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Wollen mit Frei.Wild nichts zu tun haben: Kraftklub-Sänger Felix Brummer und Mia.-Frontfrau Mieze Katz.
Wollen mit Frei.Wild nichts zu tun haben: Kraftklub-Sänger Felix Brummer und Mia.-Frontfrau Mieze Katz.(Foto: dpa / picture-alliance / Collage: n-tv.de)

Echo-Nominierung widerrufen: Frei.Wild muss draußen bleiben

Von Volker Probst

Die diesjährige Verleihung der Echo-Musikpreise sorgt schon im Vorfeld für Wirbel. Die Nominierung der umstrittenen Rockband Frei.Wild finden Bands wie Kraftklub und Mia "zum Kotzen" und sagen deshalb ihr Kommen ab. Der Protest ist erfolgreich.

Die umstrittenen Rocker von Frei.Wild werden nach Protesten von der Nominierungsliste für den Musikpreis Echo 2013 genommen. Man greife damit in die Diskussion um diese Nominierung ein, teilte die Deutsche Phono-Akademie überraschend mit. Der Echo solle nicht zum Schauplatz einer Debatte um das Thema der politischen Gesinnung dieser Band werden - daher habe sich der Vorstand "nach intensiven Diskussionen" entschlossen, in die Regularien des Preises einzugreifen und die Südtiroler Band von der Nominiertenliste zu streichen.

"Wir haben in den letzten Tagen heftige Kontroversen um die Nominierung von Frei.Wild, die auf Basis der Charts-Auswertung erfolgte, erlebt, die den gesamten Echo und damit auch alle anderen Künstler und Bands überschatten", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI), Florian Drücke. Kritiker werfen der Südtiroler Band Frei.Wild rechtes Gedankengut vor. Als erstes hatte die in der Kategorie "Rock/Alternative National" mitnominierte Band Kraftklub einen Boykott des Musikpreises angekündigt.

Band aus Südtirol

Viele haben von der aus Brixen in Südtirol stammenden Rockformation Frei.Wild wahrscheinlich noch nie etwas gehört. Doch tatsächlich hat sich die 2001 gegründete Gruppe mittlerweile eine beachtliche Fangemeinde erspielt. Ihre beiden jüngsten Alben stiegen in Deutschland bis in die Top Ten. Ihre Deutschland-Tour 2012 eröffnete sie mit einem Auftritt in der ausverkauften Dortmunder Westfalenhalle.

Ach, wie schön ist doch Brixen in Südtirol (Bild von einer Fronleichnams-Prozession 2009).
Ach, wie schön ist doch Brixen in Südtirol (Bild von einer Fronleichnams-Prozession 2009).(Foto: picture-alliance/ dpa)

Doch so erfolgreich wie Frei.Wild sind, so umstritten ist das Quartett, dem Kritiker nationalistische und rechtspopulistische Tendenzen vorwerfen. Tatsächlich sang Frei.Wild-Frontmann Philipp Burger früher in einer eindeutig dem Rechtsrock zuzuordnenden Combo. Zudem war er zwischenzeitlich Mitglied der rechtspopulistischen Partei "Die Freiheitlichen" in Südtirol.

In den Texten der Norditaliener tauchen mehrfach nationalistische und rechtskonservative Bezüge auf. Dazu gehören etwa Zeilen wie "Südtirol, du bist noch nicht verlor'n. In der Hölle sollen deine Feinde schmor'n" oder aber "Sprache, Brauchtum und Glaube sind Werte der Heimat. Ohne sie gehen wir unter, stirbt unser kleines Volk". Auch mit dem Thema Gewalt geht die Band - wie etwa im Song "Rache muss sein" - wenig zweideutig um: "Denn heut' verhaue ich dich, schlag dir mein Knie in deine Fresse rein. Heut vermöbel' ich dich, Zähne werden fallen durch mich (…) Jetzt liegst du am Boden, liegst in deinem Blut. Das Blut auf meinen Fäusten, ich find', das steht mir gut."

Boykotte und Shitstorm

Innerhalb der Musikszene führte dies bereits in der Vergangenheit zu Abgrenzungsbestrebungen. Die Berliner Band Jennifer Rostock etwa verbat sich vor Kurzem das Tragen von T-Shirts von Frei.Wild wie der Böhsen Onkelz auf ihren Konzerten. "Auch wenn Frei.Wild sich selbst als 'unpolitisch' bezeichnen, findet ihre Musik gerade in der rechtsextremen Ecke viel Anklang, da die Texte große Identifikationsfläche für nationalistisches Gedankengut bieten", teilte die Gruppe mit - und erntete dafür auf ihrer Facebook-Seite einen Shitstorm bis hin zu Todesdrohungen.

Jennifer Rostock stellten schon vor Wochen klar: Frei.Wild-T-Shirts bleiben bitte draußen.
Jennifer Rostock stellten schon vor Wochen klar: Frei.Wild-T-Shirts bleiben bitte draußen.(Foto: picture alliance / dpa)

Auch Konzertveranstalter und Sponsoren von Musikveranstaltungen gingen auf Distanz. Ein geplanter Auftritt Frei.Wilds beim Heavy-Metal-Festival "With Full Force" in diesem Juni wurde abgesagt. Zuvor hatten diverse Unternehmen ihre Unterstützung des Festivals aufgekündigt.

"Zum Kotzen"

Trotz all dem wurden Frei.Wild bei der diesjährigen Verleihung der Echo-Musikpreise, die am 21. März 2013 in Berlin stattfinden wird, in der Kategorie "Rock / Alternative National" nominiert - neben den Ärzten, Kraftklub, Mia. und Unheilig. Die Chemnitzer Jungs von Kraftklub waren die ersten, die dies nicht hinnehmen wollten und deswegen einen Boykott der Veranstaltung ankündigten. "Wir haben unsere Plattenfirma gebeten, dafür zu sorgen, dass unsere Nominierung für den Echo in der Kategorie 'Rock / Alternative National' zurückgezogen wird", erklären Kraftklub auf ihrer Facebook-Seite. Weiter heißt es: "Wir möchten nicht weiter in einer solchen Reihe genannt werden. Obwohl wir uns gefreut haben, zusammen mit Mia., Die Toten Hosen, Unheilig und Die Ärzte nominiert gewesen zu sein. Schade um die schöne Aftershowparty ..."

Ähnlich äußerten sich inzwischen auch die Berliner von Mia. "Wir haben uns heute sehr,  aber leider auch nur sehr kurz über unsere Echo-Nominierung gefreut, da unter den aktuell Nominierten mit Frei.Wild eine Band genannt wird, deren Weltbild wir zum Kotzen finden. Es mag nicht in unserer Hand liegen, welche Künstler für einen Echo nominiert werden, aber es liegt in unserer Hand, von unserer Nominierung dankend Abstand zu nehmen", teilte die Gruppe um Frontfrau Mieze Katz via Facebook mit.

Die Ärzte, die traditionell Preisverleihungen wie den Echo beinahe meiden wie der Teufel das Weihwasser, gaben sich auf ihrer Homepage unterdessen eher ironisch: "Hey Leute, beim 'Wichtigsten Deutschen Musikpreis" ist mal wieder eine politisch fragwürdige Band nominiert. Da uns der Echo sowieso nie interessiert hat und unsere politische Einstellung hinreichend bekannt sein sollte, liegt der Rest in den Händen der sicherlich weisen Juroren." Von Unheilig oder den Toten Hosen, die bei der diesjährigen Echo-Verleihung zwar nicht in der gleichen Kategorie wie Frei.Wild nominiert sind, aber in zahlreichen anderen Sparten, gab es zunächst keine Reaktion.

Mic Donet weicht Heino

Abgesehen von der Diskussion um Frei.Wild gab es in den vergangenen Tagen auch um die Echo-Nominierung Heinos einigen Rummel. Der Volksmusiker, der mit seinem Cover-Album "Mit freundlichen Grüßen" vor Kurzem die Charts gestürmt hatte, geht für den Preis als "Künstler Rock / Pop National" ins Rennen - neben David Garrett, Rea Garvey, Peter Maffay und Daniele Negroni. Für Unmut sorgte dies, weil dafür mit dem einstigen "The Voice Of Germany"-Teilnehmer Mic Donet ein ursprünglich nominierter Künstler quasi über Nacht von der Liste gestrichen wurde. Mit Frei.Wild ist direkt die zweite Band hinzugekommen.

"Anscheinend bin ich der erste Künstler in der Geschichte des Echo-Preises, der zuerst nominiert und dann wieder rausgeschmissen wird", kommentierte der offenbar regelrecht überfahrene Donet die Entscheidung. "Wie es aussieht, musste ich wohl Heino den Weg frei machen", konstatierte der Sänger zerknirscht, aber fair: "Viel Glück, Heino."

Quelle: n-tv.de

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