Eingefrorene Offene ImmobilienfondsHoffnung für Privatanleger
Rund 25 Milliarden Euro hängen in Offenen Immobilienfonds fest, die das Fondsvermögen eingefroren haben und die Rücknahme von Anteilsscheinen verweigern. Ein neuer Gesetzentwurf könnte für Privatanleger der Ausweg sein.
Bei den Offenen Immobilienfonds in Deutschland ist keine Entspannung in Sicht. Die SEB Asset Management kündigte an, die Anteilsrücknahme für das Branchenschwergewicht SEB ImmoInvest um weitere bis zu neun Monate auszusetzen. Die Voraussetzungen für eine Öffnung seien aktuell nicht gegeben, teilte die SEB mit. Insgesamt kommen Anleger an rund 25 Milliarden Euro Fondsvermögen nicht mehr ran. Welche Fonds betroffen sind, zeigt die unten stehende Tabelle.
Offene Immobilienfonds waren in Deutschland sehr beliebt. Das Geld wird in Wohn- oder Bürohäuser investiert und bietet so relativ guten Schutz vor Inflation. Besonders während der Finanzkrise gab es noch mal einen zusätzlichen Schub für dieses Anlagesegment. Doch dann wollten viele Investoren ihre Anteile wieder loswerden und Bargeld von den Fondsgesellschaften sehen. Dadurch sind einige Fonds in die Klemme geraten, denn in dieser Geschwindigkeit konnten sie ihre Immobilien nicht zu attraktiven Preisen verkaufen. Insbesondere der Abzug von Kapital von Großinvestoren bringt die Fonds in Schieflage. Deshalb haben die Fonds das Vermögen eingefroren und den Anlegern die Rücknahme ihrer Anteile verweigert. Betroffen sind Immobilienfonds der Gesellschaften Aberdeen, Axa, Credit Suisse, KanAm, Morgan Stanley, Pramerica und SEB.
Schäuble verunsichert Anleger
Die Bundesregierung versuchte Anfang Mai dieses Jahres eine neue Regelung für Offene Immobilienfonds zu finden. Doch der Gesetzentwurf von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble verunsicherte Anleger, die daraufhin Milliarden aus Offenen Immobilienfonds abgezogen. Etliche Fonds setzten daher aus Angst vor Liquiditätsengpässen den Rückkauf aus.
Der Gesetzentwurf sah vor, vor allem Großinvestoren einen raschen Ausstieg aus einem Fonds zu erschweren. Die Pläne hätten auch Privatanleger getroffen. Zwei Jahre und länger sollten Anleger nach dem Entwurf von Schäuble nicht an ihr Geld kommen und danach nur ein- bis zweimal im Jahr Anteile verkaufen dürfen.
Der überarbeitete Gesetzentwurf sieht nun vor, dass Großinvestoren bei Rückgabe ihrer Anteile innerhalb der ersten zwei Jahre Abschläge in Kauf nehmen müssen. Für Privatanleger soll hingegen ein Schlupfloch geschaffen werden. Diese können voraussichtlich 5000 Euro pro Monat aus einem Fonds abziehen. Dies ist nach Einschätzungen des Bundesverbands der Investmentfonds ausreichend, da so der größte Teil der Privatanleger innerhalb weniger Monate aus einem Fonds aussteigen kann. Der Gesetzentwurf soll im September ins Kabinett kommen.
Fonds, die derzeit keine Anteile zurücknehmen
| Anbieter | Fonds | Fondsvermögen |
| Aberdeen | Degi Europa | 1,63 Mrd. Euro |
| Aberdeen | Degi Global Business | 278 Mio. Euro |
| Aberdeen | Degi International | 1,88 Mrd. Euro |
| AXA | Axa Immoselect | 2,78 Mrd. Euro |
| AXA | Axa Immosolutions | 399 Mio. Euro |
| Credit Suisse | CS Euroreal | 5,99 Mrd. Euro |
| KanAm | KanAm Grundinvest | 3,98 Mrd. Euro |
| Morgan Stanley | P2 Value | 1,45 Mrd. Euro |
| Pramerica | TMW Immobilien Weltfonds | 784 Mio. Euro |
| SEB | SEB ImmoInvest | 6,32 Mrd. Euro |
Quelle: BVI