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Was für eine Auswahl(Foto: picture alliance / dpa)

Vom Anfänger zum Connoisseur: Die besten Whisky-Bücher

Von Thomas Badtke

Bernsteinfarben, goldgelb, leichte Zitrus- und Vanillenoten, nussig, erdig, trocken: Der Kenner weiß, es geht um Whisky. Die Spirituose erlebt derzeit einen Boom. Gefragt ist nicht nur das "Wasser des Lebens" an sich. Geschichte und Tradition locken ebenso, wie die große Kunst des "Tastings & Nosings". Mit diesen Büchern kommen Sie auf den Geschmack.

Keine Frage: Whisky erlebt derzeit einen Boom. Vor allem die Asiaten und Osteuropäer haben das "Wasser des Lebens" für sich entdeckt. Besucht man eine Destillerie in Schottland, kann man sicher sein, auf Chinesen, Polen, Tschechen und Russen zu treffen. Vor nicht einmal zehn Jahren war das noch anders. Auch in Deutschland gibt es immer mehr Whisky-Fans. Es werden immer mehr Tastings in immer mehr Städten zu immer mehr Themen angeboten: schottische Whiskys, irische Whiskeys, Single Malts, Blends, Highland Scotch Whiskys, Islay Whiskys, Closed Distilleries, irische Whiskeys, amerikanische Destillate, Whiskys als Aperitif - oder auch als Digestif, Whisky-Exoten, Blind Tastings und und und ...

Das Thema Whisky scheint in aller Munde zu sein. Begleitend dazu gibt es auch zahlreiche Neuerscheinungen am Büchermarkt. Aber wie so oft ist Masse nicht gleich Klasse: So wie sich ein schottischer Whisky erst nach drei Jahren Fasslagerung auf schottischem Boden als Scotch bezeichnen darf; und Geschmack und Geruch des Whiskys mit den Jahren im Fass reifer, feiner, runder, eleganter, vielschichtiger, kurzum interessanter, werden - sollte man sich am Whisky-Buchmarkt an der Auflage und am jahrelangen Erfolg der Publikationen orientieren. Gute Bücher werden immer wieder verkauft, schlechte verschwinden irgendwann von selbst.

Historisch

In seinem einzigartigen Werk nimmt Barnard den Leser mit auf eine Reise durch die 129 schottischen, 28 irischen und 4 englischen Whiskybrennereien des Jahres 1886.
In seinem einzigartigen Werk nimmt Barnard den Leser mit auf eine Reise durch die 129 schottischen, 28 irischen und 4 englischen Whiskybrennereien des Jahres 1886.

Zwei Beispiele belegen diese These vortrefflich: Alfred Barnards "Die Whisky-Brennereien des Vereinigten Königreichs" und Michael Jacksons "Whisky - Marken und Destillerien der Welt". Barnard (1837-1918) war ein britischer Historiker, der sich vor allem der Braukunst und dem Destilleriegewerbe gewidmet hat. Er reiste durch das Land, besuchte Ende des 19. Jahrhunderts mehr als 160 Whiskybrennereien. Er schrieb seine auf der Reise gewonnenen Eindrücke nieder und gewährt dem Whisky-Freund damit noch heute einen detaillierten Einblick in die Brennkunst der damaligen Zeit - einer der Boomzeiten des Whiskys.

Barnard beleuchtet etwa den Aufbau der Destillerien, zeigt Unterschiede zwischen den schottischen und irischen Brennereien auf und geht auch kenntnisreich auf die jeweiligen Produktionsverfahren ein. Ganz nebenbei lässt er einiges Wissenswertes zur Umgebung der Brennereien einfließen, kleine Anekdoten zu den Bewohnern der Whisky-Orte und ihren Eigenheiten.

Barnards Lebenswerk in Buchform war lange nicht in deutscher Sprache erhältlich. 125 Jahre nach der Erstausgabe seines Buches hat sich das geändert - und bereits nach kurzer Zeit hat Barnards einzigartiges Werk auch bei deutschen Schottland-Touristen und Whisky-Liebhabern den Stellenwert erreicht, den es in Großbritannien bereits Ende des 19. Jahrhunderts innehatte.

Unverzichtbar

Michael Jackson hat nichts mit dem "King of Pop" zu tun, er verfasste "nur" die "Bibel" für alle Whisky-Freunde.
Michael Jackson hat nichts mit dem "King of Pop" zu tun, er verfasste "nur" die "Bibel" für alle Whisky-Freunde.

Neben Barnards Buch  gilt unter Whisky-Freunden auch Jacksons "Whisky - Marken und Destillerien der Welt " heute als Standardwerk. Einige nennen es sogar die "Whisky-Bibel". Der Grund ist simpel: Es gibt wohl kein umfassenderes Buch zum Thema Whisky. Sie wollen etwas zur richtigen Whisky-Lagerung wissen? Jackson verrät es ihnen. Sie brauchen Serviervorschläge? Auch die hat Jackson parat. Sie interessieren sich für die Geschichte des "Wassers des Lebens", für die keltischen Ursprünge? Hier finden Sie sie.

Jackson punktet mit ausführlichen Porträts der Brennereien, und beleuchtet dabei nicht nur die schottischen oder irischen. Kanadische, amerikanische, australische, europäische, japanische, exotische: Alle sind vertreten. Auch jeweils mit der Vorstellung der Hausmarke. Mehr als 400 Fotos machen Jacksons Nachschlagewerk darüberhinaus zu einem prächtigen Bildband. Seine Verkostungsnotizen und die seines Teams machen Lust auf mehr: Wenn da von "hellgoldgelber" Farbe die Rede ist, von "Apfelsüße und Malzaroma", von einem "zitrusspritzigen, zarten" und "frischem Nachklang" - welchem Whisky-Liebhaber läuft da nicht das Wasser im Mund zusammen?

Jacksons Buch ist Lesevergnügen pur. Man greift immer wieder danach, blättert darin herum, schmökert. Einen Nachteil hat es aber: Durch seine Größe von rund 28 mal 22 Zentimeter eignet es sich nicht wirklich als Reiselektüre.  

Modern

Leichte Zitrusnoten, trocken am Gaumen und ein langer Abgang: Welcher Whisky wie "schmeckt": "Whisky Classified" verrät's.
Leichte Zitrusnoten, trocken am Gaumen und ein langer Abgang: Welcher Whisky wie "schmeckt": "Whisky Classified" verrät's.

David Wisharts "Whisky Classified - Choosing Single Malts by Flavour" ist da schon handlicher. Derzeit zwar nur in Englisch erhältlich, findet der Leser darin nicht nur mehr als 100 Porträts schottischer und irischer Destillerien. Wisharts Buch punktet zudem mit detaillierten Geschmacksprofilen und Verkostungsnotizen der einzelnen Brennereimarken, die in der Regel auch die gängigsten Whiskys der Destillerien sind.

Das Besondere an "Whisky Classified" sind aber Wisharts Whisky-Cluster. Der Experte ordnet die verschiedenen Single Malts dabei bestimmten Gruppen zu und gibt Tipps auf vergleichbare Destillate. Wer beispielsweise den dreifach gebrannten Lowland Auchentoshan (12 Jahre alt) mag, kann laut Wishart auch ruhig mal zu einem Tullibardine Marsala von 1993 oder einem Glenrothes von 1992 greifen.

Der Whisky-Freund, auch Connaisseur genannt, ist somit in der Lage, sich von seinem Lieblingswhisky aus systematisch weiter in die schier unendlich weite Whisky-Welt vorzuarbeiten. Zudem kann der Leser mit Wisharts Wissen auch bei Tastings den professionellen Whisky-Kenner geben. Zum Buch, das in vielen schottischen Destillerien zum Kauf ausliegt, in manchen sogar in signierter Form, wartet am Ende noch mit einer kleinen Zugabe auf, einer CD-Rom mit einem "Whisky- Analyse"-Programm, mit dem man seine eigenen Tasting-Erfahrungen verwalten und sich so ein eigenes kleines Whisky-Wissen-Archiv aufbauen kann. Bei der nächsten Whisky-Tour durch Schottland also ruhig mal auf die eine oder andere Flasche "Wasser des Lebens" verzichten - und dafür in pures Whisky-Wissen investieren. Es zahlt sich aus. Sláinte!

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Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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