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"Schnell und schmutzig" darf in der Serie "Vinyl" wieder als Way of Life gelten.
"Schnell und schmutzig" darf in der Serie "Vinyl" wieder als Way of Life gelten.(Foto: HBO)

Drogen, Sex und "Vinyl": So fühlt sich Rock'n'Roll an

Von Anna Meinecke

Die Musikbranche ist ein raues Pflaster. Im New York der 70er Jahre stoßen sich Gockel-Typen zwischen schönen Frauen und massenhaft Koks die Hörner ab. Mit ihrer Serie "Vinyl" versetzen Martin Scorsese und Mick Jagger Zuschauer zurück in die Zeit des Rock'n'Roll.

Treffen sich ein berühmter Regisseur und ein Rockstar ... Was der Anfang eines mehr oder minder cleveren Witzes hätte sein können, ist tatsächlich so etwas wie der Beginn der Produktionsgeschichte von "Vinyl". Das neueste HBO-Hochglanzformat haben Martin Scorcese und Mick Jagger zu verantworten und es tritt an, seine Zuschauer als "Game of Thrones" der 70er-Jahre-Musikszene zu begeistern. Es gibt eine Menge Sex und Drogen, einzig der Rock'n'Roll kommt stellenweise vielleicht etwas zu kurz.

"Vinyl" erzählt die Geschichte von Richie Finestra. Er ist in Begriff, sein Plattenlabel "American Century" an eine Gruppe spaßbefreiter Deutscher zu verkaufen, allerdings soll er zunächst die Band Led Zeppelin unter Vertrag nehmen. Das klappt genauso mäßig wie die Reparaturarbeiten an seiner Ehe. So schwitzt und lügt sich Darsteller Bobby Cannavale mit Kokain-geweiteten Augen durch Höhen und Tiefen seines Big-Boss-Daseins - durstig nach mehr von allem, was sein Leben so aufregend macht.

Wie Peggy Olson - nur schärfer

Richie Finestra ist einer dieser Ekeltyp-Helden, die Scorsese liebt und die aus aufwendigen Serienproduktionen kaum noch wegzudenken sind. Schade eigentlich, denn wenngleich Cannavale als Erzähler die Handlung doch verlässlich vorantreibt, hätte das Ende von "Mad Men" und somit Don Draper gern wenigstens die Pausetaste hinsichtlich des Trends gebrochener Alpha-Mann drücken dürfen. Es lohnt eben nicht immer, nur die Abgründe von Protagonisten zu erforschen, sondern auch, ihnen gerade aufgrund ihrer Stärken Gehör zu verschaffen.

Die großen Rollen von "Vinyl" sind die der Frauen. Klar, auch Mick Jaggers Sohn James ist als sexy-schmuddeliger Frontmann der fiktiven Band "The Nasty Bits" unbedingt ansehnlich. Fesselnd allerdings spielt erst Juno Temple die ehrgeizige Assistentin in Richies Plattenfirma. Sie ist ein bisschen so etwas wie "Vinyls" Peggy Olson - nur schärfer. Sie hätte eine eigene Show verdient. Das Herzstück des Formats ist neben ihr Olivia Wilde, die vom ehemaligen Factory Girl im Umfeld Andy Warhols zu Richies Gattin und Mutter seines Kindes wurde.

Schnell und schmutzig

Während es "Vinyl" stellenweise versäumt, die Beziehungen zwischen seinen Charakteren reizvoll zu illustrieren, gelingt doch immerhin die Positionierung des Formats als ein Stück Geschichte. Die Serie fühlt sich nicht an wie eine Serie über die 70er Jahre, sondern als sei sie der Zeit direkt entsprungen. Die Kostümbildner haben ordentlich recherchiert, nicht nur Stil, sondern auch Farbigkeit der Outfits, die Frisuren - alles stimmt. Vor der Kulisse eines schmutzigen New Yorks, wie es die Trendbezirke heute kaum noch kennen, erzählen Telefone mit Wählscheibe und Kassettenrekorder zärtlich von Momenten, in denen "Schnell und schmutzig" als Way of Life gelten durfte.

"Vinyl" ist teuer gewesen, das sieht auch das Laienauge sofort. Zwar wirkt die erste Hälfte der Staffel immer wieder unfokussiert, verliert teilweise sogar den ehrlichen Bezug zur Musik, von der sie erzählen will, jedoch ist davon auszugehen, dass HBO hier nicht völlig kopflos Geld reingeschossen hat. "Vinyl" sieht toll aus, ist hervorragend besetzt und braucht nur noch einen kleinen Kick, um sich vom ersten wichtigsten Serienneustart des Jahres zum Dauerbrenner zu mausern.

"Vinyl" ist ab dem 14. Februar parallel zur US-Ausstrahlung abrufbar über Sky.

Quelle: n-tv.de

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