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Bislang hat Donald Trump Air Force One nur für Inlandsflüge bestiegen.
Bislang hat Donald Trump Air Force One nur für Inlandsflüge bestiegen.(Foto: REUTERS)

Acht Tage Ausland: Auf Trump warten viele peinliche Momente

Von Hubertus Volmer

Die erste Auslandsreise des US-Präsidenten war als Zeichen des Friedens geplant. Nun muss Trump fürchten, von seinen heimischen Affären verfolgt zu werden. Auch unterwegs warten viele mögliche Fettnäpfchen.

Er habe geglaubt, Präsident zu sein sei leichter, sagte Donald Trump in einem Interview Ende April. Vor einer besonders anstrengenden Sache hat er sich bislang gedrückt: Reisen ins Ausland. An diesem Freitag verlässt der 70-Jährige die USA zum ersten Mal, seit er zum Präsidenten der USA gewählt wurde. Er macht Station in Saudi-Arabien, in Israel und den Palästinensergebieten, beim Papst in Rom, bei der Nato in Brüssel und beim G7-Gipfel auf Sizilien. Alles ganz normal also. Abgesehen davon, dass bei diesem Präsidenten nichts normal ist.

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Trumps Vorgänger Barack Obama hatte zu diesem Zeitpunkt in seiner Amtszeit bereits diverse Auslandsreisen hinter sich. Vier Wochen nach seiner Vereidigung besuchte er Kanada, im April die Gipfel von G20, Nato sowie den europäisch-amerikanischen Gipfel in Prag. Er flog in die Türkei, reiste weiter in den Irak und war eine gute Woche später in Mexiko.

Donald Trump dagegen war bislang nicht einmal in Kanada oder Mexiko. Er sammelt seine Flugmeilen eher an Wochenenden zwischen Washington und seinen Golfclubs in Florida, New Jersey und Pennsylvania. Auf seiner ersten Reise wird er von First Lady Melania begleitet. Sie freue sich sehr auf die Reise, sagt sie in einer Pressemitteilung des Weißen Hauses.

Es könnte sein, dass Trump das mittlerweile auch so sieht, trotz seiner Neigung, lieber im eigenen Bett zu schlafen, Steaks mit Ketchup zu essen und möglichst viel fernzusehen. Immerhin bedeuten acht Tage im Ausland acht Tage Ruhe vor den vielen Skandalen, mit denen Trump sich herumschlagen muss. Auf der anderen Seite lehren die vergangenen vier Monate, dass jedes einzelne der vielen Gespräche, die er in den kommenden Tagen führen wird, ein potenzielles Fettnäpfchen darstellt. Man stelle sich nur vor, dass Trump vor den Staats- und Regierungschefs in Brüssel damit prahlt, wie groß die Menschenmenge war, die zu seiner Inaugurationsfeier kam. Die Erwartungen an Trump sind mittlerweile so niedrig, dass die Reise als Erfolg gelten wird, wenn sie ohne Katastrophen über die Bühne geht.

Ohnehin scheinen die Staats- und Regierungschefs der Nato ihren mächtigen Kollegen aus Washington wie ein schwieriges Kind behandeln zu wollen. Der Zeitschrift "Foreign Policy" zufolge bat die Allianz die Teilnehmer des Gipfels, Redebeiträge auf zwei bis vier Minuten zu beschränken, um die Aufmerksamkeitsspanne des Präsidenten nicht über Gebühr zu strapazieren. Peinlich könnten allerdings auch die Auftritte vor der Presse werden, wenn die Journalisten nicht danach fragen, was Trump mit seinen Gastgebern besprochen hat, sondern warum er FBI-Chef James Comey wirklich entließ. Oder ob er sich von den Medien fair behandelt fühlt. Oder ob er die Extraportion Eiscreme bekommen hat, die er dem Magazin "Time" zufolge im Weißen Haus erhält.

Erster Stopp: Saudi-Arabien, 20. bis 22. Mai

Saudi-Arabiens König Salman ist Trumps erster Gesprächspartner. Die arabischen Staatschefs mögen den neuen US-Präsidenten - er gilt als "stärker" als sein Vorgänger.
Saudi-Arabiens König Salman ist Trumps erster Gesprächspartner. Die arabischen Staatschefs mögen den neuen US-Präsidenten - er gilt als "stärker" als sein Vorgänger.(Foto: AP)

Bekanntlich spricht Trump am liebsten über sich selbst, und so machte er es auch am vergangenen Mittwoch bei einer Rede vor Absolventen der Küstenwachen-Akademie in New London. "Während Sie diese Akademie verlassen, um zu einer aufregenden neuen Reise aufzubrechen, bereite auch ich mich auf eine sehr wichtige Reise vor", sagt er. In Saudi-Arabien werde er mit muslimischen Staatschefs sprechen und sie auffordern, "Hass und Extremismus zu bekämpfen und für eine friedliche Zukunft ihrer Religion zu sorgen".

Für die friedliche Zukunft soll Berichten zufolge am Rande der Reise ein 100 Milliarden Dollar schwerer Rüstungsdeal zwischen den USA und Saudi-Arabien abgeschlossen werden. Am Samstag wird es bei seinen Gesprächen mit König Salman um die Kriege in Syrien und Jemen gehen, in denen Saudi-Arabien eifrig mitmischt. Auch das Atomprogramm des saudischen Erzfeindes Iran dürfte ein Thema sein. Trump hatte im Wahlkampf damit gedroht, dieses Abkommen zu kündigen. Bislang ist das zwar nicht passiert. Aber allein die Aussicht darauf habe Saudi-Arabien hoch erfreut, sagte Nahost-Experte Simon Henderson n-tv. "Sie waren sehr enttäuscht von Präsident Obama, von dem sie glaubten, dass er den Iran bevorzugt habe."

Am Sonntag wird Trump vor rund 50 Staats- und Regierungschefs muslimischer Länder die Rede halten, auf die er in New London anspielte. Dieser Auftritt wird mit Spannung erwartet. Einerseits setzen die autoritären Politiker der arabischen Welt Hoffnung auf Trump, weil sie davon ausgehen, dass er sie nicht mit Vorträgen über Menschenrechte nerven wird. Andererseits hat Trump einen Großteil seines Wahlkampfes damit bestritten, Muslime als Gefahr darzustellen. Zudem wird die Rede der Nachrichtenseite Politico zufolge von Trumps Berater Stephen Miller geschrieben. Im Kosmos des Weißen Hauses gehört Miller zur Fraktion um Trumps rechtsradikalen Chefstrategen Steve Bannon, der mitunter den Eindruck vermittelt, als könne er einen dritten Weltkrieg zwischen dem Westen und dem Islam kaum erwarten.

Zweiter Stopp: Israel und die Palästinensergebiete, 22. bis 23. Mai

Netanjahu und Trump haben sich bereits im Februar in Washington getroffen.
Netanjahu und Trump haben sich bereits im Februar in Washington getroffen.(Foto: picture alliance / Evan Vucci/AP)

Am Montag erreicht Trump das zweite Ziel seiner Reise: Israel. Dort wolle er das unverbrüchliche Bündnis der USA mit dem jüdischen Staat bekräftigen, sagte Trump vor den Küstenwache-Absolventen in New London. Die Palästinenser erwähnte er nicht.

Der Nahost-Konflikt ist für jeden Staatsgast in Israel kompliziert, auch für Trump. Er hat sich den Aufenthalt allerdings zusätzlich schwer gemacht. Mehrfach brüstete er sich damit, dass er beziehungsweise sein Schwiegersohn Jared Kushner Frieden im Nahen Osten aushandeln werden. "Es gibt keinen Grund, warum es keinen Frieden zwischen Israel und den Palästinensern gibt – nicht den geringsten", sagte Trump Ende April. Wahrscheinlich hatte er für einen Moment den Anspruch beider Seiten auf Jerusalem vergessen. Die israelischen Siedlungen im Westjordanland. Die Bedrohung, die von radikalen Palästinensern für Israel ausgeht – um nur die offensichtlichsten Gründe zu nennen.

Dabei trifft Trump auch in Israel auf Freunde. Dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu war Obamas Kritik an den Siedlungen ebenso lästig wie den arabischen Staatschefs seine Reden über Demokratie und Freiheit. Im Wahlkampf hatte Trump außerdem versprochen, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem umziehen zu lassen - ein symbolischer Schritt, der die israelische Regierung sehr erfreuen und die Palästinenser massiv provozieren würde. Deshalb werde das auch nicht passieren, meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Mittwoch unter Berufung auf einen Vertreter des Weißen Hauses. In Israel war man darüber nicht amüsiert. Der "Jerusalem Post" sagten Vertreter der US-Regierung daher am Donnerstag, dass diese Entscheidung erst nach Trumps Reise fallen werde.

Ein weiterer Vorfall sorgte in Israel für Verstimmung: Sowohl McMaster als auch Trumps Sprecher Sean Spicer wollten vor kurzem auf Nachfrage nicht bestätigen, dass sich die Klagemauer in Israel befindet. Das sei ein Thema, über das man noch nachdenke, sagte Spicer. Um die Palästinenser nicht zu verärgern, wird Trump die Klagemauer allein besuchen - ohne israelische Begleitung. Nach einem Bericht des israelischen Fernsehens sagten US-Diplomaten ihren schockierten israelischen Kollegen, dass Israelis nicht dabei sein dürften, denn "dies ist nicht euer Territorium". Washington soll sich dafür mittlerweile entschuldigt haben. Aber einen solchen Affront hätte Israel von einer Trump-Regierung nicht erwartet.

Die Tatsache, dass Trump Informationen des israelischen Geheimdienstes dem russischen Außenminister Sergej Lawrow mitgeteilt hat, ist offiziell kein Problem zwischen den USA und Israel. Bei einem zwanzigminütigen Telefonat zwischen Trump und Netanjahu am Dienstag wurde darüber angeblich gar nicht gesprochen.

Am Dienstag trifft sich Trump dann in Bethlehem mit dem palästinensischen Präsidenten Mahmut Abbas. Die beiden haben sich bereits in Washington getroffen. Danach sagte Abbas, er sei bereit zu einem Treffen mit Netanjahu unter der Schirmherrschaft des US-Präsidenten, "um Frieden zu schaffen". Der israelischen Nachrichtenseite Ynet News zufolge will Trump den Palästinensern versichern, dass er ihr Ziel, einen eigenen Staat zu gründen, unterstütze.

Dritter Stopp: Vatikan, 24. Mai

Vor einer Woche tauchte dieses Wandbild in Rom auf. Ganz so harmonisch wird das Treffen vermutlich nicht ablaufen.
Vor einer Woche tauchte dieses Wandbild in Rom auf. Ganz so harmonisch wird das Treffen vermutlich nicht ablaufen.(Foto: REUTERS)

Ein Treffen mit dem Papst ist für US-Präsidenten normalerweise ein harmloser Protokolltermin. Nicht für Trump. Im Februar 2016 sagte der Papst bei einem Besuch in den USA: "Wer nur darüber nachdenkt, Mauern zu errichten - egal wo das sein mag - und nicht darüber, Brücken zu bauen, ist kein Christ." Offensichtlich spielte Franziskus auf Trumps Vorhaben an, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen. Möglicherweise meinte er auch ganz allgemein Trumps Rhetorik im Wahlkampf.

Trump reagierte ungehalten. "Es ist eine Schande, wenn das Oberhaupt einer Religion den Glauben eines Menschen in Zweifel zieht", sagte er damals. Bei einem Wahlkampfauftritt spekulierte er öffentlich darüber, dass Papst Franziskus wohl seine Meinung ändern würde, "falls und wenn" der Vatikan vom Terrornetzwerk IS angegriffen werde.

Auf dem Rückflug von Portugal sagte Franziskus vor wenigen Tagen, er werde nicht versuchen, Trump von seinen Ansichten zu überzeugen. Stattdessen werde er ehrlich und offen mit ihm sein und über "gemeinsame Dinge" sprechen. "Es gibt immer Türen, die nicht vollständig zu sind", so der Papst. "Wir müssen die Türen finden, die wenigstens ein bisschen offen sind."

Vierter Stopp: Brüssel, 25. Mai

Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg war bereits im Oval Office.
Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg war bereits im Oval Office.(Foto: Evan Vucci/AP/dpa)

Ursprünglich hatte Trump diese Reise als Besuch bei den drei großen Weltreligionen darstellen wollen, die seit Jahrzehnten im Unfrieden leben: Islam, Judentum und Christentum. Die Gipfel von Nato und G7 passen in dieses Muster eher schlecht als recht.

In Brüssel hat Trump mehrere Begegnungen, die man heikel nennen kann. Unter anderem schaut er bei EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker vorbei. Der dürfte sich noch gut daran erinnern, dass Trump den Ausgang des Brexit-Referendums mehrfach über alle Maßen gelobt und weitere Austritte aus der EU vorausgesagt hat.

Zur Mittagszeit trifft Trump sich mit dem neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Im Wahlkampf hatte er zumindest indirekt die Präsidentschaftskandidatur der Rechtsradikalen Marine Le Pen unterstützt. Man wird davon ausgehen können, dass Macron dies nicht vergessen hat. Auf der anderen Seite weiß Trump vermutlich, dass Macron sich über die Unterstützung von Obama gefreut hat.

Beim Nato-Gipfel wird er zweifellos erneut darauf hinweisen, dass die Alliierten ihre Verteidigungsausgaben erhöhen sollen. Interessant könnte sein, welche Formulierung er dabei wählt. Bislang sprach Trump meist so über das Thema, als zahlten die Nato-Mitglieder nicht genug Geld an das Bündnis oder an Washington. Tatsächlich erhebt die Nato natürlich keine Mitgliedsbeiträge.

Der grundlegende Konflikt mit der Nato dagegen ist bereits entschärft. Im Wahlkampf hatte Trump das Militärbündnis als "obsolet" bezeichnet. Dieses Urteil hat er mittlerweile revidiert. Allerdings steht neuer Streit an: Trump will die Nato im Kampf gegen den IS einsetzen, also in Syrien, wo ja auch Russland kämpft. Eine Einigung dazu dürfte es in Brüssel nicht geben. Die Harmonie wird das nicht stören, eine gemeinsame Abschlusserklärung ist ohnehin nicht geplant.

Fünfter Stopp: Sizilien, 26. bis 27. Mai

Letzter Halt ist der G7-Gipfel auf der italienischen Insel Sizilien. Abgesehen vom japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe hat Trump die meisten Teilnehmer gerade erst in Brüssel gesehen: Macron, Bundeskanzlerin Angela Merkel, die britische Premierministerin Theresa May, den kanadischen Ministerpräsidenten Justin Trudeau, den italienischen Regierungschef Paolo Gentiloni. Thematisch wird es um Handel, Terrorismus und die Flüchtlingskrise gehen. Anders als alle seine Vorgänger ist Trump kein Freund von Freihandelsverträgen. Aber auch hier wird man die Kontroversen unter den Tisch kehren.

Nach dem G7-Gipfel reist Trump zurück nach Washington. Doch schon im Juli muss er wieder über den Atlantik fliegen. Dann findet der G20-Gipfel in Hamburg statt. Es ist wirklich nicht leicht, US-Präsident zu sein.

Quelle: n-tv.de

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