Unterhaltung

"Rüssel muss mal kurz": Schöner Pipimachen mit Sanifair

Von Volker Probst

Auf Autobahn-Raststätten umsonst austreten war gestern. Nicht alle Autofahrer finden das gut. Deshalb will der WC-Betreiber Sanifair mit einem Imagefilm sein Ansehen aufpolieren. Das Ergebnis ist Realsatire. Bitte bepinkeln Sie sich nicht vor Lachen.

Können Sie sich noch an dieses goldene Zeitalter erinnern? Freeway. Fahrtwind. Freiheit. Und wir meinen nicht die Freiheit, immer und überall das Gaspedal durchtreten zu dürfen. Wir meinen die Freiheit, sich einer Last zu entledigen, ohne dafür gleich die Geldbörse zücken zu müssen. Okay, man musste dafür vielleicht ein paar Abstriche bei der Hygiene in Kauf nehmen. Man musste fürs gute Gewissen der Klofrau ein paar Cent auf den Teller legen - oder sich halt doch mit einem "Ich hab' leider gerade kein Kleingeld"-Blick an ihr vorbeimogeln. Aber man war frei, zu entscheiden. Und vor allem: Man hatte keine Schranke vor sich, die einen beten ließ, 70 Cent im Portemonnaie zu haben, weil man vielleicht gerade kurz davor war, in die Hose zu machen.

Früher war auch nicht alles schlecht.
Früher war auch nicht alles schlecht.(Foto: dpa / picture-alliance)

Heute sind die Zeiten auf Deutschlands Autobahnen düsterer. Wer nicht abfahren oder so asozial sein will, wild in der Gegend herumzupinkeln, hat im Prinzip nur zwei Optionen: Entweder man geht auf eines dieser Rastplatz-Klos mit den Metall-Pissoirs, den "Willst du ficken? Dann ruf mich an: Telefonnummer XYZ"-Schriftzügen an der Wand und den Armaturen, bei denen man sich gefühlt schon beim Anblick jede nur erdenkliche sexuell übertragbare Krankheit einfängt. Oder man besucht eben eine Raststätte, in der besagte Schranke einem den Weg zur Erleichterung verbaut.

Charmante Amelie

Das Zoll- und Wegerecht an den Schranken liegt dabei an nahezu allen deutschen Autobahn-Raststätten - insgesamt etwa 300 - bei Sanifair, einer Tochtergesellschaft der Tank & Rast GmbH. Offenbar hat das Unternehmen erkannt, dass es bei den Autofahrern mit prall gefüllter Blase mal etwas für sein Ansehen tun sollte. Also beauftragte es die Werbeagentur "pie five" (gesprochen wie das englische "pee" - nomen est omen) damit, mal einen hübschen Imagefilm zu produzieren.

Und die Agentur hat sich mächtig ins Zeug gelegt, galt es doch, die Marke emotional aufzuladen, das System zu erklären und Businesspartner zu gewinnen. "Die Anforderungen für den Sanifair Imagefilm waren extrem hoch. Gott sei Dank half uns hier eine ganz bezaubernde 10-jährige Darstellerin aus der Patsche", so "pie five" auf seiner Webseite. Und die Werbetexter ergänzen: "Amelie transportiert unsere Inhalte so charmant, dass man in Zukunft die Marke Sanifair mit ganz anderen Augen sieht."

Wie Alice im Wunderland

Wohl wahr. Denn was dabei herausgekommen ist, ist beste Realsatire. Zu sanften Klavier-Klängen hüpft das Mädchen mit seinem Stofftier "Rüssel" - denken Sie jetzt bitte nichts Falsches - voll Begeisterung durch die sanitären Anlagen. "Oh, ist das schön hier", freut sich Amelie, als wäre sie Alice im Wunderland. Dann ist es so weit: "Rüssel muss mal kurz" - denken Sie jetzt bitte schon wieder nichts Falsches. Und dasselbe gilt natürlich auch für den kleinen Unfall, den "Rüssel" erleidet. Aber, puh, ein Glück: "Nichts passiert."

Bei so viel Juchhe auf dem WC macht doch sogar das Bezahlen Spaß. Zumal wenn man es auch noch mit Papas Kreditkarte oder seinem Smartphone erledigen kann. Und man bekommt ja netterweise noch dazu einen Wertbon, mit dem man dann, wie Amelie, sogar sein Lieblingseis kaufen kann. Nun gut, das kostet vielleicht ein bisschen mehr als die 50 Cent, die der Bon wert ist. Aber hey, was soll's? Wozu haben wir Papas Kreditkarte …

Quelle: n-tv.de

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