Dienstag, 31. August 2010
Solarwärmeanlagen: Nur eine "sehr gut"
Alexander Klement
Wer sich eine Solarthermieanlage montieren lässt, ist entweder Idealist oder rechnet mit stark steigenden Energiekosten. Auf dem heutigen Preisniveau lohnen die Anlagen kaum - doch das kann sich schnell ändern.
Bis 2020 sollen 14 Prozent der Energie für die Wärmeversorgung aus erneuerbaren Quellen stammen.
(Foto: Klaus-Uwe Gerhardt, pixelio.de)
Solar ist nicht gleich Solar. Unter ökologischen Gesichtspunkten tragen zwar sowohl die Solarstrom- als auch die Solarwärmeanlagen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes und somit zum Klimaschutz bei, doch Solarstromanlagen haben den schönen Nebeneffekt, dass sie sich gleichzeitig auch als Renditeobjekte eignen.
Bei Solarwärme muss man noch differenzieren zwischen Solaranlagen, die ausschließlich zur Brauchwassererwärmung dienen und solchen, die auch die Heizung unterstützen. Nur letztere werden zurzeit staatlich gefördert.
Die Verbraucherzeitschrift Öko-Test hat insgesamt 17 Anlagen mit Flachkollektoren von verschiedenen Herstellern auf den Prüfstand gestellt. Diese bestehen meist aus einem blauen Absorber, der die Strahlung einfängt und von einem Wasser-Frostschutzgemisch durchströmt wird. Getestet wurden ausschließlich Solaranlagen zur Trinkwassererwärmung.
Kein Renditeobjekt
Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sind die Solarwärmeanlagen ausnahmslos kritisch zu sehen. Würde man die heutigen Erdgas-Preise für die nächsten 20 Jahre festschreiben, sind die Anlagen unwirtschaftlich. Der wirtschaftliche Anreiz liegt also darin, darauf zu spekulieren, dass die Energiepreise in den nächsten 20 Jahren deutlich steigen werden.
Für Käufer ist trotzdem entscheidend, wie wirtschaftlich die Solarwärmeanlage arbeitet. Dabei setzte Öko-Test voraus, dass die Anlage auch in sonnenärmeren Städten wie beispielsweise Essen rund 60 Prozent der benötigten Jahresenergie zur Wassererwärmung bereitstellt. Doch fast die Hälfte der getesteten Anlagen ist unter dieser Erwartung geblieben. Am schlechtesten in dieser Disziplin haben die Pakete, die aus Warmwasserspeicher, Kollektoren und Montage bestehen, von Elco und Schüco abgeschnitten. Das Elco-Paket und das Schüco-Paket erreichen in Essen gerade einmal einen Wärmeanteil von 50 Prozent.
Nur ein Paket "sehr gut"
Ganz anders sieht das beim Testsieger aus. Das Solarpaket von Wagner & Co. leistet mit 69 Prozent Wärmeanteil einen 38 Prozent besseren Wert und wurde insgesamt als einzige Anlage mit dem Gesamturteil "sehr gut" bewertet. Allerdings ist der mittlere Preis mit Speicher und Montage mit über 6000 Euro relativ hoch. Unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten sollte man sich daher das Solarpaket von Westfa näher anschauen. Dieses erreicht zwar nur einen Wärmeanteil von 59 Prozent, ist aber in der Anschaffung über 1400 Euro günstiger.
Darüber hinaus empfiehlt Öko-Test, bei der Auswahl der Solarwärmeanlage zur Trinkwassererwärmung unbedingt auf die richtige Dimensionierung zu achten. Bei einer zu kleinen Auslegung muss der Heizkessel auch im Sommerhalbjahr in Betrieb bleiben, was vermieden werden sollte.
Vor der Installation einer Solarwärmeanlage sollte man immer auch die staatlichen Fördermöglichkeiten abklopfen, da diese sich häufig ändern. Momentan ist eine Sonderförderung nur für Mehrfamilienhäuser möglich. Ein- und Zweifamilienhäuser werden nur im Rahmen der KfW-Programme "energieeffizientes Bauen und Sanieren", gefördert.
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