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Mehr Schaden als Nutzen: Beratungsprotokolle für die Katz

Es soll Bankkunden vor Falschberatung schützen, doch in der Praxis erweist sich das Beratungsprotokoll eher als Persilschein für die Bank. Das legt jedenfalls eine Untersuchung der Verbraucherzentralen nahe.

Was im Gespräch plausibel klingt, sollen die Kunden schwarz auf weiß nachlesen können.
Was im Gespräch plausibel klingt, sollen die Kunden schwarz auf weiß nachlesen können.(Foto: dpa)

Seit fast zwei Jahren müssen Banken Beratungsprotokolle ausstellen. Die Kunden sollen den Inhalt des Beratungsgesprächs schwarz auf weiß bekommen und haben damit bei Falschberatung ein Beweismittel in der Hand – so war die Sache zumindest gedacht. In Wirklichkeit scheinen die Protokolle ihren Zweck allerdings zu verfehlen: Sie schützen eher die Geldinstitute vor Haftungsrisiken als die Kunden vor einer Falschberatung, so das Ergebnis einer Studie des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv).

In den meisten Protokollen werden zwar wichtige Angaben zu den finanziellen Verhältnissen, zur Risikobereitschaft oder zu Kenntnissen und Erfahrungen mit Finanzgeschäften erfasst. Dies geschehe aber überwiegend nur in schematisierter Form und damit meist nicht vollständig und nicht aussagekräftig, so der vzbv. Die Verbraucherschützer fordern das Bundesfinanzministerium deshalb auf, den Banken konkretere Vorschriften zu machen. Die Protokolle müssten Verbraucher "effektiv schützen".

Kein Nutzen für die Kunden

Finanzexperten der Verbraucherzentralen haben für die Untersuchung 61 Beratungsprotokolle unter die Lupe genommen und geprüft, ob Bankkunden damit im Bedarfsfall ein Beweismittel haben, um Schadenersatzansprüche durchzusetzen. Dieses Ziel erfüllen die Protokolle durchweg nicht, so das Fazit. In 49 Fällen hingegen enthielten die Papiere Klauseln zur pauschalen Haftungsfreizeichnung für die Banken.

Die Protokolle werden üblicherweise nicht frei formuliert, sondern über standardisierte Formulare abgearbeitet. Dabei können die Wünsche der nicht immer vollständig berücksichtigt werden. Im Test konnte beispielsweise die Bedingung, dass das angelegte Geld nach zehn Jahren auf jeden Fall wieder zur Verfügung stehen muss, in vielen Protokollen nur unvollständig oder sogar falsch notiert werden, weil es dafür keine passenden Ankreuzkästchen gab. Bei der Abfrage der finanziellen Verhältnisse fehlten laut Untersuchung in allen Protokollen Angaben zu Krediten, die das frei verfügbare Einkommen immerhin stark schmälern können. Viele Protokolle fragen demnach zwar nach den Einnahmen, nicht aber nach den Ausgaben eines Anlegers.

Nicht unterschreiben

Auch die Kenntnisse von Finanzprodukten wurden in der Untersuchung nur sehr oberflächlich abgefragt und notiert - unklar bleibe, ob ein Anleger etwa den Begriff Zertifikat nur kennt oder auch weiß, wie dieses Finanzprodukt funktioniert, bemängeln die Verbraucherschützer. Detaillierte und nachvollziehbare Angaben fehlten demnach auch meist zur Risikobereitschaft der Anleger, da die meisten Protokolle hier nur eine Einstufung nach einigen wenigen Klassen anbieten.

Bilderserie

Kunden sollten die Beratungsprotokolle nicht unterschreiben, warnen die Verbraucherschützer. Denn damit werde ihnen die Verantwortung für die Inhalte zugeschrieben, die oftmals noch nicht einmal den gesetzlichen Anforderungen entsprächen. Und wer das Protokoll per Unterschrift absegnet, hat im Ernstfall möglicherweise nicht gegen die Bank in der Hand.

 

Quelle: n-tv.de

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