950.000 wollen nicht mehrEnttäuschte Riester-Sparer
950.000 Rietser-Sparer haben inzwischen den Anbieter gewechselt, die Zahlungen in den Vertrag eingestellt oder gekündigt. Auch die Beschwerden häufen sich.
Fast eine Million Riester-Sparer haben ihrem Anbieter bereits wieder den Rücken gekehrt. 950.000 der privaten Vorsorge-Sparer hätten inzwischen den Anbieter gewechselt, die Zahlungen in den Vertrag eingestellt oder gekündigt, sagte ein Sprecher des Bundesarbeitsministeriums am Montag und bestätigte damit einen Bericht der "Bild"-Zeitung.
Die Zahl der enttäuschten Riester-Sparer könnte demnach auch höher liegen. Denn in den Zahlen des Arbeitsministeriums sind nur Rentenversicherungen enthalten. Bankspar- und Fondssparpläne - die beiden anderen wichtigen Riester-Angebote - sind nicht berücksichtigt.
Laut Ministerium machen die Rentenversicherungen allerdings nach wie vor den Löwenanteil aus: Von ihnen gebe es 9,3 Millionen Verträge. Daneben existierten derzeit 2,2 Millionen Riester-Fondssparpläne und rund 520.000 Banksparpläne, die nur von wenigen Instituten angeboten werden.
Mehr Beschwerden
Laut Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) häufen sich derzeit die Beschwerden von Riester-Sparern über ihre Verträge. Ein Bafin-Sprecher bestätigte, dass es im ersten Halbjahr dieses Jahres 240 Beschwerden bei der Behörde gegeben habe. Im gesamten Jahr 2007 habe es nur 290 Beschwerden gegeben, 2006 seien es 299 Beschwerden gewesen. Die Riester-Sparer hätten sich dabei unter anderem über die Höhe der Abschluss- und Verwaltungskosten der Verträge geärgert. Außerdem seien Probleme beim Anbieterwechsel ein häufigeres Thema gewesen.
Rendite ist Privatsache
Wie hoch die Rendite eines Riester-Vertrags ausfällt, wird staatlich nicht kontrolliert. Die Bafin prüft lediglich vor dem Start eines Angebots bestimmte Kriterien: So müssen die Abschlusskosten eines Vertrags auf mindestens fünf Jahre verteilt werden. Zudem müssen das eingezahlte Kapital und die Zulagen garantiert werden. Wie hoch die Kosten sind, wird aber nicht kontrolliert.
Der Sprecher des Bundesarbeitsministeriums sagte, die Riester-Rente sei "zu großen Teilen ein privates Geschäft". Deshalb würden Rendite-Erwartungen nicht geprüft. "Man muss die Rendite trennen von den Mindestanforderungen, die kontrolliert werden." Die Bürger müssten sich durch die Informationsangebote im Internet oder bei den Volkshochschulen über das für sie optimale Produkt informieren.