Unterhaltung
Haben einen schmierigen Schlagermanager in der Mangel: Sieland (m.) und Gorniak
Haben einen schmierigen Schlagermanager in der Mangel: Sieland (m.) und Gorniak(Foto: MDR/Andreas Wünschirs)

Neuer Dresden-"Tatort": Willkommen in der Schlagerhölle

Von Julian Vetten

Karin Gorniak und Henni Sieland müssen sich nicht nur auf ihrer Dienststelle mit dem Mief von gestern herumschlagen, sondern auch noch einen Mord im hirnzersetzenden Schlagermilieu aufklären. Das erste rein weibliche Ermittlerduo beweist, dass man auch in Sachsen "Tatort" kann.

Sächsische "Tatorte" waren in den vergangenen Jahren selten ein Grund zur sonntäglichen Freude. Das lag zum einen Teil natürlich an Simone Thomalla, die sich mimik- und talentbefreit durch Leipzig ermittelte, zu einem mindestens genauso großen aber auch am leicht schizophrenen Selbstverständnis der Fälle: Thematisch am Puls der Zeit und gesellschaftlich relevant sollten sie sein, gleichzeitig aber auch das für die sächsische Seele so wichtige Heimatgefühl transportieren. Dass das in Leipzig so gar nicht funktionierte, sahen irgendwann auch die Entscheider beim MDR ein - ein neues Ermittlerduo soll nun in Dresden vollbringen, was den Leipzigern nie gelungen ist.

Oberkommissarin Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und ihre Kollegin Henni Sieland (Alwara Höfels) sind nicht nur das erste rein weibliche Duo im "Tatort", auch auf ihrer Dresdener Dienststelle sind sie so etwas wie Exotinnen: Ihr Chef Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) ist noch in Denkmustern verhaftet, in denen Männer die Arbeit erledigen, während Frauen den Kaffee bringen. Die klugen und ziemlich toughen Polizistinnen machen dem Ermittler alter Schule Angst - und Schnabel reagiert, wie Menschen in solchen Fällen nun mal oft reagieren: mit Ablehnung. Wie so vieles im neuen "Tatort" ist das Verhältnis zwischen neuen und alteingesessenen Kollegen vor allem eine Parabel auf die gesellschaftliche Realität im Freistaat.

Schlagerinduzierte Deutschtümelei

Genau wie der Mordfall selbst: Im Dresdener Zwinger wird ein Teil von "Toni & Tina" tot hinter der Bühne gefunden, Gorniak und Sieland müssen auf ihrer Suche nach dem Mörder tief ins Schlagermilieu abtauchen. Während vornerum alles hübsch und idyllisch ist, warten hinter den Kulissen die Abgründe. Zwar gibt es nicht einen Verweis auf Pegida  und Konsorten, die schlagerinduzierte Deutschtümelei und das brachiale Heimatgefühl, das der Schlager-Lifestyle transportiert, sind allerdings eine ungemein elegante Methode, die aktuellen Themen trotzdem im Subtext mitschwingen zu lassen.

Die Kür stimmt also schon mal, aber auch handwerklich funktioniert "Auf einen Schlag" ganz hervorragend: Es macht Spaß, den beiden schlagfertigen Frauen beim Ermitteln zuzusehen - Gorniak und Sieland sind schon in der ersten Folge so aufeinander eingespielt wie es manche Teams nach Jahren noch nicht geschafft haben. Stromberg-Autor Ralf Husmann sorgt für geschliffene und oft hintersinnige Dialoge, während Regisseur Richard Huber der Drahtseilakt zwischen einem humorvoll erzählten Fall und einem Klamaukkrimi einwandfrei gelingt. Ein paar Mal trägt "Auf einen Schlag" ein bisschen zu dick auf oder kommt gewollt cool rüber - etwa wenn der Gerichtsmediziner sein Pausenbrot direkt neben der Leiche verspeist - alles in allem aber gibt es an der Startepisode wenig zu meckern.

All die kleinlichen Kritikpunkte, die es sonst noch gibt, werden ohnehin von dem Schock weggewischt, den ein Twist in lupenreiner "Game of Thrones"-Manier kurz vor Schluss auslöst: der plötzliche Tod einer liebgewonnenen Hauptfigur, das macht sonst nur George R. R. Martin - Chapeau!

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen