Musik ist Kunst - im MillionenwertWu-Tang Clan verkauft Album nur einmal

Limited Editions sind für Fans, die auch mal etwas tiefer in die Tasche greifen. Das neue Album des Wu-Tang Clans dürfte deren Budget aber sprengen: Es soll nur ein einziges Exemplar geben, für Millionen Dollar. Nur könnte das Kunstprojekt auch floppen.
Musik ist Kunst! Das ist die Botschaft, auf die es der Wu-Tang Clan abgesehen hat. In einer aufsehenerregenden Botschaft hat das Hip-Hop-Kollektiv angekündigt, von einer neuen Platte nur ein einziges Exemplar herzustellen und zu verkaufen. Das gab es noch nie und wird es so schnell auch nicht wieder geben, selbst wenn das Kunstprojekt, allen Unkenrufen zum Trotz, ein Erfolg wird.
"Once Upon A Time In Shaolin" soll das Doppelalbum heißen, an dem die Gruppe in den vergangenen zwei Jahren heimlich arbeitete. Davon solle es aber nur ein Einzelstück für Sammler geben, erklärte Clan-Mitglied RZA dem Magazin Forbes. "Das ist, als hätte man das Zepter eines ägyptischen Königs", fügte er an und ist sich sicher: "Wir bringen ein Stück Kunst heraus, wie es noch niemand in der Geschichte der modernen Musik gemacht hat."
Immerhin soll die Platte auch edel aussehen: Der britisch-marokkanische Künstler Yaha designte das Album, das in einer Silber-und-Nickel-Box verpackt ist.
Doch bevor das Album - vermutlich für einen Millionenpreis - verkauft wird, soll es um die Welt gehen. Das Kollektiv plant aber keine Tour. Vielmehr soll das Album rund um den Erdball ausgestellt werden, laut RZA in Museen, Galerien und auf Festivals. Dort sollen die Menschen gegen ein Eintrittsgeld die Möglichkeit bekommen, sich das Album über Kopfhörer anzuhören - nachdem sie gründlich auf Aufnahmegeräte durchsucht wurden.
Große Erfolge in den 90ern
Sollten Aufnahmen des Albums durchsickern, wäre das Konzept gescheitert. Denn tatsächlich besitzen soll das Album nur ein einzelner Mensch. Ob dieser die Platte dann den breiten Massen zugänglich macht oder es an einem sicheren Ort verwahrt, ist den Musikern egal. Ganz leer werden die Fans der Gruppe so oder so nicht ausgehen. Im Sommer soll ein weiteres Wu-Tang-Clan-Album zum 20-jährigen Bestehen herauskommen.
"Wir setzen uns seit Jahren für die Idee ein, dass Musik Kunst ist", erklärt RZA den Hintergrund des Projekts. Doch sie erfahre nicht dieselbe Behandlung, die Kunst bekommt, "im Sinne von was sie wert ist". Nicht nur angesichts von illegal im Internet getauschten und heruntergeladenen Musikstücken trifft das einen wunden Punkt der Musikindustrie. Denn selbst legal ist Musik mittlerweile sehr billig oder - etwa über Streaming-Dienste - kostenlos abrufbar.
Unklar ist, ob das Vorhaben ein Erfolg wird oder nicht. Immerhin war es in den letzten Jahren sehr still geworden um das Kollektiv. Anfang der 90er Jahre revolutionierte der Wu-Tang Clan den Hip-Hop. Nicht nur wurden die ersten beiden Alben große Erfolge. Die Gruppe brachte daneben immer wieder Soloalben der Künstler hervor. RZA, GZA, Ghostface Killah, Raekwon, vor allem aber Method Man und der 2004 verstorbene Ol' Dirty Bastard bestimmten die Hip-Hop-Musik der 90er Jahre, neben Künstlern wie Snoop Doggy Dog und Nas.
"Wir könnten uns lächerlich machen"
Mit dem Titel des im wahrsten Sinne des Wortes limitierten Albums will der Clan wohl an die frühen Erfolge anknüpfen. Schließlich kann er als Reminiszenz an das Debütalbum "Enter the Wu-Tang (36 Chambers)" gelesen werden, das 1993 eine Hip-Hop-Revolution auslöste. Schon damals spielte die Band gern und oft auf asiatische Kampfkünste an sowie auf den Film "Die 36 Kammern der Shaolin", einem Meilenstein des Martial-Arts-Kinos mit Hauptdarsteller Gordon Liu (der später durch Quentin Tarantinos "Kill Bill" weltweit bekannt wurde).
Ob das ausreicht, einen Musik-Mäzen mit prall gefüllter Geldbörse zu finden? Und wird dieser die Musik für sich behalten oder weitergeben? Möglich wäre aber auch, dass eine Firma das Kleinod erwirbt, um dann Kapital daraus zu schlagen. Das könnte den Anspruch des Projekts, (Pop-)Musik in den Stand von Kunst zu erheben, in gewisser Weise ins Gegenteil verkehren.
"Es könnte total floppen und wir könnten uns total lächerlich machen", räumt auch Co-Produzent Tarik "Cilvaringz" Azzougarh ein. "Aber im Kern geht es darum, Kreativität, Originalität und Diskussionen hervorzubringen - und das Musik-Album als Medium vor dem Aussterben zu bewahren." Das sind hehre Worte, die man im Musikgeschäft sehr selten hört.