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Über neun erfolgreiche Staffeln konnten die Freunde anstoßen.
Über neun erfolgreiche Staffeln konnten die Freunde anstoßen.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

"How I Met Your Mother"-Finale: So bittersüß real kann Happy End aussehen

Von Anna Meinecke

Das Finale der TV-Serie How I Met Your Mother ist das Ende der Geschichte um die vielleicht beliebteste Kneipen-Clique New Yorks. Ja, Ted Mosby findet die Frau seiner Träume, doch die letzte Folge zeigt, dass es darum eigentlich nie ging.

Verlobung, Hochzeit, Scheidung, Schwangerschaft - in Sachen Liebe ist bei HIMYM viel los.
Verlobung, Hochzeit, Scheidung, Schwangerschaft - in Sachen Liebe ist bei HIMYM viel los.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Lässt man individuelle Vorlieben mal beiseite, dann gab es im US-amerikanischen Fernsehen genau fünf große New-York-Shows: Seinfeld, Friends, Sex and the City, ja, Gossip Girl und How I Met Your Mother (HIMYM). Mehr als alle anderen Serien ist letztere nicht nur eine Liebeserklärung an eine großartige Stadt, sondern vor allem eine Hymne auf großartige Erwachsenenfreundschaft. Die letzte Folge ist in den USA gestern abend gelaufen, in Deutschland lief die neunte und letzte Staffel in der vergangenen Woche an.

Theoretisch spielt HIMYM im Jahr 2030. Ted Mosby sitzt seinem Nachwuchs im Teenageralter gegenüber und kündigt an: "Kinder, ich erzähle euch eine unglaubliche Geschichte - die Geschichte, wie ich eure Mutter kennenlernte." Und die beginnt 25 Jahre zuvor. Was als Rückblick beginnt, ist der eigentliche Handlungsstrang der Serie und die erzählt jedenfalls lange nicht den Beginn der einen großen Liebesgeschichte - bis "die Mutter" das erste Mal schemenhaft auftaucht, vergehen immerhin ganze 100 Folgen.

Im Gegensatz zu den meisten Sitcoms war HIMYM von vorne bis hinten gnadenlos sentimental. Wie soll es anders sein, schließlich geht es um die kompromisslose Suche nach Mrs. Right. Es wird aber mit den Protagonisten gelacht und nicht über sie. Der Architekt Ted Mosby mit dem ausgeprägten Wunsch, sesshaft zu werden, sein bester Freund Marshall, der gute Anwalt und Yetifan, dessen naiv-weise Frau Lily, die toughe Robin, die von ihrem Vater in der kanadischen Wildnis getrimmt wurde, und Barney Stinson, der Womanizer, der heute schon TV-Legende ist - sie alle sitzen im selben Boot und der Zuschauer hockt gleich mit darin.

Finale verknüpft alles

Man braucht gar nicht drum herum zu reden. HIMYM war überfällig. Vier Staffel schlugen ein, die anderen fünf, naja. Aber welche Show trägt überhaupt noch neun Staffeln lang? Dass Barney Robin einen Ring an den Finger steckt, war schon eine wirre Geschichte. Wirklich mürbe machte den Zuschauer aber Teds ewiges Herumdümpeln zwischen halbgaren Beziehungen. Stella, die ihn vor dem Altar stehen lässt, die irre Zoey und immer wieder: Robin. Damit der Show nicht schon eine Staffel zu früh die Puste ausging, servierten die Macher also zum Ende der achten Staffel "die eine", die Mutter.

Mit dem klaren Willen, den einzelnen Charakteren ein Denkmal zu setzen, treibt das Finale der Show nun das Spiel mit wilden Zeitsprüngen, alten Späßen und ganz großen Emotionen auf den Höhepunkt: Barney startet einen letzten Kuppelversuch à la "Haaave you met Ted?", sein High-Five ist für die Ewigkeit. Fast schade, dass die Backpfeifen-Wette bereits zuvor ihr jähes Ende fand. Wenngleich anekdotentechnisch auch Robin Sparkles und die Entlein-Krawatte ein Comeback verdient hätten: Mit einer "Slutty-Pumpkin"-Gedächtnisszene, einer Runde "Robots vs. Wrestlers", der Teil 2 des Playbooks und dem blauen Waldhorn haben sich die Macher der Show selbst aufs Charmanteste Respekt gezollt.

Ja, es gibt auch das große Gespräch unter dem gelben Regenschirm. Das Finale von HIMYM lässt keine Fäden der Geschichte unverknüpft. Das Ende der New Yorker Kneipen-Clique hat alles: Liebe auf den ersten Blick, Verlobung, Hochzeit und Scheidung, verschiedene Schwangerschaften, neue Wohnungen und lang ersehnte Joboptionen - wenn auch alles durcheinander und über etliche Jahre verteilt. Im Zeitraffer fällt es schwer, nach der Stimmung vergangener Lieblingsepisoden der Serie zu greifen. Die letzten 45 Minuten HIMYM frustrieren bisweilen, doch dem Finale gelingt die Wendung in den Schlussminuten.

+++ Achtung, Spoiler! +++

Lily und Marshall haben ihre zweite Ehekrise bereits Mitte der neunten Staffel gemeistert und außer zwei Kindern kommt da auch nicht mehr viel. Marshall wird doch noch Richter, aber das wird zum Nebenschauplatz. Nachdem Robin und Barney nach 22 Episoden endlich "Ja" sagen, folgt die Ernüchterung: Ihre Ehe soll keine drei Jahre halten. Barney schleppt wieder Frauen ab und schwört, sein Herz nun wirklich niemals zu verschenken. Ein Versprechen, das er brechen wird. Am letzten Tag des perfekten Monats - der Weiterentwicklung seiner perfekten Woche - endet seine Bettgeschichte Nr. 31 mit einer Schwangerschaft. Barney wird Vater eines kleinen Mädchens, der Liebe seines Lebens. Robin stürzt sich in Arbeit. Ted und "die Mutter" bekommen zwei Kinder, sie heiraten, aber es geht nicht gut aus für die beiden: Teds Frau stirbt.

Dass das das Ende der Geschichte sein soll, wollen seine mittlerweile zu Teenager gereiften Kinder nicht wissen. Wieder in der Gegenwart angelangt, konfrontieren sie den Vater mit der Wahrheit: HIMYM erzählt nicht die Geschichte eines Mannes, der die perfekte Frau trifft und mit ihr in den Sonnenuntergang reitet. Im Leben von Ted sollte es zwei große Lieben geben. Nachdem er die eine für immer verloren hat, macht er sich auf und trötet vor dem Haus derjenigen, die "es" irgendwie immer schon gewesen ist, in das blaue Waldhorn. Aus dem Fenster guckt Robin.

Sitcom hin oder her, HIMYM blickt tiefgründig aufs Leben: Erinnerung und Nostalgie sind die Werkzeuge eines Vaters, der seinen Kindern eine Vergangenheit begreiflich macht, die in die Gegenwart greift. Wie genau Ted nun also die Mutter seiner Kinder kennengelernt hat, ist völlig egal. HIMYM trug nicht der Spannungsbogen des gelben Regenschirms; den Charakter der Show prägen die Liebe zum Detail, ihr Gespür für die kleinen Drehschrauben des Alltags und ihr entlarvend feinsinniger Witz. Es ist jetzt so ziemlich genau sieben Staffeln her, dass Ted sagte: "Auch wenn du weißt, wie etwas endet, heißt das nicht, dass du den Weg dahin nicht genießen kannst." Recht hat er. "Die Mutter" heißt übrigens Tracy. Aber darum geht es nicht.

Quelle: n-tv.de

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