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"Sandra" ist die beliebteste Figur von Freshtorge - mit ihr produzierte er auch die erfolgreiche Single "Superstar".
"Sandra" ist die beliebteste Figur von Freshtorge - mit ihr produzierte er auch die erfolgreiche Single "Superstar".(Foto: Nikola Stege)

Freshtorge über Comedy und Google: Was macht eigentlich ein Youtube-Star?

Auf Youtube haben sie Millionen Fans, vor allem Kinder und Jugendliche. Viele Erwachsene dagegen kennen die Stars der Videoplattform gar nicht. Freshtorge ist einer von ihnen. Mit n-tv.de spricht er über seine Videos, den Starrummel und Google.

Youtube-Star - ein ominöser Begriff. Es sind Menschen, die regelmäßig und sehr erfolgreich eigene Videos auf der Google-Plattform einstellen, abseits von Katzen und Peinlichkeiten. Bei Kindern und Jugendlichen sind diese Videos äußerst beliebt, bei Erwachsenen nahezu unbekannt. Das weiß auch Torge Oelrich. Als Freshtorge erstellt er Videos zwischen albernem Klamauk und Parodien auf Trash-TV. Inzwischen hat der 26-Jährige mehr als 1,2 Millionen Follower auf seinem YouTube-Kanal Freshhaltefolie. Sein beliebtestes Video wurde weit mehr als zehn Millionen Mal angeklickt, er veröffentlichte zudem die erfolgreiche Single "Superstar" - gesungen von seiner Figur Sandra.

Doch Oelrich ist auf dem Boden geblieben, wie auch im Interview mit n-tv.de deutlich wird. Immerhin arbeitet er halbtags als Erzieher in seiner alten Grundschule. Nun hat der Norddeutsche beim Carlsen-Verlag ein Buch herausgebracht. Darin zeigt er nicht nur sehr viele Bilder aus seinem Leben, sondern erklärt auch, wie seine Videos und Figuren entstanden. Grund genug, mit ihm über Youtube, die Kommunikation mit seinen Fans, Medienerziehung von Kindern und den Internetgiganten Google zu sprechen.

n-tv.de: Würden Sie sich als Youtube-Star bezeichnen?

Torge Oelrich: Das würde ich nicht über mich sagen. Es sind eher die Medien, die mich so bezeichnen.

Und was sind Sie dann?

Comedian, Quatschmacher, Kasper. Ich nehme das alles nicht zu ernst.

Viele erfolgreiche Youtuber sind außerhalb der Plattform kaum bekannt. Ist Youtube eine Parallelwelt?

Ja, das ist es. Ich merke das, wenn ich von Jugendlichen auf der Straße erkannt werde. Deren Eltern stehen daneben und wissen gar nicht, wer ich bin oder was ich überhaupt mache. Die Erwachsenen interessiert das einfach nicht. Manche fragen allerdings auch nach.

Und was sagen Sie dann?

Es ist schwierig, das zu erklären. In einer Talkshow habe ich mal erzählt, was ich mache. Einer der Gäste fragte dann: "Dürfen nur Sie bei Youtube etwas hochladen oder kann das jeder?" Daran merkt man schon, dass einige keinen Draht dazu haben. Ich habe das Gefühl, dass man damit aufwachsen muss, um es zu verstehen. Es gibt allerdings auch Eltern, die die Videos zusammen mit ihren Kindern schauen und sie klasse finden.

Hat YouTube bei jungen Leuten das Fernsehen abgelöst?

Deutsche YouTube-Stars

Klar, die größten Stars auf YouTube kommen aus den USA. Aber auch deutsche Videoproduzenten haben mittlerweile mehrere Millionen Abonnenten. Mehr als drei Millionen Anhänger haben etwa Gronkh und das Comedy-Trio Y-Titty. Auf mehr als zwei Millionen kommen etwa die Musikkanäle Kontor.TV und Majestic Casual sowie LeFloid, der auf seinem Kanal aktuelle politische und gesellschaftliche Ereignisse kommentiert. Etliche weitere Kanäle - darunter vor allem Komiker und Gamer - kommen auf mehr als eine Million Follower.

Ja, das kann man klar sagen. Das Internet bietet Jugendlichen mittlerweile mehr als das klassische Fernsehen. Die Quoten der meisten Jugendsendungen gehen zurück. Auf Youtube steigen die Zahlen dagegen immer weiter an. Während sich die Eltern noch am klassischen Fernsehprogramm orientieren, sind es bei den Kinder die Kanäle der bekannten Youtuber.

Welche Medien nutzen Sie selbst?

Ich schaue noch Fernsehen, vor allem Dokumentationen, Nachrichten oder Polit-Talkshows. Unterhaltungssendungen sehe ich dagegen sehr selten.

Schauen Sie sich die Videos anderer Youtuber an?

Englische Videos schaue ich mir überhaupt nicht an und deutsche Beiträge sehr selten. Ich versuche, mich nicht allzu lange auf Youtube aufzuhalten. Dieser ganze Rummel ist nicht so meine Sache.

Haben Sie Ihren Kanal mit einem Konzept gestartet?

Nein. Ich habe auch heute noch kein Konzept. (lacht) Ich überlege mir einfach Sketche, die ich lustig finde.

Wie haben Sie angefangen auf Youtube?

Ich wollte einfach nur Videos für Freunde hochladen. Dann merkte ich, dass die auch von anderen Leuten angeschaut wurden. Da ich sehr früh bei Youtube war, als es in Deutschland gerade erst bekannt wurde, sind die Zahlen der Aufrufe und Abonnenten ganz langsam gestiegen. Deswegen konnte ich mich auch schrittweise daran gewöhnen. Heute erleben gute Youtuber in wenigen Wochen ein enormes Wachstum. Für einige ist es schwer, damit klar zu kommen, plötzlich ein Star zu sein.

Wie äußert sich Ihre Bekanntheit im normalen Leben?

Torge Oelrich wurde 1988 geboren. Er lebt und arbeitet noch heute in der Kleinstadt Wesselburen, wo er auch aufwuchs.
Torge Oelrich wurde 1988 geboren. Er lebt und arbeitet noch heute in der Kleinstadt Wesselburen, wo er auch aufwuchs.(Foto: privat)

Das Gute ist, dass ich noch in Wesselburen in Schleswig-Holstein wohne, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Dort kennt man mich schon immer als Torge. Eigentlich merke ich den Unterschied vor allem, wenn ich die Region verlasse und zum Beispiel in Hamburg oder Berlin bin.

Sie arbeiten halbtags als Erzieher an einer Grundschule. Könnten Sie auch allein von den Werbeeinnahmen der Youtube-Videos leben?

Das könnte ich. Aber dieser Star-Status ist auch so etwas wie eine Scheinwelt. Ein normaler Job ist sehr hilfreich, um auf dem Boden zu bleiben.

Wie wichtig ist der Austausch mit den Zuschauern, wie wichtig sind deren Kommentare unter den Videos?

Sehr wichtig. Im Unterschied zum Fernsehen bekommt man bei Youtube ein sofortiges Feedback. Man veröffentlicht das Video, schaut nach zehn Minuten nach und sieht bereits, ob es ankommt oder nicht, was man besser machen sollte und was nicht so gut war. Außerdem kann man sehr gut interagieren, indem man selbst kommentiert und antwortet.

Nehmen Sie da auch Hinweise für neue Videos auf?

Ja, bei guten Ideen. Konstruktive Kritik lese ich mir immer durch. Wenn ein Kommentar allerdings bereits mit einer Beleidigung anfängt, lese ich ihn gar nicht erst. Ich habe aber wirklich Glück, andere Youtuber haben damit viel mehr Probleme.

Wie entstehen die Videos?

Anfangs habe ich meiner Mutter die Kamera in die Hand gedrückt und gesagt: "Nimm mich mal auf." Mittlerweile sind wir zu zweit: Mein bester Freund Matze dreht die Videos und schneidet sie. Ich würde das zeitlich gar nicht schaffen, wir bringen ja jeden Samstag ein neues Video heraus.

Die Figuren, die in Ihren Sketchen auftreten - Sandra, Lexa, Shyenne Ashley Tiffany oder Hauptkommissar Ronny - sind sehr überspitzt und …

… gestört.

Genau. Gibt es da reale Vorbilder?

Sandra und Ronny sind die einzigen Figuren, die ich mir selber ausgedacht habe. Für die meisten anderen Figuren gab es Vorbilder im Fernsehen. Allerdings habe ich sie so verändert, dass man sie nicht mehr wiedererkennt. Sie haben nichts mehr mit dem ursprünglichen Charakter zu tun.

Einige Ihrer Videos sind purer Klamauk, andere nehmen Reality-Formate aus dem Fernsehen aufs Korn.

Ja klar. Eines der letzten Videos etwa, "Schwiegertochter sucht Frauentausch", ist natürlich ein Parodie auf die Fernsehformate und deren Akteure. Teilweise überspitze ich die Figuren auch gar nicht mehr, sondern übernehme sie einfach. Ich mache sie einfach nur noch nach.

Man muss ziemlich schmerzfrei sein, um diese Figuren darzustellen.

(lacht) Ja, das muss man. Da muss man mit sich selbst im Reinen sein. Man muss dazu stehen, das Video wird schließlich für immer oder zumindest sehr lange verfügbar bleiben. Aber wenn man sich dessen bewusst ist, macht es auch Spaß.

Die Videos richten sich vor allem an Kinder und Jugendliche. Gibt es da auch Grenzen in der Darstellung der Figuren?

Die muss es geben. Ich denke schon darüber nach, was man machen kann und was nicht. Immerhin will ich ja noch dazu stehen können, wenn ich selbst Kinder habe und ihnen die Videos zeige. Bei einigen Ausdrücken bin ich zwar durchaus skeptisch. Allerdings gibt es da nichts, was die Kinder nicht schon kennen würden. Von Eltern höre ich sogar oft, dass sie beruhigt sind, wenn sie wissen, dass ihre Kinder Torge anschauen.

Haben Sie als Erzieher auch einen pädagogischen Anspruch für Ihre Videos?

Nein, das würde ich nicht sagen. Pädagogisch arbeite ich vormittags in der Grundschule. Nachmittags versuche ich, mich davon frei zu machen. Das sehen übrigens die meisten Eltern auch so. Mir hat noch keiner gesagt, dass dieser Quatsch nicht ginge, weil ich ja Erzieher sei.

Denken Sie als Erzieher auch daran, wie Sie Kinder zur sinnvollen Mediennutzung erziehen können?

In Gesprächen mit den Eltern meiner Schüler geht es manchmal darum, wie sie mit Youtube umgehen sollen. Dann sage ich immer, dass es wichtig ist, dass die Eltern kleine Kinder die Videos niemals alleine ansehen lassen. Das gilt ja nicht nur für das Internet, sondern auch fürs Fernsehen. Sie sollten zumindest immer mal reinschauen und fragen, was die Kinder anschauen, welche Youtube-Kanäle sie sehen. Wenn die Eltern Interesse zeigen, dann erfahren sie auch, was sich ihre Kinder anschauen, was sie interessiert. Ohnehin finde ich, dass viele Videos auf Youtube nicht schlimmer sind als das Nachmittagsprogramm im Fernsehen, wo sich Familien permanent anschreien.

Wird das Problem der Mediennutzung von Kindern in Deutschland unterschätzt?

"Mein Tagebuch" von Freshtorge ist bei Carlsen erschienen, 128 Seiten als Taschenbuch, 9,99 Euro.
"Mein Tagebuch" von Freshtorge ist bei Carlsen erschienen, 128 Seiten als Taschenbuch, 9,99 Euro.

Ja, zumindest in der Grundschule. Dort wird sinnvolle Mediennutzung noch nicht so sehr thematisiert.

Sollte man damit in der Grundschule beginnen?

In der dritten oder vierten Klasse haben einige Kinder bereits ein Handy, damit fängt es ja an. Damit lernen sie, mit diesem Medium umzugehen. Dort müsste man ansetzen und zum Beispiel thematisieren, was eine sinnvolle Zeitspanne für die Nutzung ist. Es sollte auch Elternabende geben, in denen man die neuen Medien erklärt. Man darf diese nicht verteufeln, sondern muss den Eltern klar machen: Das gehört zu dieser Generation dazu. Die Kinder wachsen damit auf, die brauchen das auch später im Job. Die Eltern müssen den Kindern vor allem beibringen, wie man diese Medien sinnvoll nutzt.

Sie haben mittlerweile von Youtube aus auch die Fühler in andere Medien ausgestreckt. Sie haben jetzt eine Art Tagebuch vorgelegt, waren außerdem für den NDR beim Eurovision Song Contest in Kopenhagen. Ist das etwas, was Sie sich auch hauptberuflich vorstellen können?

Ich mache seit acht oder neun Jahren Videos auf Youtube. Da ist natürlich alles spannend, was etwas Abwechslung bringt. Man möchte sich ja auch weiterentwickeln und andere Dinge ausprobieren. Ich habe aber immer gesagt: Youtube ist mein Standbein und das soll auch so bleiben, weil es einfach Spaß macht und weil ich da die größten Möglichkeiten habe. Ich habe ja die volle inhaltlich Kontrolle.

Youtube ist allerdings keine unabhängige Plattform, sondern ein Teil von Google. Ist diese Abhängigkeit von einem großen Konzern ein Thema?

Ja, das ist uns Youtubern durchaus ein Dorn im Auge. Wir sind total abhängig von Google und Youtube. Vor allem diejenigen, für die ihr Youtube-Kanal das einzige Einkommen ist. Und Google und Youtube können machen, was sie wollen. Sie könnten das ganze Prinzip auf den Kopf stellen, die Art der Werbung ändern oder die Plattform nur noch auf dem Handy betreiben. Man hat da keinerlei Mitspracherecht. Das ist wie ein Chef, den man persönlich nie sieht und an den man nicht rankommt, der aber machen kann, was er möchte.

Kümmert sich Youtube denn um die bekannten deutschen Kanäle?

Es gibt in Deutschland etwa 15 bis 20 Youtuber, die richtig gute Klickzahlen haben und die bei Kindern und Jugendlichen absolute Stars sind. Eigentlich müsste Youtube da mehr Geld investieren oder ihnen Möglichkeiten bieten, noch bekannter zu werden.

Würden Sie sich das auch für sich selbst wünschen?

Nein, mir reicht das so. Zumindest werde ich mich nicht extra darum bemühen.

Mit Torge Oelrich sprach Markus Lippold

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Quelle: n-tv.de

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