Ratgeber

Einfach doppelt nutzen: 40 Prozent Wasserkosten sparen

von Alexander Klement

Nicht überall ist Grauwasser-Recycling erlaubt.
Nicht überall ist Grauwasser-Recycling erlaubt.(Foto: Uta Herbert, pixelio.de)

Sechs Uhr morgens in Deutschland. Der Wecker klingelt. Der erste, noch müde Gang vieler Deutscher führt auf die Toilette. Die ersten Liter Trinkwasser rauschen hierbei durch die Leitung. Um die Müdigkeit zu vertreiben und sich frisch zu fühlen, wird anschließend geduscht. Allein mit diesen beiden Tätigkeiten verbrauchen die Deutschen den größten Teil des Wassers.

Über 30 Liter Trinkwasser gehen täglich jeweils fürs Duschen und Baden sowie für die Toilettenspülung drauf. Dahinter folgt mit 15 Litern pro Tag das Wäschewaschen. Für die Körperpflege, das Säubern von Wohnung und Auto, die Spülmaschine, die Gartenbewässerung sowie Essen und Trinken sind es jeweils unter zehn Liter täglich. Nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat jeder Deutsche 2009 im Schnitt täglich 122 Liter Trinkwasser verbraucht.

Trinkwasser im Überfluss

Anfang der 1990er Jahre lag der Trinkwasserverbrauch noch durchschnittlich bei 147 Litern pro Tag. Es ist also eine positive Entwicklung zu erkennen. Zwar ist Trinkwasser weltweit ein kostbarer Rohstoff, doch die rechte Wertschätzung ist nur schwer zu erlangen, denn Deutschland ist ein wasserreiches Land. Laut BDEW stehen jährlich durchschnittlich 188 Milliarden Kubikmeter Wasser zur Verfügung. Gewerbliche und private Nutzer verbrauchen nur einen Bruchteil davon, nämlich 32,3 Milliarden Kubikmeter. Insgesamt werden also nur gut 17 Prozent des Wasserangebots dem Wasserkreislauf entnommen und nach Gebrauch wieder zugeführt.

Der Trinkwasserverbrauch ließe sich noch erheblich reduzieren, wenn wir es nur da einsetzen würden, wo es aus hygienischen und gesundheitlichen Gründen erforderlich ist. Für das Rasensprengen oder die Toilettenspülung dürfte es beispielsweise ziemlich unerheblich sein, ob das Wasser Trinkwasserqualität hat.

Grauwasser nur leicht verschmutzt

Für die Klospülung braucht man nicht unbedingt Trinkwasserqualität.
Für die Klospülung braucht man nicht unbedingt Trinkwasserqualität.(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Stattdessen können Hausbesitzer Regen- oder Grauwasser nutzen. Beim Abwasser im Haus unterscheidet man zwischen Schwarz- und Grauwasser. Schwarzwasser ist der Teil des verbrauchten Trinkwassers, der zum Beispiel mit Urin und Fäkalien aus der Toilette belastet ist. Dieses Abwasser kann nicht nochmals verwendet werden. Grauwasser entsteht hingegen beim Duschen und Baden, Händewaschen und auch beim Einsatz der Spülmaschine und Waschmaschine. Für das Grauwasserrecycling sind besonders die Abwässer von Dusche, Badewanne und Handwaschbecken geeignet, da diese nur gering belastet sind. In einer Grauwasser-Recycling-Anlage werden diese Abwässer gesammelt und zu Betriebswasser aufbereitet. Dieses Betriebswasser kann wiederum für die Toilettenspülung, zur Bewässerung, für Reinigungszwecke oder auch zum Wäschewaschen verwendet werden.

Grauwasseranlagen sind Mini-Klärwerke, die auch im Ein- und Mehrfamilienhaus eingebaut werden. Unangenehme Gerüche sollen durch das in sich geschlossene System nicht entstehen. In einem dreistufigen System wird das Wasser wieder so aufbereitet, dass man es als Betriebswasser einsetzen kann. Der nicht verwertbare Teil wird als Abwasser abgeführt. Entsprechende Aufbereitungs- und Betriebswasserbehälter stehen in Größen von 500 bis 15.000 Litern zur Verfügung.

Getrennte Wasserkreisläufe

Für genügend Druck in der Leitung sorgt eine Pumpe. Steht nicht genügend Betriebswasser zur Verfügung, wird automatisch Trinkwasser nachgespeist. Da für den Betrieb der Anlage auch zwei getrennte Wasserkreisläufe existieren müssen, lässt sich eine Grauwasseranlage am einfachsten bei einem Neubau verwirklichen. Aber auch die Nachrüstung bei Renovierungs- und Sanierungsmaßnahmen ist möglich. Kompakte Anlagen mit einer Aufbereitungskapazität von etwa 600 Litern kosten rund 5000 bis 6000 Euro.

Ob sich der Aufwand nicht nur ideell sondern auch finanziell lohnt, muss mit spitzer Feder kalkuliert werden. Ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht rund 180.000 Liter Wasser pro Jahr, wie viel davon durch Grauwasser ersetzt werden können, hängt auch von persönlichen Empfindlichkeiten ab. Die Nutzung in der Toilettenspülung ist unkritisch. Ob man das aufbereitete Betriebswasser aber auch für die Waschmaschine verwenden sollte, ist umstritten. Je nach Einsatzgebieten können Hausbesitzer etwa 30 bis 40 Prozent der Wasser- und Abwasserkosten einsparen. Da durch den Betrieb der Grauwasseranlage auch Kosten entstehen, ist mit einer Gesamtkostenersparnis von rund 25 bis 35 Prozent zu rechnen. In dem Vier-Personen-Haushalt müsste die Anlage also deutlich über zehn Jahre in Betrieb sein, bevor sie sich rechnet – oder die Wasserpreise müssten drastisch steigen.

Regenwasserzufluss nicht kontinuierlich

Regenwasser hat im Vergleich zu Grauwasser einen entscheidenden Nachteil: Es steht nicht immer dann zur Verfügung, wenn man es braucht. Will man es im Haus nutzen, muss ein zweiter Wasserkreislauf installiert werden. Bevor das Regenwasser in die Zisterne geleitet wird, wird es gefiltert. Je nach Platzangebot kann die Zisterne im Haus oder außerhalb des Hauses unter der Erde eingerichtet werden. Hier muss außerdem ein Überlauf zur Abwasserleitung oder zu einer Versickerungsmulde vorhanden sein. Steht nicht genügend Regenwasser zur Verfügung, wird zusätzlich Trinkwasser eingespeist.

Fasst die Zisterne 3000 Liter Regenwasser, reicht das bei einem Vier-Personen-Haushalt rund 18 Tage, wenn man einen Regenwasserverbrauch von 40 Litern pro Person und Tag annimmt. Die Kosten für eine Anlage in dieser Größe liegen bei rund 4000 Euro. Ob sich die Installation rechnet, hängt nicht zuletzt davon ab, ob die Kommune für das genutzte Regenwasser Abwassergebühren erhebt.

Wesentlich unproblematischer lässt sich Regenwasser zur Bewässerung des Gartens einsetzen. In der einfachsten Variante wird der Auffangbehälter an einer geeigneten Stelle im Garten vergraben und das Regenwasser direkt dort eingeleitet. Mit einem Ansaugschlauch und einer Gartenpumpe kann man den Garten dann günstig bewässern.



 

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Quelle: n-tv.de

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