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Abwehrreflex gegen Schülerin: Lehrer schlägt - keine Kündigung

Nicht in jedem Fall ist die Kündigung eines Lehrers gerechtfertigt, der einen Schüler geschlagen hat. In besonderen Einzelfällen sei eine solche Kündigung unwirksam, heißt es beim Landesarbeitsgericht Halle.

Der Lehrer ist nicht immer der Buhmann.
Der Lehrer ist nicht immer der Buhmann.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Einzelfallabwägung in einem konkreten Fall kann ergeben, dass ein Lehrer, der eine Schülerin geschlagen hat, nicht gekündigt wird. Ein Sonderfall liege zum Beispiel vor, wenn der Schlag ein Abwehrreflex gegen einen eskalierenden Schüler sei. So hat es das Landgericht Halle entschieden, wie die Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV) mitteilt.

In dem Fall hatte ein Lehrer seine Schülerin geschlagen, woraufhin ihm sein Arbeitgeber, das zuständige Bundesland, mit dem Hinweis fristlos kündigte, dass sein Beruf als Pädagoge eine Lösung von Disziplinproblemen durch Handgreiflichkeiten ausschließe. Der Lehrer klagte, weil ihn die Schülerin angeblich vorher beschimpft und auf seine erkrankte Schulter eingeschlagen habe. Seine Reaktion sei ein Abwehrreflex gewesen.

Der Arbeitgeber, das zuständige Bundesland, kündigte ihm trotzdem fristlos mit dem Hinweis, dass sein Beruf als Pädagoge eine Lösung von Disziplinproblemen durch Handgreiflichkeiten ausschließe.

Der Lehrer klagte und bekam in erster und zweiter Instanz Recht. Die Kündigung sei unwirksam, urteilten die Richter LAG Halle. Die Entscheidung beruhe auf Einzelfallerwägungen, betonten sie. Der Schlag sei eine Reaktion auf das eskalierende Verhalten der Schülerin gewesen. Außerdem sei nicht auszuschließen, dass der Kläger aus Reflex so reagiert habe.

Vor allem aus der umfangreichen Beweisaufnahme - das Gericht hatte elf Lehrer und Schüler als Zeugen vernommen - habe sich ergeben, dass eine besondere Situation vorgelegen habe. Es habe einen Zusammenhang gegeben zwischen dem eskalierenden Verhalten der Schülerin und der Reaktion des Lehrers. Der Personalrat habe bereits in seiner Stellungnahme zur fristlosen Kündigung auf die besondere Situation der Auseinandersetzung hingewiesen. Zudem könnte letztlich nicht ausgeschlossen werden, dass es sich bei der Handlung des Lehrers tatsächlich um einen Reflex gehandelt habe.

Quelle: n-tv.de

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