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Sie weiß genau, was sie will: Jennifer Lawrence als Joy Mangano.
Sie weiß genau, was sie will: Jennifer Lawrence als Joy Mangano.(Foto: imago/ZUMA Press)

"Joy", die Frau mit dem Miracle Mob: Jennifer Lawrence - alles außer gewöhnlich

Von Sabine Oelmann

Das ist der letzte Film des Jahres - und er wird trotzdem zu den absoluten Nummer-eins-Erfolgen gehören. Jennifer Lawrence ist "Joy" und sie ist anbetungswürdig in ihrer Rolle als Wischmob-Erfinderin und Teleshopping-Queen.

"Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her." Hätte Joy Mangano nicht schon den patentierten Wischmob erfunden, dann könnte auch dieser Spruch von ihr stammen.

"Joy - alles außer gewöhnlich" heißt der Film, "Joy" heißt auch "Freude" und es geht gute zwei Stunden lang um genau das: Freude. Denn es ist eine reine Freude, Jennifer Lawrence in der Rolle der Joy Mangano zuzugucken. Mangano gibt es wirklich: sie hat 1990 einen Wischmob erfunden, bei dem sich die Hausfrau nicht mehr die Finger schmutzig machen muss, wenn sie ihn auswringen will und der viel mehr Schmutz aufnimmt als andere Wischmobs und der außerdem noch besser in die Ecken kommt als jedes Modell zuvor. Wie alle guten Dinge, die einem heute ganz selbstverständlich vorkommen, mag dieser Wischmob vielleicht eine simple Idee gewesen sein - bis das gute Stück jedoch in den Händen anderer Hausfrauen liegen durfte, verging eine ganze Weile. Von dieser "Weile" erzählt Regisseur David O. Russell in seinem bewegenden und mit dem Prädikat "besonders wertvoll" ausgezeichneten Film.

"Joy" ist das generationsübergreifende Porträt einer mutigen Frau, die ein Geschäftsimperium gründet und dabei lernt, ihren Ideen zu vertrauen, sich gegen Widerstände zu behaupten und gleichzeitig ihren Idealen treu zu bleiben. Die 25-jährige Jennifer Lawrence war jedenfalls begeistert von der Aussicht, diesen bisher komplexesten Frauencharakter ihrer jungen Karriere zu spielen, denn Joy ist eine in jeder Hinsicht ungewöhnliche Frau: sie ist zugleich kühne Erfinderin, erschöpfte Single-Mutter, coole, unnachgiebige Verhandlungspartnerin, besorgte Tochter und ein Mensch mit großen Träumen. "Ich wusste, dass es sich um eine außergewöhnliche Filmfigur handeln würde, da sie von David O. Russells Vorstellungskraft geprägt ist", erklärt Lawrence. "Es ist nicht nur eine Geschichte über den Kampf einer Frau um Erfolg, sondern auch über die Bedeutung von Freude und Glück nach Erreichen des Ziels."

Wie der Schein doch trügen kann ...
Wie der Schein doch trügen kann ...(Foto: imago/ZUMA Press)

Wie sie diese Frau zwischen bekleckerter Bluse, depressiver Mutter, süßen Kindern, Ex-Mann und bestem Freund, einer Großmutter mit Visionen und einem Vater mit Problemen spielt, die dennoch zu einer der erfolgreichsten Geschäftsfrauen der USA wird, ist beeindruckend. Jennifer Lawrence' Gesicht ist wie eine Leinwand, die man stundenlang angucken möchte - denn es ist möglich, alles auf dieser Leinwand zu lesen.

"Ich hasse ihn!"

Obwohl wir Lawrence' Gesicht nun schon in vielen Filmen sehen durften und sie in "Joy" nach "Silver Linings" und "American Hustle" zum dritten Mal mit dem Männertrio Bradley Cooper, Robert De Niro und David O. Russell zugange ist, strahlt sie eine Unverbrauchtheit aus, die ihresgleichen sucht. Ihre Szenen mit Cooper brauchen keinen Sex, um Erotik zu senden, de Niro wird von Falte zu Falte besser und der Regisseur hat anscheinend eine Muse in der jungen Frau gefunden, die vor Kurzem noch niemand kannte und die seit einiger Zeit dennoch mit Preisen nur so überhäuft wird.

Russell nimmt es sogar gelassen, wenn Miss Lawrence am Set dann doch mal einen eher unüblichen Diva-Anfall bekommt: sie habe ihn "Arschloch" genannt, erzählte sie der "Stuttgarter Zeitung", denn der Regisseur hätte sie gebeten, vor laufender Kamera zu singen. Sie hätte ihm daraufhin gesagt, dass sie ihn hassen würde. Für jeden anderen vielleicht eine üble Vorstellung, von Jennifer Lawrence gehasst zu werden, für Russell nicht so. Er soll es gelassen aufgenommen und ihr nicht weiter krumm genommen haben. "Er weiß, dass ich ihn liebe", so Lawrence. Das wiederum ist nun keine so üble Vorstellung. 

Jennifer Lawrence hat bereits einen Oscar und zwei Golden Globes und es sieht so aus, als könnte ihr Regal noch voller werden: "Joy" ist nominiert für die Golden Globes 2016 (Verleihung am 10. Januar) in den Kategorien "Bester Film - Komödie oder Musical" und "Beste Hauptdarstellerin - Komödie oder Musical".

In weiteren Rollen sind Edgar Ramirez, Isabella Rossellini, Diane Ladd und Virginia Madsen zu sehen.

"Joy - alles außer gewöhnlich" kommt am 31. Dezember in die deutschen Kinos.

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Quelle: n-tv.de

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