Mit guter Planung ins AuslandEliteuni statt Strand
Ein Aufenthalt im Ausland eröffnet vielerlei Chancen für die Zukunft. Immer mehr Studenten zieht es in die Ferne, sei es um zu studieren oder um Praktika zu absolvieren. Die Zeit im Ausland sollte sorgfältig geplant sein, damit sie so gut wie möglich genutzt wird.
Ein Aufenthalt im Ausland eröffnet vielerlei Chancen für die Zukunft. Immer mehr Studenten zieht es in die Ferne, sei es um zu studieren oder um Praktika zu absolvieren. Die Erfahrungen, die sie dort machen, sind nicht nur hinsichtlich ihres Lebenslaufs wichtig. Für viele ist es eine persönliche Bereicherung, die große weite Welt zu entdecken und neue Kulturen und Lebensmodelle kennenzulernen.
Interessen differenzieren
Den Traum von einem Aufenthalt im Ausland hegen viele Studenten, jedoch sind die organisatorischen Schwierigkeiten für viele eine große Abschreckung. Die Zeit im Ausland sollte sorgfältig geplant sein, damit sie so gut wie möglich genutzt wird.
Zuerst sollte jeder Student sich über seine Ziele und Erwartungen klar werden. Ist ein Studium im Ausland, bei dem man ein anderes Lehrsystem, andere Inhalte und andere Lehrmethoden kennenlernt, das Richtige für ihn? Oder möchte er doch lieber erste praktische Erfahrung sammeln, weil er schon weiß, dass er später im Ausland arbeiten möchte?
Hochschulen bieten Unterstützung
Gerade deshalb ist es ist nie zu früh, einen solchen Auslandsaufenthalt zu planen, damit genug Zeit für die Organisation bleibt und man den richtigen Zeitpunkt für die Reise auswählen kann. Dr. Siegbert Wuttig, Leiter der Nationalen Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD), empfiehlt im Gespräch mit n-tv.de mindestens ein Jahr Vorlauf bei der Planung: "Es ist wichtig sich mit den Gegebenheiten im Ausland auseinanderzusetzen. Welche Kooperationen hat meine Heimathochschule, welche Sprache wird an der Gasthochschule überhaupt gesprochen?".
Unterstützung bei der Planung biete jede Hochschule. Die erste Anlaufstelle sollte dort das Akademische Auslandsamt sein, das nützliche Tipps und Ratschläge über die Studienortwahl und die Organisation geben kann, so Wuttig. Auch Erfahrungsberichte über Praktika und Studienaufenthalte sind sehr hilfreich, sodass man eine Einschätzung von anderen Studenten, die bereits im Ausland waren, über die dortige Situation bekommt.
Ein Zulassungskriterium zum Studium im Ausland ist oft die entsprechende Sprachkenntnis. In englischsprachigen Ländern wird zumeist der TOEFL-Test verlangt, in französischsprachigen das DELF-Diplome. Jede Hochschule hat eigene Bestimmungen, es kann auch vorkommen, dass Englischkenntnisse völlig ausreichen. Unterkunftsmöglichkeiten werden in manchen Fällen von der Uni vermittelt, ansonsten gilt Eigeninitiative.
"Auch Skandinavien und Osteuropa haben tolle Universitäten"
Die Wahl des Landes will gut überlegt sein. Wuttig hält nicht viel von Hochschulrankings als einzigem Indikator für die Wahl des Studienortes: "Jeder legt auf etwas anderes Wert. Oft sagen diese Rankings nur einseitig etwas über Forschung oder Lehre aus".
Sein Tipp ist es, sich auf die Hochschulen zu verlassen, welche die eigene Hochschule als Partneruniversität gewählt hat. "Man wäre keine Kooperation mit einer ausländischen Uni eingegangen, wenn sie nicht den eigenen Standards entsprechen würde".
Das Klima in einem Land sollte nicht entscheidend für die Wahl der Gasthochschule sein, sondern vielmehr die Qualität der Universität, das Lehrangebot und die eigenen Sprachkenntnisse. Wuttig rät, sich gut mit der Vielfalt der Möglichkeiten auseinanderzusetzen. "Traditionell richtet sich der Blick nach Großbritannien, aber auch Skandinavien und viele osteuropäische Länder haben tolle Hochschulen, die zunehmend mehr englischsprachige Angebote haben". Die Chancen seien dort höher einen Platz zu erhalten.
Zu erwartende Kosten
Der finanzielle Aspekt eines Auslandsstudiums muss gut durchdacht sein. Oft erheben die Hochschulen im Ausland Studiengebühren, welche pro Jahr bis zu 23.000 Euro betragen können. Des Weiteren müssen die Reisekosten sowie die Kosten für Versicherungen einkalkuliert werden.
Wer BAföG erhält, bekommt außerhalb der EU zusätzlich einen Auslandszuschlag. Außerdem werden die Reise- und Krankenversicherungskosten erstattet. Studiengebühren bis zu 4600 Euro pro Jahr werden übernommen. Aufgrund der hohen Kosten sollten Studenten sich generell um Stipendien bemühen.
Das Erasmus-Programm
Je nachdem für welches Land man sich entscheidet, gibt es verschiedene Programme, die Studenten bei Auslandsaufenthalten unterstützen.
Innerhalb Europas ist Erasmus das gängigste Austauschprogramm. Die Heimuniversität und die Partneruniversität haben einen Vertrag über die Austauschbedingungen geschlossen, sodass die Studenten lediglich von ihrer Universität ausgewählt werden müssen und sich danach oft nicht mehr um administrative Dinge wie Zulassung und Anerkennung zu kümmern brauchen. Wuttig lobt besonders diesen Vorteil: "In der Regel wird im Vorhinein ein Learning Agreement zwischen dem Studenten, seiner Heimathochschule und der Austauschuniversität geschlossen, sodass es keinerlei Schwierigkeiten bei der Anerkennung der Studienleistung geben sollte".
Studiengebühren werden bei dem Erasmus-Programm nicht erhoben. Jeder Student bekommt sogar einen monatlichen Zuschuss zur Finanzierung seines Aufenthaltes. Beim Auslandsstudium maximal 300 Euro pro Monat, beim Auslandspraktikum maximal 400 Euro. Die Förderzeit ist jedoch auf zwölf Monate begrenzt und beträgt mindestens drei Monate.
Keine Gedanken müssen sich BAföG-Empfänger machen. BAföG-Leistungen werden zusätzlich zu dem Erasmus-Stipendium gezahlt.
Außerhalb Europas
Sollte "Good Old Europe" nicht das erwünschte Ziel sein und es einen weiter in die Ferne ziehen, so gibt es auch in diesem Falle Fördermöglichkeiten. Der DAAD ist eine gemeinsame Einrichtung der deutschen Hochschulen, der die internationalen Beziehungen der deutschen Hochschulen mit dem Ausland durch den Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern fördert.
Vergeben werden Stipendien für Jahres- und Semesteraufenthalte, Studienreisen und Studienpraktika. Auch Auslandsaufenthalte für Abschlussarbeiten und Sprachkurse können finanziert werden. Je nach Programm werden ein Monatszuschuss sowie die Studiengebühren gezahlt. Es ist ratsam sich mindestens ein Jahr vor dem geplanten Auslandsaufenthalt bei dem DAAD zu bewerben, da es eigene Auswahlverfahren gibt, die ihre Zeit benötigen. Generell ist der DAAD eine gute Anlaufstelle um Informationen rund um Planung und Fördermöglichkeiten eines Auslandsaufenthaltes zu bekommen.
Wer in die USA gehen möchte, sollte sich auch das Fulbright-Programm ansehen. Das deutsch-amerikanische Programm fördert den akademischen sowie den kulturellen Austausch zwischen den Ländern. Verschiedene Stipendienarten werden für Studierende und Graduierte der Universitäten und Fachhochschulen bereitgestellt. Allerdings bietet das Programm keine Möglichkeit zur Vermittlung und zur Förderung von Praktika.
Stipendien für Praktika
Das ERASMUS-Programm der Europäischen Union fördert seit 2007 auch Auslandspraktika. Gefördert werden Pflichtpraktika, freiwillige Praktika sowie Praktika im Rahmen einer Abschlussarbeit, die jeweils zwischen drei und zwölf Monate dauern.
Interessant ist auch das ASA-Programm, ein entwicklungspolitisches Praktikumsprogramm, welches Stipendien für dreimonatige Arbeits- und Studienaufenthalte in Afrika, Asien, Lateinamerika und Südosteuropa bietet. Das Programm fordert jeweils eine dreimonatige Vor- und Nachbereitungsphase.
Ist alles organisiert, so sollte man die Zeit im Ausland so effektiv nutzen wie möglich. Fachlich, kulturell und sprachlich sollte so viel mitgenommen werden, wie es nur geht. Ganz wichtig: Neben dem Studieren das Leben nicht vergessen.