwarzer Präsident führte Mandela sein Land aus der 342 Jahre dauernden Vorherrschaft der Weißen und befreite sein Volk von 46 Jahren Apartheid. Bis dahin war es ein langer Weg. Geboren wurde Mandela 1918 in der Transkei. Sein Jura-Examen absolvierte er im Fernstudium. Mit seinem Freund Oliver Tambo gründete er 1949 die Jugendorganisation des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC). Beide eröffneten 1952 die erste schwarze Anwaltskanzlei Südafrikas. Anfang der 60er Jahre trat Mandela für den bewaffneten Kampf ein. 1962 wurde er deshalb zu lebenslanger Haft verurteilt - und während der langen Haft weltweit zum Mythos.

Nach seiner Freilassung setzte Mandela im ANC die Beendigung des bewaffneten Kampfes durch. Eine Regierung der nationalen Versöhnung bereitete das Land auf die erste freie Präsidentschaftswahl vor. Im Februar 1991 wurden wichtige Apartheidgesetze abgeschafft. Fünf Monate später wurde Mandela zum ANC-Chef ernannt. Mit dem Friedensnobelpreis, den er sich mit Frederick de Klerk teilt, wurde sein Engagement für den friedlichen Übergang 1993 ausgezeichnet. Die Krönung seines lebenslangen Kampfes erlebte Mandela im Mai 1994. "Wir haben unsere Freiheit zurückerlangt", kommentierte er den Sieg des ANC bei den ersten demokratischen Wahlen. Kurz darauf wurde er zum Präsidenten gewählt. Fünf Jahre lang führte er die Geschicke seines Landes, bevor er im Juni 1999 das Präsidentenamt an Thabo Mbeki übergab.

Christine Kellmann, AFP