Ratgeber

Berufsunfähigkeitsversicherung nicht für jeden : Schon Flugangst kann K.O.-Kriterium sein

Jeder, der von seiner Arbeit leben muss, sollte eine Berufsunfähigkeitsversicherung haben. Doch die Mehrheit hat keine. Das liegt offenbar auch daran, dass vernünftige Policen schwer zu bekommen sind.

Eine BU-Rente sollte mindestens 1000 Euro betragen, darunter lohnt sich die Sache kaum.
Eine BU-Rente sollte mindestens 1000 Euro betragen, darunter lohnt sich die Sache kaum.

Mal sind es Allergien, mal Rückenleiden oder psychische Probleme - jeder fünfte Berufstätige in Deutschland wird im Laufe seines Arbeitslebens berufsunfähig. Manchen gelingt früher oder später die Rückkehr ins Arbeitsleben, andere können dauerhaft kein Geld mehr verdienen. Wer dann allein auf die staatliche Erwerbsunfähigkeitsrente angewiesen ist, rutscht schnell unter die Armutsgrenze. Eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung ist Gold wert. Um die bestmögliche Police zu finden, sollten Interessenten aber am besten einen Makler oder unabhängigen Berater hinzuziehen, empfiehlt das Magazin "Öko-Test". In vielen Fällen sei das auch der einzige Weg, um überhaupt eine Versicherung zu bekommen.

Der Preis sei in diesem Fall noch das unwichtigste Kriterium. Viel entscheidender seien die Tarifbedingungen, die Gesundheitsprüfung und eine ausreichende Vertragsflexibilität, so "Öko-Test. Für die März-Ausgabe hat die Zeitschrift insgesamt 116 Policen von 35 Versicherern unter die Lupe genommen. 59 davon waren Policen für selbstständige Berufsunfähigkeitsrenten. 57 Verträge waren Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherungen, bei denen neben der vereinbarten Berufsunfähigkeitsrente auch noch ein Hinterbliebenenschutz für die Angehörigen vereinbart ist, falls der Versicherte stirbt.

Das "Öko-Test"-Urteil fällt durchwachsen aus: "Kein Versicherer ist in allen Bereichen Spitze." Bietet eine Versicherung erstklassige Bedingungen zu bezahlbaren Preisen, dann sichert sie entweder nicht alle Berufsgruppen bis zum Rentenalter ab oder schneidet mit ihrer Annahmepolitik nur durchschnittlich ab. Immerhin: Bei den Tarifbedingungen haben die Versicherungsunternehmen inzwischen ihre Hausaufgaben gemacht. Fast zwei Drittel aller Produkte bekamen hier ein "gut" oder "sehr gut".

Keine verlässlichen Annahmekriterien

Schlechte Noten gab es hingegen für die Annahmepolitik der Branche. "Öko-Test" machte die Probe aufs Exempel und ließ einen Versicherungsmakler anonyme Risikoanfragen für fünf reale Kunden bei 22 Versicherungen stellen. Die Antworten auf die insgesamt 110 Anfragen zeigten, "wie stark manche Versicherer bei der Annahmepolitik mittlerweile sieben", so das Fazit der Tester. Diese "Rosinenpickerei" habe zur Folge, dass viele vorsorgewillige Verbraucher gar keine Chance auf den für sie notwendigen Vertrag hätten. Schon bei geringsten Anzeichen für psychische Probleme - Schlafstörungen etwa oder Flugangst - lehnten manche Versicherer einen Vertragsabschluss ab. Für manche Hobbys wie etwa Reiten veranschlagten sie hohe Risikozuschläge.

Tipps für bestimmte Strategien gibt es nicht, denn jeder Versicherer entscheidet anders, so die Erfahrungen aus dem Test. Eine einheitliche systematische Bewertung von Gesundheitsrisiken sei bei der Stichprobe nicht erkennbar gewesen. Auch wegen der extremen Preisunterschiede rät "Öko-Test" Verbrauchern, mit anonymisierten Risikoanfragen nach dem besten Anbieter für eine BU zu suchen.

Ein weiterer Kritikpunkt bei Berufsunfähigkeitsversicherungen sei, dass viele Policen gar nicht bis zum Beginn des regulären Rentenalters abgeschlossen werden könnten. Eine ganze Reihe von Berufsgruppen könne sich nur bis zum Alter von 60 oder 62 Jahren gegen Invalidität absichern. So könnten zum Beispiel Kraftfahrer oder Polizisten, die kurz vor der Rente berufsunfähig würden, dann doch wieder auf staatliche Unterstützungsleistungen angewiesen sein. Ihrer volkswirtschaftlichen Funktion, Arbeitnehmern einen ausreichenden Risikoschutz zu bezahlbaren Preisen zu bieten, werde die Branche somit derzeit nicht gerecht, lautet das Fazit von "Öko-Test".

Quelle: n-tv.de

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