Ratgeber

Unterhaltsrecht: MütterproblemeEhevertrag kann helfen

25.04.2008, 07:51 Uhr

Möglicherweise brauchen die Klagen Zeit. Oder die Ex-Partner verhandeln noch außergerichtlich. Experten halten die aktuelle Lage nach der Reform des Unterhaltsrechts aber für die Ruhe vor dem Sturm.

Möglicherweise brauchen die Klagen Zeit. Oder die Ex-Partner verhandeln noch außergerichtlich. Experten halten die aktuelle Lage nach der Reform des Unterhaltsrechts aber für die Ruhe vor dem Sturm. Denn für viele Frauen kann die Neuregelung bedeuten, dass sie früher kein Geld mehr bekommen. Für sie ist ein Ehevertrag daher heute wichtiger denn je.

Denn ob ein Kind aus langjähriger Ehe stammt oder beim Techtelmechtel auf der Couch gezeugt wurde - Kinder haben gegenüber Müttern nun grundsätzlich den Vorrang beim Unterhaltsanspruch. Wenn nach Erfüllung ihrer Ansprüche kein Geld mehr über ist, gehen die Mütter leer aus.

"Das Informationsbedürfnis ist heftig", sagt Karin Meyer-Götz, Fachanwältin für Familienrecht in Dresden. Vor allem kommen unter altem Recht zur Zahlung verpflichtete Ex-Männer in die Kanzleien. Sie hoffen jetzt auf Entlastung. Viele Frauen bangen nach Beobachtung der Expertin in Abwartehaltung und hoffen, dass der Ex nichts ändert.

Mehr Vertragsabschlüsse

Schon jetzt gewinnt in der neuen Rechtslage der Ehevertrag an Bedeutung - das Interesse an klaren Regelungen zu Vermögens- und Unterhaltsfragen steigt, sagt Michael Uerlings, Sprecher der Rheinischen Notarkammer in Bonn. Der Vertrag könne Frauen, die sich um die Kindererziehung kümmern und dafür berufliche Ziele zurückstellen, für den Scheidungsfall auch künftig absichern. Vor der Reform hätten sich 60 Prozent der Paare für den Vertrag entschieden, schon jetzt sind es 70 Prozent - Tendenz steigend.

Klagen und Reaktionen der Gerichte dauern, sagt Heinrich Schürmann, Sprecher des Deutschen Familiengerichtstags in Brühl. Der Richter am Oberlandesgericht Oldenburg begrüßt die Reform, aber Männer können ihm zufolge jetzt schneller das Ende der Zahlungen erstreiten. Für viele Frauen kann das dramatische Folgen haben. Millionen Mütter müssten sich auf drastische Änderungen ihrer Lebensverhältnisse einstellen, so schätzt es Uerlings ein. Paaren, die sich für die traditionelle Rollenaufteilung auf Zeit entschließen, rät er deshalb zum Ehevertrag.

Das Papier muss nicht nur aufgesetzt, sondern auch beim Notar beurkundet werden. Auch am alten Recht könne sich der Vertrag orientieren - Paare können die Regelungen gemeinsam treffen. Dafür sollten sie sich Gedanken machen, bis zu welchem fair gewählten Alter gemeinsamer Kinder die Frau keine Erwerbsobliegenheit trifft - wie lange also Unterhalt gezahlt wird, rät Uerlings. Auch in bestehenden Ehen können Paare jederzeit nachträglich einen Vertrag schließen.

Rückkehrfristen für das Berufsleben

Die darin festgehaltenen Regelungen sollten die Erziehungsjahre kompensieren und Fristen enthalten, die Frauen die Rückkehr in den Beruf ermöglicht. Denn ohne Ehevertrag würden sich viele gut ausgebildete Frauen das Kinderkriegen noch einmal überlegen. Ein Allheilmittel, das glücklichere Beziehungen garantiert, ist der Ehevertrag aber laut Karin Meyer-Götz nicht. Studien hätten gezeigt, dass mehr Ehen geschieden werden, die mit einem solchen Vertrag abgeschlossen wurden.

Ein zweiter Faktor muss bei Abschluss eines Ehevertrages ebenfalls berücksichtigt werden: Wenn kein Geld da ist, kann auch keines verteilt werden. Dass die Kinder Vorrang vor der Eherfrau haben, lässt sich auch durch einen Ehevertrag nicht aushebeln. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes leben rund 3,6 Millionen Kinder bei einem allein erziehenden Elternteil. Eine Sprecherin des Justizministeriums bestätigte gegenüber n-tv.de, dass deutlich mehr als die Hälfte dieser Kinder nicht den vollen Unterhalt erhalten. In solchen Mängelfällen geht die Ehefrau auch mit Ehevertrag leer aus.