Mittwoch, 08. Juli 2009
Michael Jacksons großer Einfluss: Idol des schwarzen Amerikas
Es war nicht nur eine bewegende Trauerfeier für den "King of Pop", es war auch eine Demonstration des selbstbewussten schwarzen Amerika. "Es war eine Feier, die von ganzem Herzen kam", sagte die 44-jährige Emily Williams, als sie am Dienstagmittag aus dem dunklen Staples Center in die strahlende Sonne von Los Angeles trat. Die Afro-Amerikanerin war aber nicht nur ergriffen, sondern hatte auch eine klare Botschaft vernommen. "Das Highlight war die brillante Ansprache von Al Sharpton", meinte die Kalifornierin. In seiner energischen Rede pries der schwarze Bürgerrechtler Jackson als Wegbereiter für farbige Künstler, der Rassenschranken aus dem Weg räumte und Schwarzen in vielen Bereichen die Türen öffnete.
Jacksons großer Einfluss sei ihr erst bei der Trauerfeier so richtig klar geworden, bekannte Williams. "Die Generation, die damals "Beat It" und "Off the Wall" hörte, hatte kein Problem damit, Barack Obama zu wählen, denn Schwarz oder Weiß spielt jetzt keine Rolle mehr. "Michael hat uns eine Menge Power gegeben, weit über die schwarze Gemeinde hinaus." Der Afro-Amerikaner Craig Harris, der zur Feier des Tages ein Jackson-T-Shirt trug, pflichtete ihr bei. "Mehr schwarzer Stolz, darauf hoffe ich. Das hier war nur der Anfang", sagte 36 Jahre alte Banker strahlend.
Seine Videos waren die ersten eines schwarzen Künstlers, die regelmäßig im Fernsehen liefen.
(Foto: dpa)
Tatsächlich hatte Jackson enormen Einfluss auf die schwarze Entertainmentkultur der vergangenen 30 Jahre. Das Video zu seinem Hit "Billie Jean" war das erste Musikvideo eines schwarzen Künstlers, das der Sender MTV regelmäßig in sein Programm nahm.
Schwarze Musikstars und Sportgrößen von Stevie Wonder über Queen Latifah bis zu Kobe Bryant und Earvin "Magic" Johnson priesen Jackson als "Giganten", "Legende" und "größten Star auf Erden". Vergessen war das zeitweise zwiespältige Verhältnis vor allem schwarzer Fans zu Jackson, die dem Popstar mit der zunehmend hellen Hautfarbe und schmalen Nase früher vorhielten, durch ständige Schönheitsoperationen seine Herkunft als Afro-Amerikaner zu verleugnen.
"Es gab eben noch viel Diskriminierung"
Draußen vor dem Staples Center trauerte der in Langenfeld bei Köln lebende Tänzer und Sänger Menderes Bagci seinem "großen Vorbild" nach. "Ich denke er ist jetzt vielleicht viel glücklicher. Hier wurde er von der Presse verurteilt und diskriminiert, glaube ich. Ich vermute auch, dass die Sache mit seiner Hautfarbe daherkommt, was er zwar auf eine Pigmentstörung geschoben hat. Aber es gab früher eben noch viel Diskriminierung, und er wollte angepasst sein", meinte der 24-Jährige, der mit zehn Jahren zum Jackson-Fan wurde. Ein Ticket für die Feier hatte er nicht mehr bekommen, aber "zumindest habe ich alles versucht".
Amy Vignone standen Tränen und Rührung noch lange nach Ende der Zeremonie im Gesicht. Die 45-Jährige war eigens von der US-Ostküste angereist und hatte ein Ticket auf dem Schwarzmarkt erstanden. Sie könne einfach noch nicht loslassen, sagte die fassungslose Frau. "Ich werde auf dem Friedhof anrufen, ob es irgendeine Chance gibt, den Sarg noch mal zu sehen". Menderes Bagci wollte seine Trauer mit Shopping verdrängen. "Ich versuche, möglichst viele Michael-Jackson- Andenken zu ergattern, T-Shirts und alles was es hier gibt."
Auswahl gab es reichlich. Kaum waren die Polizei-Barrikaden verschwunden, rollten die Verkäufer mit großen Koffern voll frisch bedruckter T-Shirts am Staples Center an. Vor der großen Posterwand mit Grußworten von Tausenden Fans wurden Fotos geschossen. Ein Tour- Unternehmer nutzte die Gunst der Stunde, um Limousinenfahrten nach Neverland anzupreisen. Sie hätten gerade erst die Erlaubnis von Jacksons Anwälten erhalten, zahlende Kunden auf der Privatstraße an die Eingangspforte zu Jacksons einst so geliebter Ranch zu chauffieren, erzählte Gaston Mantero.
Die Vermarktung des toten "King Of Pop" hat begonnen. Ausgeblieben sind Chaos, Krawalle und der zunächst befürchtete Ansturm von Hunderttausenden, die ihrem Idol nahe sein wollten. Die "Stadt der Engel" sagte unter Tränen, aber friedlich Good-bye.
Barbara Munker, dpa
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