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"Wow, wie krass ist das denn?": Kyle.
"Wow, wie krass ist das denn?": Kyle.(Foto: Los Banditos Films)

Mit dem Sensenmann spielt man nicht: "The Ghostmaker": Tot auf Probe

Von Thomas Badtke

Wolfgang von Tristen ist der teuflische Gegenpart Leonardo da Vincis - er entwirft Folterwerkzeuge. Sein berühmtestes Werk ist die "ultimative Maschine", ein Sarg, der es ermöglicht, Nahtoderfahrungen zu machen und sich durch die Welt der Geister zu bewegen. Doch wer versucht, so den Tod zu hintergehen, sollte auf alles vorbereitet sein.

Leonardo da Vinci gilt als das größte Genie seiner Zeit und gleichzeitig als einer der klügsten Köpfe überhaupt. Seine Erfindungen waren bahnbrechend und ihrer Zeit weit voraus. Manche sagen, da Vinci sei mit Gott im Bunde gewesen. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten, denn das Gute kann ohne das Böse nicht sein. Das Böse ist in diesem Fall ein Deutscher. Wie da Vinci ein Erfinder. Ein Denker, Musiker und Konstrukteur. Ein Genie. Sein Name: Wolfgang von Tristen.

Los Banditos Films bringt "The Ghostmaker" in die deutschen Kinos.
Los Banditos Films bringt "The Ghostmaker" in die deutschen Kinos.(Foto: Los Banditos Films)

Tristen hatte den Beinamen "Handwerker des Todes". Er entwarf Folterwerkzeuge und war Zeit seines Lebens auf der Suche nach der "ultimativen Maschine". Er wollte den Tod mit ihr erlebbar machen, den eigenen Geist vom Körper trennen, das Tor zur Unterwelt öffnen. Es gab zu seinen Lebzeiten, im 15. Jahrhundert, Gerüchte, dass er es geschafft hat. Als er der Hexerei bezichtigt und verbrannt wird, findet man zwar Pläne für diese "Schattenbox" oder "Geistermaschine" - sie selbst aber nicht.

Rund 450 Jahre später entdeckt der Collegestudent Kyle (Aaron Dean Eisenberg) bei seinem Nebenjob als Hausreiniger einen alten Sarg. Sehr gut erhalten, mit einem kleinen Fenster in Augenhöhe. Er ist überrascht und überglücklich, denn er hofft, das alte Teil zu Geld machen zu können. Damit könnte er dann etwas Crystal Meth für sich und eine kleine Aufmerksamkeit für seine Freundin Julie (Liz Fenning) kaufen. Doch die steinalte klapprige Hausbesitzerin rät ihm, den Sarg direkt zur Müllhalde zu bringen und ihn dort zu verbrennen.

Kyle entscheidet sich dagegen. Seine Geldprobleme sind so groß, dass er seiner Freundin bereits die Kreditkarte gestohlen hat. Er öffnet den Sarg, säubert den Innenraum, poliert das Holz und macht Fotos für das Internet. Danach schaut er ihn sich genauer an, nimmt vor allem das lederne Innenfutter unter die Lupe und entdeckt, dass man es problemlos entfernen kann. Was er danach zu Tage fördert, verschlägt ihm die Sprache: Das Innenleben des Sarges ist voller Zahnräder, Unruhen und alles scheint miteinander verbunden zu sein - ein mechanisches Meisterwerk offenbart sich ihm.

Willkommen im dunklen Mittelalter

Kyle und Sutton in natura: Der Zufall hat ihnen die Macht geschenkt, mit dem Tod zu spielen.
Kyle und Sutton in natura: Der Zufall hat ihnen die Macht geschenkt, mit dem Tod zu spielen.(Foto: Los Banditos Films)

Er ruft seinen Freund Sutton (Jeff Walter Holland), der in seinem Rollstuhl sitzend den Sarg skeptisch mustert. Seine Augen glänzen, schließlich liegt da der Schlüssel dafür, dass nicht er - wie sonst immer - sondern Kyle diesmal die Miete für die Wohnung zahlen könnte. Beim nochmaligen Untersuchen der antiken Box finden sie einen kleinen Schlüssel - mit einer kleinen Inschrift: von Tristen, 1452.

Ab ins Netz und schon wissen sie mehr über den Namen Tristen, aber noch nichts über diesen Sarg. Erst Kyles Collegeprofessor Platt (Jared Grey) bringt wirklich Licht ins Dunkel: Kyle hat die berühmte "Geistermaschine" von Tristens gefunden. Und nachdem ein Test mit einem Goldfisch erfolgreich war, legt sich Kyle in den Sarg, dreht den Schlüssel und lauscht den Geräuschen der Mechanik sowie der Melodie einer Spieluhr, die plötzlich ertönt. Als sie verstummt, rührt er sich nicht mehr. Er atmet nicht. Platt und Sutton halten ihn für tot - aber Kyle lebt. Irgendwie. Als Geist verlässt er seinen Körper, schaut sich um, völlig baff, dass so etwas möglich ist. Nur wenige Minuten später ist der ganze Spuk vorbei, der Tod auf Probe ist zu Ende und Kyle wieder wach und lebendig.

Suttons Geistermaschinen-Ich: blau, fluoreszierend und irgendwann auch böse.
Suttons Geistermaschinen-Ich: blau, fluoreszierend und irgendwann auch böse.(Foto: Los Banditos Films)

Danach folgt auch Platt seinem Beispiel, aber irgendwie landet sein Geist mitten auf einer Bahnschiene und ein Zug fährt ratternd durch ihn hindurch. Er wacht auf - und will nie wieder in die Höllenmaschine hinein. Sutton dagegen schon. Der Querschnittsgelähmte bekommt als Toter ein wirkliches Gespräch von Kyle und Julie mit, die gerade vorbeigekommen ist, weil sie entdeckt hat, dass ihr Freund ihr die Kreditkarte gestohlen hat. Es kriselt in der jungen Liebe. Suttons Geist lacht verschmitzt. Aber das Beste: In der Geisterwelt kann er seine Beine wieder nutzen, gehen, laufen, springen - als wäre nie etwas gewesen.

Allen Warnungen zum Trotz nutzen Kyle und Sutton die Maschine nun für ihre Zwecke: Kyle schnüffelt als Geist erst einem Ladenbesitzer hinterher, um ihn dann - wieder lebendig - zu bestehlen. Danach verfährt er genauso bei seinem Dealer: Erst spioniert er als Geist dessen Drogenversteck aus, um es dann als Mensch leer zu räumen.

Sutton wiederum frönt nur einer Leidenschaft: Kyles Freundin Julie. Er ist schon lange in sie verschossen, als Krüppel hat er aber nie gewagt, sie anzusprechen. Nun "besucht" er sie nach dem Sport in der Dusche, oder auch mal zu Hause und haucht ihr dort als Geist einen Kuss auf die Lippen.

Mit dem Tod spielt man nicht

Ein Sarg mit Spezialeffekten der ganz besonderen Art: von Tristens "Ghostmaker".
Ein Sarg mit Spezialeffekten der ganz besonderen Art: von Tristens "Ghostmaker".(Foto: Los Banditos Films)

Alles könnte so schön sein, wenn Platts Warnungen nicht wären. Aber Platt forscht. Er geht der Melodie der Spieluhr auf den Grund, findet heraus, dass es sich um eine verminderte Quinte handelt, ein Tonintervall, das von der Kirche als satanisch verboten war. Er vertieft sich immer weiter in das Thema, glaubt an die teuflische Kraft der Klänge. Und eines Abends, als er wieder vor seinem Rechner sitzt und der Melodie lauscht, sieht er etwas. Etwas Dunkles. Einen Schatten. Er bekommt es mit der Angst zu tun. Verkriecht sich unter seinem Schreibtisch. Aber er kann dem schwarzen Umhang, der ihm erschienen ist, nicht entfliehen. Er schließt die Augen. Öffnet sie. Hämmert noch etwas in sein E-Mail-Programm. Dann schaut er erneut auf. Lugt über die Schreibtischkante - und blickt dem Sensenmann direkt ins Antlitz. Platt ist tot.

In seiner E-Mail steht: "Wir haben den Tod hintergangen und jetzt kommt er uns holen. Niemand hintergeht den Tod. Wir müssen es zerstören." Kyle weiß genau, was mit "es" gemeint ist, Sutton auch - aber die Maschine macht ihr Leben doch so viel einfacher ...

Der Sensenmann und sein Gesicht

Machen wir uns nichts vor: "The Ghostmaker" ist keine bombastische Hollywood-Produktion mit bekannten Schauspielern, einem Regisseur mit Weltruf und einem schier unbegrenztem Budget. Aber das Produkt kann sich dennoch sehen lassen. Der Film des Regisseurs Mauro Borelli, der sich bisher vor allem als Art Director einen Namen gemacht hat ("Battleship", "Fluch der Karibik - Am Ende der Welt"), macht aus der Not eine Tugend. "The Ghostmaker" punktet mit seinem B-Movie-Charme. Borelli kreuzt die Kinohits "Flatliners" und "Ghostbusters" miteinander und würzt das Ganze noch mit ein wenig Mittelalter-Fear-The-Devil-Grusel.

Die Geister scheinen zu fluoreszieren, die Augen leuchten. Den Tod bekommt man erst sehr spät zu Gesicht, aber er enttäuscht leider etwas. So richtig gruselig ist er nicht, dann schon eher die Spieluhr-Melodie. Die bleibt auch nach dem Film im Kopf, was wohl in erster Linie dem preisgekrönten Komponisten Christopher Young zu verdanken ist, der bereits bei "Der Exorzismus der Emily Rose" hervorragende Arbeit geleistet hat.

Alles in allem ist "The Ghostmaker", den Los Banditos Films im Rahmen ihrer "After Dark"-Reihe jetzt ins Kino bringen, ein gelungener Geistergrusel, der wieder einmal mehr beweist, dass das Gute nicht ohne das Böse existieren kann und umgekehrt. Und noch wichtiger: Höre auf das, was dir ältere Leute sagen. Sie haben einfach mehr Erfahrung.   

Quelle: n-tv.de

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