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Das perfekte Team: Rocky Balboa und sein Schützling Adonis "Creed" Johnson
Das perfekte Team: Rocky Balboa und sein Schützling Adonis "Creed" Johnson(Foto: imago/ZUMA Press)

"Sylvester steht vor der Tür!": "Creed" - Stallone in der Rolle seines Lebens

Er ist in Form, er ist schlagfertig, er sieht gut aus. Er ist Rocky Balboa, nein, er ist Sylvester Stallone, und er hat ein großes Herz. Ein Treffen zum Filmstart von "Creed" mit dem großartigsten Boxer der Filmgeschichte in London bestätigt sämtliche Vorschusslorbeeren.

Ich bin tatsächlich ein bisschen aufgeregt. Ich treffe Rocky Balboa, einen Helden meiner Kindheit und Jugend und vor allem aller meiner männlichen Freunde. Wie wird er sein? Er spielt schließlich nur die zweite Geige - die Hauptrolle, "Creed", geht an Michael B. Jordan, und sein Rollenname - Adonis - könnte besser nicht gewählt sein. Wie gemeißelt sieht er aus in der Geschichte von Adonis, dem unehelichen Sohn von Rockys altem Gegner und bestem, verstorbenen Freund Apollo Creed. Adonis "Creed" Johnson hat seinen Vater nie kennengelernt, und wie das Schicksal es so will und ohne zu viel der Geschichte vorweg zu nehmen, landet er bei Rocky. Der alte Veteran soll ihn lehren, soll ihn schleifen, ihn anleiten, denn dass er boxen kann, das weiß Adonis, es liegt ihm im Blut. Als kleiner Junge hat er sich geprügelt, als junger Mann fährt er zu Kämpfen nach Mexiko. Doch er will mehr. Zum Beispiel, dass aus dem "mehr" so etwas wie Familie werden kann. Taschentücher mitnehmen! Denn in guter alter "Rocky"-Tradition gibt's nicht nur auf die Fresse, sondern auch auf die Tränendrüse.

Wieviel Apollo steckt in Adonis? Wird er seine eigenen Treffer landen?
Wieviel Apollo steckt in Adonis? Wird er seine eigenen Treffer landen?(Foto: imago/ZUMA Press)

Boxen ist Ballett. Es folgt einer unglaublich ästhetischen Choreographie. Wer nur an aufgeplatzte Augenbrauen und blaue Flecken denkt, liegt total falsch. Wie sehr Boxen im Kopf abgeht, wie elegant es ist, wie anspruchsvoll das Training, das wird sich einem nie erschließen, wenn man nicht mal bei einem Training war, zugeguckt hat, selbst geboxt hat, oder "Rocky" gesehen hat. Seit 40 Jahren ist Stallones alter Ego und bester Freund, wie er ihn selbst beim Erhalt des Golden Globes für den besten Nebendarsteller vor kurzem nannte, an unserer Seite. Keiner kann an Rocky vorbei. Die Mischung aus Männerfilm, Action, Liebe und Emotion, Kampfkunst, Zeitgeist und Musik packt die Zuschauer seit Generationen. Nein, Stallone ist kein Schauspieler, der den Hamlet geben sollte, aber er ist ein "Rambo", ein "Expendable", ein "Nighthawk", ein "Tango & Cash", ein "Demolition Man", ein "Specialist", "ein "Assassin" und er sah das "Daylight". Soviel nur mal dazu, dass er zu monothematisch gewesen sein könnte, nur einen Gesichtsausdruck gehabt haben soll.

Er schreibt Drehbücher, ist Produzent, er ist Mentor, Vater, Ehemann, Freund, Vorbild. Er hat eine Statue in Philadelphia. Okay, "Rocky" hat eine Statue in Philadelphia, but who cares? Jetzt wird er noch einen Oscar bekommen - das wäre gerecht, das wäre cool, das wäre besonders. Und verdient. Denn Stallone spielt den alternden Rocky, der eigentlich nur noch seine Ruhe haben wollte, mit solcher Grandezza, er ist in "such a good shape", er ist so nachvollziehbar, so warm und großartig, dass es total okay ist, dass ich vor dem Interview ein bisschen bibbere. Völlig umsonst. Denn Mr. Balboa ist in Plauderlaune und sieht in echt besser aus als auf der Leinwand. 

Sylvester steht vor der Tür - in diesem Fall ausnahmsweise mal richtig geschrieben.
Sylvester steht vor der Tür - in diesem Fall ausnahmsweise mal richtig geschrieben.(Foto: imago/Independent Photo Agency)

n-tv.de: "Glückwunsch, Mr. Stallone, zum Golden Globe. Wo stellen Sie denn den nächsten Award, den Oscar, hin?

Sylvester Stallone: (lacht und zeigt auf seine Schultern) Ich trage den dann mit mir herum, auf den Schultern. Ernsthaft, noch ist es ja nicht so weit, aber danke, dass Sie das glauben. Mann, ich war da seit 39 Jahren nicht mehr, also bei den Oscars, das wird schon so aufregend genug. Aber ich fühle mich sehr geschmeichelt, dass ich so hoch gehandelt werde. 

Was macht einen Mann denn zum Boxer, zu einem Kämpfer?

Ich glaube, das liegt uns einfach im Blut. Und da wo ich herkomme, gehörte Boxen sowieso zum guten Ton.

Stallone hatte nichts, bevor "Rocky" quasi in sein Leben trat: Die Geburtszange lähmt ihm 1946 eine untere Gesichtshälfte, sein Vater rät ihm später, seinen Körper zu trainieren, der Kopf werde wohl nicht allzu viel hergeben. Er arbeitete im Zirkus als Stallausmister und kam seinem Ziel, Schauspieler zu werden, zuerst nur als Platzanweiser in den Kinos seiner Geburtstadt New York näher. Nach vielen kleinen Rollen dachte Stallone, der Außenseiter, sich: Wenn nicht vor, dann hinter der Kamera. Er fing an Drehbücher zu schreiben. Eines davon handelte von Rocky Balboa, dem Italo-Boxer aus Philadelphia. Es sollte das "one in a million"-Drehbuch werden, das aus dem Underdog einen Star machte. Michael B. Jordan, der auch beim Interview dabei ist und der mit dem typischen Boxergruß grüßt - Faust zu Faust - lacht.

Michael B. Jordan: Ja, viele Jungs wollen runter von der Straße. Boxen ist ein Weg, dem Elend zu entkommen.

Und was halten Sie von Frauen, die boxen?

(beide lachen)

Michael B. Jordan: Frauen, die boxen, sind cool.

"Ich danke meinem besten Freund, Rocky."
"Ich danke meinem besten Freund, Rocky."(Foto: imago/ZUMA Press)

Stallone: Es liegt doch in der Natur der Frau, dass sie boxt, oder? Ich meine natürlich zu Hause, ihren Mann. Oder untereinander. Nein, Spaß beiseite, warum sollten Frauen nicht boxen, es gibt fantastische Sportlerinnen im Ring.

Mr. Stallone, bei den Golden Globes haben Sie sich in Ihrer Dankesrede bei "Rocky", ihrem besten Freund, bedankt.

Ja, ich bin mit diesem Typen wirklich eins geworden. Ich weiß, man kann sich das nicht vorstellen, aber es steckte, vor allem am Anfang, so viel von mir selbst in der Rolle, dass ich nur sagen kann, dass wir tatsächlich so etwas wie beste Freunde sind. So, wie Sie es im ersten "Rocky" gesehen haben, so wie ich da trainiert habe, so wie ich gewohnt habe, das entsprach zu großen Teilen meinem wirklichen Leben. Die Art zu trainieren, die Art, an mich zu glauben. Ich bin heute noch sehr gerührt, dass vor dem Museum of Art in Philadelphia am Ende der berühmten Stufen die Rocky-Figur steht und dass noch heute Leute da extra hingehen, um ein Foto zu machen und die Arme hochzureißen.

Und wie war es für Sie, Mr. Jordan, mit so einer Ikone, so einer Institution, zu arbeiten?

Schönes Paar, oder?
Schönes Paar, oder?(Foto: imago/Independent Photo Agency)

Sylvester hat mir nie ein komisches Gefühl gegeben, ich habe mich immer vollkommen akzeptiert gefühlt. Im Gegenteil, er hat mir sehr geholfen. Und ich kann sagen, dass wir uns nicht nur vor der Kamera näher gekommen sind, sondern dass ich das Gefühl habe, dass wir uns auch im wirklichen Leben angefreundet haben. Oder?

Sylvester Stallone nickt und lacht. Fast hat man den Eindruck, dass Stallone "the next Buddha" ist: Auch Regisseur Ryan Coogler, 29 Jahre jung, ist nicht vor Angst und Ehrfurcht im Boden versunken, weil er es wagte, den altehrwürdigen "Rocky" wieder aus dem Spind zu kramen, es ist eher Respekt und Hochachtung zu spüren. Alle betonen, wie großartig es war, Stallone als Mentor, als Urgestein, als Ratgeber, als Autor, als Kollegen, dabei zu haben. 

Es kommt nicht darauf an, wie hart einer zuschlagen kann.

Stallone weiß, mit Misserfolg und Tiefschlägen umzugehen. Nach den Erfolgen von Rocky 1, 2, 3 und meinetwegen auch noch 4 erlebte "Rocky" seinen Tiefpunkt in der fünften Fortsetzung. Er selbst gab zu, dass dieser Film kein Herz gehabt hätte. Ganz anders jetzt
"Creed": Bereits in den vorangegangenen Teilen spürte man, wie er sich zusammenriss, seinen Weg neu fand. Aus Teil 6 stammt der legendäre Satz: "Es kommt nicht darauf an, wie hart einer zuschlagen kann. Es zählt bloß, wieviele Schläge er einstecken kann und ob er trotzdem weitermacht." Das hat er bewiesen. Teil 6 raubt ihm seine geliebte Adrian, auch das Verhältnis zu seinem Sohn ist brüchig. Da passt es gut, dass Adonis und seine Freundin Bianca ihm, dem Einsiedler, nun eine Ersatzfamilie sein können und ihm zur Seite stehen, als es auch für einen wie "Rocky" wirklich hart wird.

Tessa Thompson, die weibliche Hauptrolle, bietet in "Creed" ein neues Frauenbild an: Nicht mehr so ein Mäuschen wie Adrian, keine Hausfrau, keine Glamour-Tussi. Sie ist selbstbewusst, sie weiß was sie kann - singen - und was sie will - Adonis - und sie bildet mit Creed jr. eines der schönsten Leinwandpaare, die man seit langer Zeit gesehen hat. Als ich sie später treffe, sagt sie: "Ja, viele haben heute keine sogenannte "normale" Familie mehr. Meine Eltern haben sich getrennt, als ich klein war. Aber das Gute daran war, dass ich an der Ost- und an der Westküste aufwachsen durfte." Und was gefiel ihr an der Rolle der "Bianca" am besten? "Dass ich eine starke Frau sein durfte. Und dass ich singen durfte. Ich liebe Musik. Die Musik war immer wichtig in den Rocky-Filmen."

Bei einer Frage haben übrigens alle Interviewpartner denselben Gesichtsausdruck aufgesetzt: Lachend, erwartungsvoll, wissend, verschmitzt. Die Frage lautete. "Es wird doch hoffentlich einen achten Teil geben?"

Mit Tessa Thompson, Ryan Coogler, Michael B. Jordan und Sylvester Stallone, dem Nummer-eins-Nebendarsteller, sprach Sabine Oelmann.

"Creed" startet am 14. Januar in den deutschen Kinos.

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Quelle: n-tv.de

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