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Troy, Mitchell, Shaneen und Maree (v.l.) lassen ihr altes Leben hinter sich. Im Zeugenschutz bekommen sie neue Identitäten.
Troy, Mitchell, Shaneen und Maree (v.l.) lassen ihr altes Leben hinter sich. Im Zeugenschutz bekommen sie neue Identitäten.(Foto: Twitter/nabilnet)
Freitag, 27. März 2015

Zeugenschutz als zweite Chance: "Hiding" sitzt die Gefahr im Nacken

Von Anna Meinecke

Wohin gehst du, wenn du niemandem mehr vertrauen kannst? Wenn dein altes Ich vernichtet ist und das neue noch erfunden werden will? Die Fernsehserie "Hiding" nimmt eine ganze Familie ins Zeugenschutzprogramm auf. Doch in Sicherheit ist sie nicht.

"Was wäre, wenn ich von einem Bus überfahren werden würde? Was, wenn ich tot wäre oder plötzlich nicht mehr da?" Als Troy Quigg (James Stewart) seine Frau Maree (Kate Jenkinson) das fragt, ahnt diese nicht, dass die gesamte Familie bald verschwinden wird. Sie werden ihre alten Identitäten ablegen und die Heimat verlassen. Als Troy das fragt, hat er gerade eine Waffe sowie einen guten Batzen Drogen im Haus versteckt. Die australische Serie "Hiding" erzählt die Geschichte eines Kleinkriminellen, dessen Wissen ihn zu einer wichtigen Waffe der Polizei macht - und zur Gefahr für die, die ihm am nächsten stehen. In der vergangenen Nacht lief beim Sender "ABC1" das Finale der ersten Staffel.

"Hiding" ist ein komplexer Thriller getrieben von Angst und Misstrauen der Protagonisten, aber auch von ihrem unbedingten Willen, sich als Familie zu retten. Weil Troy sich dazu bereit erklärt, die Polizei mit Informationen zu versorgen, wird er mit Frau und Kindern, Sohn Mitchell (Lincoln Younes) und Tochter Shaneen (Olivia DeJonge), ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen.

Als packendes Familiendrama entfaltet sich "Hiding" in dem Moment, in dem die Protagonisten ihrer Identität beraubt und in die Anonymität gedrängt werden. Sie lassen ihr altes Leben hinter sich, doch Gewalt und Schuld folgen ihnen. Ihre zweite Chance auf ein erfülltes Leben können sie nicht nutzen.

Neues Leben kommt mit Altlasten

Von Polizist Pinder (l.) bekommen die Quiggs ihre neuen Identitäten. Sie heißen jetzt Swift.
Von Polizist Pinder (l.) bekommen die Quiggs ihre neuen Identitäten. Sie heißen jetzt Swift.(Foto: Twitter/memtv)

Die Quiggs heißen nun Swift. Sie tauchen gemeinsam unter, doch sie kämpfen allein. Troy versteckt sich als Lincoln an der psychologischen Fakultät der Uni und mischt mit Knasterfahrung die gängige Kriminalforschung auf. Maree sucht als Rebecca verzweifelt Arbeit ohne Arbeitszeugnisse oder Lebenslauf und Mitchell als Mitchell einen Weg, entgegen den Polizeiregeln seine Freundin zu kontaktieren. Es ist nicht schön, aber faszinierend, ihre Charaktere brechen zu sehen. Weil sie sich aus den Wirrungen ihres verlorenen Lebens nicht befreien können, durchbrechen sie immer wieder die Grenze zwischen alter und neuer Identität - und bringen damit sich und den Rest der Familie in Gefahr.

Was James Stewart an Charisma und Authentizität fehlt, gleicht Filmtochter Olivia DeJonge aus - wenn nicht sogar mehr. Als Einzige ist DeJonges Tara in der Lage, ihre Zerrissenheit zu formulieren. Zwischen Verzweiflung und Zuversicht entpuppt sich das Schulmädchen als vielleicht komplexester Charakter der Show - ganz anders als die üblichen Teenager der Fernsehdramen, man denke nur einmal an die nervigen Gören aus "Homeland".

Das Spiel von Kate Jenkinson beeindruckt ebenfalls. Mit Leichtigkeit gelingt es ihr, innerhalb weniger Sekunden eine immense Bandbreite an Emotionen abrufen. Ihre Rebecca ist neurotisch und traumatisiert, doch trotzdem die schützende Löwenmama. Sie ist sarkastisch und bleibt aber auf nahezu zärtliche Weise liebenswert.

Klaustrophobiker unter freiem Himmel

"Hiding" legt Tempo vor. Kommt die Serie in der Pilotfolge noch langsam ins Rollen, überschlagen sich die Vorkommnisse bereits in Folge zwei. Die Geschichte der Quigg-Swift-Familie ist eine Chronik des Kontrollverlusts. Die Charaktere wirken wie Zuschauer ihrer eigenen Exekution. Das Setting der Show ist auch unter freiem Himmel klaustrophobisch, die Farben sind dunkel, durchbrochen von grellen Kameraeinstellungen. Je weiter die Handlung voranschreitet, desto düsterer wird sie. "Hiding" ist ein fesselndes Drama der besten Art - wenngleich ob des australischen Akzents im Original nur für Nervenstarke mit Durchhaltevermögen genießbar.

Zum Ende der ersten Staffel hin kann sich niemand mehr auf den anderen verlassen - von Vertrauen ganz zu schweigen. Und wie die Wahrheiten kurz vor der finalen Folge so dahinschwinden, drängt sich die Frage auf, nach deren Antwort zu forschen aufgrund des strammen Erzählschritts bislang keine Zeit war: Was zur Hölle ist in Troys Gangsterwelt eigentlich so schiefgelaufen, dass er überhaupt verschwinden musste?

Quelle: n-tv.de

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