Dienstag, 24. Juni 2008
Schnäppchen auf Schnäppchen: Kleidung zu Kampfpreisen
Ein T-Shirt für 1,99 Euro, das Kleid für 7,99 Euro und die passenden Ballerinas samt Tasche gibt es gleich noch dazu. Für weniger als 20 oder 30 Euro ist das Outfit komplett. Textildiscounter machen das möglich, und sie haben großen Erfolg damit. Aber zu welchem Preis ist Kleidung für so kleines Geld zu haben? Unlängst geriet Textildiscounter KiK wegen Dumpinglöhnen in die Kritik und wurde von einem Gericht zu mitarbeiterfreundlicheren Arbeitsverträgen angehalten. Und grundsätzlich fragen sich Verbraucher, wie günstig ein Kleidungsstück sein kann - ohne dass es Kinderhände in Asien gefertigt haben oder die Stoffe mit giftigen Substanzen behandelt werden.
Das ist Experten zufolge aber weit gefehlt. Denn billig muss nicht schlecht sein. "Es sind nicht automatisch die Billiganbieter, die unter schlechten Arbeitsbedingungen produzieren und dabei keinerlei Umweltstandards einhalten", sagt Jana Kern vom Branchenblatt "Textilwirtschaft". Selbst "High-Class-Labels" gerieten immer mal wieder in die Schlagzeilen, weil bekannt werde, dass Arbeiter ausgenutzt werden und die Bedingungen katastrophal sind. "Für die Kunden gibt es kaum Möglichkeiten zu unterscheiden, unter welchen Umständen die Ware produziert wurde", sagt Kern.
Verhaltenskodex
Dabei sind sich viele Discounter ihrer Verantwortung bewusst. Sie haben eigene Standards aufgestellt oder schließen sich entsprechenden Initiativen an. Discounter Takko aus Telgte (Nordrhein-Westfalen) zum Beispiel ist Mitglied von "sozial-fair" des Verbandes der Fertigwarenimporteure und hat einen Verhaltenskodex aufgestellt - ein Regelwerk zur Einhaltung und Verbesserung sozialer Standards.
Kinder- und Zwangsarbeit werden darin geächtet. Woran das Unternehmen spart, um die Mode so preiswert anbieten zu können, dazu will es sich allerdings "aufgrund der aktuellen Mediendiskussion nicht weiter äußern". "Viele gehen aber auch sehr offensiv mit der Problematik um", sagt Kern und verweist auf die Organisation "Business Social Compliance Initiative" (BSCI) für soziale Standards, der sich mehr als 100 deutsche Firmen angeschlossen haben - neben Markenhändlern und -herstellern auch Lebensmittel- und Drogieriediscounter.
Die Stückzahl macht's
"Der Preis kommt vor allem über die riesige Stückzahl zustande", sagt Heijo Gassenmeier, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) in Köln. Zudem seien die Modelle extrem standardisiert. Sie sind weniger aufwendig gearbeitet, haben weniger Nähte und seien und mitunter mit etwas "heißer Nadel" gestrickt. Dazu kommt die Qualität der Materialien.
"Oft sind es preiswerte Mischungen, aus denen die Kleidung hergestellt wird", sagt Gassenmeier. Da werden nicht die feinsten Garne und auch nicht die beste Baumwolle verarbeitet. Und die Discounter geben sich mit einem gewissen "Modegrad" zufrieden - monatelange Kollektionsarbeit ist in Discounterpreisen nicht inbegriffen.
Die Discounter hören das nicht gerne. Die Kette Takko etwa wirbt mit dem Slogan "Modisch, trendy, chic - das ist Takko Fashion". Auch andere - wie Ernsting's family - verstehen sich sehr wohl als Modeanbieter. KiK hingegen setzt vor allem auf den Preis, nimmt man den Werbespruch der Handelskette zum Maß: "Kleidung clever kaufen bei KiK." Jeder Kunde soll sich "von der Socke bis zur Mütze für unter 30 Euro komplett einkleiden" können, so steht es im vom Unternehmen formulierten "KiK-Prinzip".
Etikettierung im Produktionsland
Sparen lässt sich aber nicht nur beim Design: "Die gesamte textile Pipeline ist sehr straff organisiert, die Unternehmen sind logistisch perfekt vorbereitet und die Filialen zentral geführt", sagt Gassenmeier. Oft würden die Stücke schon im Produktionsland etikettiert - das spart in Deutschland Personal.
Und die Angestellten, die die Waren auspacken und kassieren, seien in der Regel keine Textilfachkräfte, sondern Verkaufspersonal. "Das ist ja kein Geheimnis", sagt Gassenheimer mit Blick auf die zum Teil umstrittenen Arbeitsbedingungen. Dazu kommt ein einheitlicher Ladenbau. Er macht es dem Personal leichter, die Ware schnellstmöglich auszupacken und einzusortieren. Und das spart dem Unternehmen Geld. Grundsätzlich schlechter sind die Sachen den Experten zufolge nicht. Und statt eines Lebensgefühls gibt es etwas zum Anziehen - nicht mehr und nicht weniger.
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