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Gehörte zu den ersten, die über Harvey Weinstein auspackten: Rose McGowan.
Gehörte zu den ersten, die über Harvey Weinstein auspackten: Rose McGowan.(Foto: Richard Shotwell/Invision/AP)
Donnerstag, 12. Oktober 2017

"Gewaltige Mächte am Werk": Twitter macht Weinstein-Opfer zur Täterin

Rose McGowan nimmt im Missbrauchsskandal um Filmmogul Harvey Weinstein bei Twitter kein Blatt vor den Mund. Prompt wird ihr Account "limitiert". Ein neuer Skandal, wie viele finden. Die Schauspielerin vermutet sogar eine Verschwörung.

Wollen sie die Hollywood-Bosse und Star-Schauspieler Ben Affleck zum Schweigen bringen? Das zieht zumindest Rose McGowan in Betracht, nachdem die Funktionen ihres Twitter-Accounts vorübergehend eingeschränkt wurden. Das Social-Media-Unternehmen wiederum begründet sein Vorgehen gegen die Schauspielerin damit, dass diese gegen die Regeln des Netzwerks verstoßen habe. Es dürfte dabei um Tweets gehen, die die 44-Jährige in den vergangenen Tagen im Zuge der Missbrauchsaffäre um den Filmproduzenten Harvey Weinstein abgesetzt hat.

McGowan wurde unter anderem mit der Serie "Charmed - Zauberhafte Hexen" bekannt. Sie gehört selbst zu den Schauspielerinnen, die Weinstein vorwerfen, sie sexuell belästigt zu haben. Als nun vergangene Woche Weinsteins Jahrzehnte währende Verfehlungen ans Licht der Öffentlichkeit gerieten, gehörte McGowan zu den ersten Frauen, die sich als Opfer zu erkennen gaben. Unter anderem bezog sie auf Twitter eindeutig Stellung. Dort schrieb sie zum Beispiel: "Alle, die behaupten, sie hätten im Fall Harvey Weinstein keine Ahnung gehabt, sagen nicht die Wahrheit. Ich bin ein Niemand und sogar ich wusste es."

"Fuck off"

Wirklich wütend wurde McGowan jedoch, als sich auch ihr Schauspielkollege Ben Affleck in die Weinstein-Diskussion einschaltete. Der "Batman"-Darsteller distanzierte sich zunächst von dem Filmproduzenten und nannte dessen Verhalten "komplett inakzeptabel". Kurz darauf geriet jedoch Affleck selbst ins Visier, weil auch ihm von der Schauspielerin Hilarie Burton ein sexueller Übergriff im Jahr 2003 vorgeworfen wird. Dafür entschuldigte sich der 45-Jährige inzwischen bei Twitter: "Ich habe mich gegenüber Frau Burton unangemessen verhalten und ich entschuldige mich aufrichtig."

Ist er ein Heuchler? Ben Affleck.
Ist er ein Heuchler? Ben Affleck.(Foto: imago/PanoramiC)

Dass McGowan ihm seine Reue so richtig abkauft, darf jedoch bezweifelt werden. Sie rief ihn mit einem "Fuck off" bei Twitter dazu auf, sich aus der Debatte um Weinstein herauszuhalten. Zugleich bezichtigte die Schauspielerin ihren Kollegen der Lüge - Affleck habe von Weinsteins Übergriffen längst gewusst. Das belege ein persönliches Gespräch, in dem Affleck ihr mit Blick auf Weinstein direkt ins Gesicht gesagt habe: "Gottverdammt! Ich habe ihm gesagt, dass er damit aufhören soll."

"Buchstäblich mundtot gemacht"

McGowans explizite Anschuldigungen reichten Twitter offenbar als Grund, die Funktionalität ihres Accounts drastisch einzuschränken. Seither kann die Schauspielerin nur noch persönliche Nachrichten versenden, aber keine Tweets, Retweets oder Likes mehr absetzen. McGowan wurde aufgefordert, ältere Tweets, die gegen die Regeln des Netzwerks verstießen, zu löschen. Dann erhalte ihr Konto nach zwölf Stunden die volle Funktionalität zurück.

Um Verbalattacken einzuschränken, hat Twitter in der Vergangenheit bereits häufiger Accounts vorläufig gesperrt. McGowan scheint jedoch davon auszugehen, dass in ihrem Fall noch andere die Strippen ziehen. Zur Verbreitung der Nachricht nutzte sie ihr nach wie vor intaktes Instagram-Profil, auf dem sie schrieb: "Twitter hat mich gesperrt. Hier sind gewaltige Mächte am Werk. Seid meine Stimme."

Ob es sich nun tatsächlich um eine Verschwörung handelt oder nicht - fragwürdig ist der Vorgang in jedem Fall. Das bemerkten auch viele Twitter-Nutzer, die ihrem Unmut in teils bissigen Kommentaren Luft machten. "Trump droht mit einem Atomkrieg: kein Problem. Rassistische oder homophobe Drohungen: kein Problem. Rose McGowan lässt Menschen auffliegen: Von Twitter verbannt", schrieb ein Nutzer zum Beispiel. Und eine andere twitterte: "Die Leute fragen sich, weshalb Frauen sexuelle Übergriffe nicht melden? Rose McGowan hat ihre Erfahrungen geschildert und wurde buchstäblich mundtot gemacht."

Quelle: n-tv.de

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