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Privat und beruflich ein gutes Team: Susanne Wendel und Frank-Thomas Heidrich nach der Gründung ihrer gemeinsamen GmbH.
Privat und beruflich ein gutes Team: Susanne Wendel und Frank-Thomas Heidrich nach der Gründung ihrer gemeinsamen GmbH.(Foto: Thomas Kirchweger)

Wie wär's mit uns beiden?: Paar sein geht auch ohne Liebe

Von Andrea Beu

Verliebt, verlobt, verheiratet: So ist laut Volksmund der normale Werdegang von Paaren. Zumindest, wenn man der Idee der romantischen Liebe folgt und es keine arrangierte Hochzeit ist. Aber wie wäre es, wenn man sich einfach den schnappt, der zu einem passt, rein vernunftsmäßig? Ohne verliebt zu sein? Kann das gutgehen? Ausprobiert haben das Susanne Wendel und Frank-Thomas Heidrich - und darüber dann ein Buch geschrieben: "Wie wär's mit uns beiden?"

Die "Liebesheirat" gibt es noch gar nicht so lange, sie entstand erst unter dem Einfluss der Romantik um 1800 im Bürgertum. Vorher gab es fast ausschließlich Paare als Zweckgemeinschaft, die sogenannte Vernunftehe. Zusammen kam, wer zusammen gehörte - aus der gleichen Gesellschaftsschicht, nicht zwingend aus der gleichen Altersgruppe. Das ist auch heute noch in einigen Ländern so - arrangierte Ehen kennt man etwa aus Indien, wo das starre Kastensystem noch sehr stark bestimmt, wer mit wem näher verkehrt. Aber in Deutschland heiratet man doch in der Regel aus Liebe.

"Wie wär's mit uns beiden?" ist bei Horizon erschienen und kostet 15,90 Euro.
"Wie wär's mit uns beiden?" ist bei Horizon erschienen und kostet 15,90 Euro.

Häufig ist der Bund jedoch nicht für die Ewigkeit: jede dritte Ehe wird hierzulande geschieden. So auch die von Autorin Susanne Wendel - mit Ende 30 findet sie sich wieder mit Kinderwunsch, aber ohne Mann dazu, mit vielen Affären, aber ohne feste Beziehung. Sie ist beruflich sehr erfolgreich - als Coach, als Ernährungs- und Gesundheitsexpertin, als Autorin von Ratgebern und Sachbüchern. Auch privat ist ihr nicht langweilig, sie ist sexuell sehr offen und experimentierfreudig, besucht Swingerclubs und Fetischpartys. Aber etwas Wichtiges fehlt ihr - sie will eine "richtige Beziehung", eine Familie, ein Kind - und den Mann dazu.

Wie muss der Traummann aussehen?

Wie dieser Mann aussehen soll, davon hat Susanne Wendel eine ziemlich genaue Vorstellung, die sie in einer Wunschliste festhält, mit 20 Punkten. Da liest man etwa: "Mein Traummann ... ist für mich mit allen Sinnen attraktiv (er sieht gut aus, hat eine angenehme Stimme, fühlt sich an, riecht gut); ... schläft ruhig (= ohne Schnarchen)" et cetera. Das schließt ja schon mal einen Großteil der Männer aus. Vor allem der letzte Punkt ihrer Liste aber war der größte Stolperstein: "Ich weiß, dass er es ist, wenn ich ihn treffe. Er löst bei mir Verliebtheit aus und die Gewissheit, dass er es ist."

Susanne und Frank-Thomas im Jahr 2008 - bisher nur Freunde.
Susanne und Frank-Thomas im Jahr 2008 - bisher nur Freunde.(Foto: Anita Troller)

Denn wie wohl die Mehrheit der Menschen in unseren Breiten erwartete sie jemanden zu treffen, bei dem alles stimmt. Der zu einem perfekt passt und in den man sich auch noch verliebt (und umgekehrt ebenso). Der Deckel auf meinen Topf. Ist das zu viel verlangt? Wie schwer die Deckel-Suche ist und wie viele daran scheitern, zeigt vielleicht auch die große Anzahl an Singlehaushalten in Deutschland: In mehr als jedem dritten Haushalt (37,2 Prozent) wohnt nur eine Person, stellte das Statistische Bundesamt bei der "Vollerhebung Zensus 2011" fest. Selbst wenn nicht jeder Alleinlebende zwangsläufig auch ohne Partner ist - da kommt doch eine beträchtliche Anzahl an Singles zusammen.

Unbedingt heiraten - aber wen?

Susanne Wendel wollte kein Single mehr sein, nicht mehr "die ewig Suchende", und nahm sich eines Tages im Frühjahr 2011 vor: Ich will noch in diesem Jahr wieder heiraten! Nur: wen? Da hatte sich schon seit Längerem immer wieder ein Mann ins Bild gedrängt, sympathisch, aber überhaupt nicht ihr Fall. Und von seiner Art der Lebensführung, seinem Stil etwas anders als sie, die "Rampensau": schüchtern, mit 40 noch Jungfrau, noch keinen "richtigen" Sex gehabt, wie er es selber formuliert, kein richtiges Händchen für Frauen. Er hatte sich zwischendurch schon gefragt: bin ich schwul? und alle Energie in die Arbeit und Hobbys (wie Motorradfahren) gesteckt. Und da wiederum waren sie sich doch ähnlich, beim beruflichen Engagement und bei gemeinsamen Interessen und Ansichten, der aktiven Lebensart. Das fiel Susanne immer wieder auf, wenn sie sich bei diversen Gelegenheiten wie Seminaren trafen - sie harmonierten einfach gut, hatten oft gleiche Ansichten.

Der Verlobungs-Kuss im Juni 2011.
Der Verlobungs-Kuss im Juni 2011.(Foto: Thomas Kirchweger)

Warum also nicht Thomas? Der Haken: Sie war nicht in ihn verliebt, es funkte einfach nicht. Bei ihm auch nicht. Und dennoch entschließen beide sich, es miteinander zu versuchen, ganz spontan, von jetzt auf gleich, aus Vernunftsgründen. Sie verloben sich. Weil sie doch eigentlich so gut zusammenpassen und das Gleiche wollen: eine Beziehung, eine Familie plus beruflichen Erfolg.

Gemeinsamkeiten verbinden länger

Verrückt? Vielleicht. Aber schon Stephen Stills sang: "If you can't be with the one you love - love the one you're with". Und Partnerbörsen arbeiten mit dem Prinzip der "matching points" - sie suchen anhand der angegebenen Hobbys, Interessen, Ansichten, Vorlieben und Abneigungen die potenziell passenden Partner heraus. Und nach Ansicht vieler Paartherapeuten verbinden Ähnlichkeiten auf Dauer mehr, so reizvoll Gegensätze auch sein mögen. Aber wenn die Beziehung überdauern soll, sind ähnliche Wertevorstellungen (Vegetarier/Fleischliebhaber, politische Ansichten, Kindererziehung, wie halten wir es mit der Treue et cetera) günstig und förderlich. Und auch wenn Susanne und Frank Thomas durchaus einiges am anderen auszusetzen hatten - die "ähnlichen Wertevorstellungen" waren da und der Rest würde sich zeigen.

Wie genau es zu der Verlobung kam, wie es weiterging und wie es ihnen ergangen ist, beschreiben Susanne Wendel und Frank-Thomas Heidrich in ihrem Buch "Wie wär's mit uns beiden?" auf erfrischend bodenständige Weise und erstaunlich offen. Kein abgehobener, gestelzter Ratgeberslang, sondern es fallen so Formulierungen wie "nicht alle Latten am Zaun haben". Und Susanne erwähnt mehrfach, dass sie Thomas dringend raten muss, doch mal ein Deo zu benutzen ... das möchte nicht jeder von sich in der Öffentlichkeit ausgebreitet wissen.

Auch die vielen Zweifel, die sie auf ihrem ungewöhnlichen Weg begleitet haben, werden nicht verschwiegen. Denn von der rationalen Herangehensweise an die Partnerfindung, mit dem Verzicht auf romantische Gefühle, hatte vor allem Susanne anfangs so ihre Probleme. Aber Augen zu und durch, wird schon gutgehen. Susanne und Frank-Thomas haben es gewagt - und offenbar gewonnen.

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Quelle: n-tv.de

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