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Herr über die Loveparade: Rainer Schaller.
Herr über die Loveparade: Rainer Schaller.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Interview mit Rainer Schaller: "Vielleicht ist Herr Motte senil"

Die Loveparade ist zurück. Wieder einmal. Diesmal in Duisburg. Am Samstag werden hunderttausende Tanz-Wütige zum Techno-Event der Superlative im Ruhrgebiet erwartet. n-tv.de sprach mit Loveparade-Geschäftsführer Rainer Schaller über Vergangenheit und Gegenwart der nach wie vor größten Musik-Party der Welt.

n-tv.de: Unter dem Motto "The Art Of Love" kehrt die Loveparade zurück. Ist denn eine Stadt wie Duisburg der richtige Ort dafür?

Rainer Schaller: Auf jeden Fall. Ich würde dabei aber jetzt nicht nur Duisburg hervorheben, sondern das ganze Ruhrgebiet. Es gibt ja gar keinen besseren Anlass als das jetzige Kulturhauptstadtjahr Ruhr 2010 …

… in dem die Loveparade ein offizieller Programmpunkt ist.

Ja, und darauf sind wir auch sehr stolz. Zusammen mit der erfolgreichen Ruhr-Schnellweg-Sperrung vergangene Woche werden wir die größte Veranstaltung im gesamten Kulturhauptstadtjahr sein.

Ort der Parade wird das Gelände eines ehemaligen Güterbahnhofs sein. Was sprach für dieses Areal?

Hier darf gefeiert werden: Loveparade-Gelände in Duisburg.
Hier darf gefeiert werden: Loveparade-Gelände in Duisburg.(Foto: picture alliance / dpa)

Nun ja, man muss gucken, wo man eine Millionen Menschen hinbekommt – von der Logistik her, mit dem An- und Abtransport. Und man muss sehen, wo man dann auch einigermaßen sicher feiern kann. Nach Prüfung in Duisburg erschien uns dieses Gelände auch wegen seiner Nähe zum Bahnhof sehr gelegen. Die meisten Fans kommen ja mit dem Zug.

Und das Ambiente?

Das ist ideal und grandios. Vor ein paar Wochen hat das Gelände noch ausgesehen wie eine Mondlandschaft. Der Eigentümer des Grundstücks hat sich wirklich ins Zeug gelegt und das Gelände "loveparadetauglich" gemacht. Jetzt ist es eine Location, die schöner nicht sein könnte.

Noch 2009 musste die Loveparade in Bochum ja aus organisatorischen Gründen ausfallen. Was haben Sie dieses Jahr besser gemacht?

Der Reiz der Loveparade gerade hier im Ruhrgebiet ist natürlich, jedes Jahr in einer anderen Stadt und an einer anderen Location zu sein. Aber für die Städte stellt sich die Herausforderung, so eine große Veranstaltung mit ihren Besucherströmen und Abläufen zu organisieren. Wir haben schweren Herzens hingenommen, dass dies in Bochum nicht möglich war, und sind froh, in Duisburg das geeignete Gelände gefunden zu haben.

Ursprünglich war die Loveparade eine politische Demonstration und auch als solche angemeldet. Ist sie das eigentlich immer noch?

"The Art Of Love" - das muss sie sein.
"The Art Of Love" - das muss sie sein.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Nein, die Loveparade ist offiziell eine kommerzielle Veranstaltung. Den Status der Demonstration hat sie schon 2001 oder 2002 verloren. Das war auch sinnvoll, weil man eine Veranstaltung von dieser Größe nicht mehr als politische Demonstration durchführen kann. Da geht es ja auch um das Thema Sicherheit. Und es geht darum, dass die Leute auf die Toilette können. Da braucht man alleine an diesem einen Tag 1.000 Dixies. Das ist eine große Herausforderung an die Logistik und keine politische Veranstaltung mehr.

Auf der Webseite zur diesjährigen Parade heißt es dennoch, Wesen der Loveparade sei es, "im Namen der elektronischen Musik die Botschaft einer friedlichen Gemeinschaft in die Welt zu tragen". Meinen Sie das ernst?

Ja. Oder sagen wir es so: Es ist der Feiertag der elektronischen Szene. Es gibt keine Musikveranstaltung, die größer ist als die Loveparade. Damit hat die elektronische Fangemeinschaft die Möglichkeit, sich weltweit zu präsentieren. Und das friedlich. Das war die Loveparade schon immer, worauf wir auch besonders stolz sind.

Der Erfinder der Loveparade, Dr. Motte, ist gerade 50 geworden. Er hat sich längst aus der Organisation des Events zurückgezogen und sagt, die Loveparade sei zu einer "Dauerwerbesendung" verkommen. Hat er Unrecht?

Ja, da hat er Unrecht. Zum Charakter der Loveparade gehört ja auch eine Eigenheit, die mit keiner anderen kommerziellen Veranstaltung vergleichbar ist: Die Künstler kriegen keine Gage. Wenn man aus der Loveparade eine Dauerwerbesendung machen würde, würde kein Künstler kommen. Aber mit 50 kommt Herr Motte ja nun auch in ein Alter, in dem man vielleicht schon ein bisschen senil ist.

Welchen Stellenwert messen sie denn heute der Loveparade auch im Hinblick auf Konkurrenzveranstaltungen wie "Nature One" oder "Mayday" bei?

Ich glaube nicht, dass das Konkurrenzveranstaltungen sind. Die "Nature One" beispielsweise ist eine Veranstaltung, bei der Eintritt verlangt wird und zu der auch wirklich nur die Szene kommt. Die Loveparade wird ohne Eintritt veranstaltet. Sie öffnet sich für alle, ist free for all. Damit kommen auch viele, viele Fans von anderen Musikrichtungen. Daher ist die Loveparade mit den anderen Veranstaltungen nicht vergleichbar.

In Duisburg sollen insgesamt 15 Wagen – die so genannten Floats – den Tanzwütigen einheizen. Das klingt verglichen mit früheren Loveparades mit zum Teil Dutzenden Floats sehr wenig …

Das klingt wenig und ist auch nicht so viel wie früher. Das liegt ganz klar am Gelände, ist also der Tribut, den wir an die Fläche zahlen mussten. Dafür haben wir zwei große Bühnen, die das Ganze kompensieren.

In Duisburg am Start: David Guetta.
In Duisburg am Start: David Guetta.(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Das Line-Up kann sich dabei wirklich sehen lassen. Was sind denn – abgesehen von Star-DJ David Guetta natürlich – ihre persönlichen Highlights?

Ach, ich glaube, alle sind gut. Aber Anthony Rother ist für mich ein Highlight, auch weil er die Hymne dieses Jahr geschrieben hat. Und natürlich so eine Größe wie Tiësto, der schon die Olympischen Sommerspiele in Athen eröffnet hat und viele holländische Elektro-Fans mitbringen wird.

Die bislang letzte Parade 2008 in Dortmund war mit geschätzten 1,6 Millionen Besuchern die größte aller Zeiten. Werden Sie das in diesem Jahr toppen?

Nein. Wir gehen davon aus, dass weit über eine Million kommen werden, aber die Zahl von 2008 werden wir nicht mehr erreichen. Das geht schon von der Größe des Geländes her nicht. Es geht ja aber auch nicht immer nur nur darum, Rekorde zu produzieren, sondern darum, die Loveparade in der ganzen Welt zu präsentieren.

Mit Rainer Schaller sprach Volker Probst

Alle Informationen zur Loveparade 2010 finden Sie HIER.

Quelle: n-tv.de

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