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Von wegen, keiner hat ihn lieb ...
Von wegen, keiner hat ihn lieb ...(Foto: imago/APress)

Shitstorm bis der Arzt kommt: Til will die Weltherrschaft

Von Sabine Oelmann

Was ist los mit Til Schweiger? Er hat Erfolg bei den Frauen, im Kino, im Fernsehen, im Lifestyle-Bereich. Aber keiner ist da, um ihn pöbeltechnisch zu beraten: Erst Kopf einschalten, dann auf Facebook posten. Jetzt aber ein neuer Erklärungsversuch.

Der Reihenfolge nach, es beginnt anno 2015: Neue "Tatorte" mit Til Schweiger sollen laufen, bereits letztes Jahr. Sie werden verschoben wegen der aktuellen, bedrückenden und gewalttätigen Terror-Akte in Paris. Til ist nicht glücklich mit der Verschiebung, muss sich aber beugen. Dann: "Tatort", Folge eins, läuft am Neujahrsabend, eigentlich ganz okay der Sendeplatz, denn was macht man schon am Neujahrsabend, außer vor der Glotze abhängen. Die Folge konnte sogar rechtzeitig rezensiert werden, da sie in der Mediathek für Journalisten vorher zugänglich war. Sie wurde überwiegend ganz gut besprochen, außer von einigen Ewig-Meckerern, aber es wird ja auch über Ulrich Tukur gemeckert oder die currywurstfressenden Kommissare aus der Provinz.

Dann Teil zwei, mit weniger Quote - noch weniger als bei Teil eins. Aber nun, es sind vielleicht noch viele verreist um diese Jahreszeit oder bereits in den Betten wegen Alkohol- und Keks-Überlastung. Wer schläft, sündigt nicht. Sollte man aufseiten der Macher also nicht so eng sehen und schon gar nicht persönlich nehmen. Genau das tut Til Schweiger aber immer wieder - er nimmt es persönlich. Til gegen den Rest der Welt. Klingt ein bisschen nach "Manta Manta", dabei ist er über dieses Stadium doch längst hinweg. Dachte man. Dabei hätten die "Über-den-Tatort-Schreiber" echt Grund zu meckern gehabt, denn man durfte den nicht vorher sehen, wegen der Angst des NDR, man könnte da was verspoilern. Pfffh ...

Journalisten und ähnlich Grenzdebile

Anyway: Til Schweiger ist ja nicht nur ein (Zitatanfang) "Schauspieler/Filmemacher/Produzent/Writer/Cutter/Composer!" (Zitatende seines eigenen Posts auf Facebook). Nein - er hat viel mehr Ahnung von der (Zitatanfang) "Craft (Materie) ... Kunst, als die meisten von diesen Trotteln, die darüber schreiben!" (Zitatende) Na ja, jetzt bleib' doch mal jeder Schuster bei seinen Leisten: Er meint Journalisten und ähnlich Grenzdebile, die es wagen, ihn zu kritisieren.

Macht kaputt was euch kaputt macht!
Macht kaputt was euch kaputt macht!(Foto: NDR/Gordon Timpen)

Ich zum Beispiel. Dabei sag' ich persönlich so circa 80 Prozent Gutes über den Til, denn ich bringe ihm eine gewisse Grundsympathie entgegen und finde, so kreative Typen werden auch erst wirklich interessant, wenn sie ausrasten, nerven oder kindisch sind. Die dürfen das einfach, diese Kreativen! Jeder sollte mal eine gewisse Zeit mit so einem Kreativen verbracht haben, dann kriegt man sowieso eher eine grundgütige bis buddha-hafte Einstellung zu solchen Dingen. Aber ab und zu wird man ja wohl auch mal wutbürgermäßig sagen dürfen, was Phase ist, wenn einem selbst was nicht passt. Nicht, dass wir uns missverstehen - das erlaubt er auch, der Til: In der "Bild"-Zeitung sagt er nun, dass jeder schreiben darf, worauf er Bock hat, "und ich darf sagen, was ich denke". Und wenn es ein paar Leute gibt, die seinen "Tatort" nicht gut finden, dann beleidigt er nun mal pronto per Rundumschlag ALLE ANDEREN. So ist er, der Til.

Wie darf man sich das eigentlich vorstellen, wenn der Til so richtig sauer in die Tasten haut, weil ihm mal wieder irgend so ein Trottel seinen Erfolg nicht gönnt? Schreibt er das echt selbst? Angeblich schon. Dann ganz kurz fürs nächste Mal: Ausrufezeichen darfst du machen, so viele du willst, Til. Aber denk' an die Kinder, die deine Tierfilme sehen und dir auch followen. Also, es heißt: "Der vierte Teil ist nicht meinetwegen nicht ausgestrahlt worden, sondern wegen des NDR" statt, wie bei dir auf Facebook: "Der vierte Teil ist nicht wegen mir nicht ausgestrahlt worden sondern wegen dem NDR". Ja, die "wegen-dem"-Variante ist durchaus üblich, aber so richtig gut klingt es nicht. Und um gut zu klingen und gut auszusehen, geht es ja auch viel im Filmgewerbe. Aber das nur am Rande.

Kanzler oder König?

Ich habe eh schon länger darüber nachgedacht - jetzt, da sowieso alles in unserem Land den Bach runtergeht, wir von Fremden überrollt werden, keiner von uns mehr was geschenkt bekommt und Frauen darauf hingewiesen werden, wie sie sich an Bahnhöfen zu verhalten haben (statt dass bestimmte Männer darauf hingewiesen werden, wie sie sich an Bahnhöfen zu verhalten haben ...) -, dass so eine Diktatur ja nichts Schlechtes sein muss. Und dann würde einem so einer wie der Til eben eine Richtung geben, einen Halt. In seinen Tierfilmen (Keinohrhasen, Zweiohrküken) klang das ja bereits früh durch, die erzieherische Komponente. Und dass harte Männer auch mal weinen dürfen (gern auch vor Lachen), steht ebenfalls fest, spätestens seit "Knockin' On Heaven's Door" (1997).

Und dann beglückt uns der Til ja seit einiger Zeit auch mit einer Kollektion an Lifestyleprodukten, die es dem normalen Trottel möglich machen, sich einzukuscheln wie der Star. Zugegeben: Die Filme von Til Schweiger haben eine besondere Ästhetik, die Pullis wirken besonders flauschig, die Kerzen flackern anders; wenn Essen rumsteht, sieht das immer lecker aus und nie schlampig - aber selbst, nachdem ich das alles jetzt auf seiner Seite bestellt habe, kriege ich das mit dem Sepia-Licht nicht hin. Bei mir sieht alles immer sehr bunt aus, oder sehr schwarz und weiß, einfach nicht soft. Ich checke das aber weiter aus, no worries.

Trottel oder Ahnungslose?

Und auch sein Engagement werde ich weiter worshippen. Um die Wahrheit zu sagen, auch hier war mir Til Schweiger eine Inspiration und ich engagiere mich nun endlich wieder an den richtigen Stellen. Das mein' ich ernst. Ich entschuldige mich, wenn ich an anderen Stellen so klang, als hätte ich mich lustig gemacht, aber dieses Til-Prinzip gefällt auch mir einfach zu gut: Erst so richtig rauskotzen mit allem, dann kurz Klappe halten, eine rauchen, dann entschuldigen.

So macht Til das jetzt ja wieder. Er hat sich in der "Bild-Zeitung entschuldigt. Und das klingt so: "Vielleicht hätte ich 'Trottel' durch 'Ahnungslose' ersetzen sollen, das wäre pietätvoller gewesen. Ich hab' meinem Ärger Luft gemacht, wie ich das immer mache. Das ist nun mal meine Meinung. Wenn ich so was bei Facebook poste, weiß ich ja, was danach passiert."

Und warum macht er es dann trotzdem, ist doch voll die Energieverschwendung? Weil er mal den Regisseur der "Tatorte", Christian Alvert, so richtig loben wollte!!!!!!!!!! Aha. Schön, aber hätte ein einfaches "Ey, danke, Chris, alte Hütte" da nicht vollkommen gereicht? Muss er gleich die anderen "Tatort"-Bürohengste ("Das ist bei uns eben aufwendiger, als wenn der Kommissar 90 Minuten im Büro sitzt und Leute verhört") bashen? Anscheinend geht es nicht anders. Zum Schluss des Interviews wird er aber doch noch ganz lustig: "Wenn ich einen Baum pflanze, heißt es, Til Schweiger macht ein Loch in den Boden (lacht)." Und: "Ich mach' weiter mein Ding." 

Ach der Til und ich, wir sind uns so ähnlich, denke ich oft, ich nuschele und mag Kuschelpullover und schalte auch oft das Hirn nicht ein, bevor ich was sage. Oder schreibe. Und deswegen Schluss jetzt. Und wenn ich jemanden beleidigt haben sollte: Tut mir vielleicht leid. Morgen. 

Quelle: n-tv.de

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