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Zweifel am letzten Willen: Testament auf kleinem Zettel ist ungültig

Beim Stöbern in den Unterlagen ihrer verstorbenen Großmutter entdecken die Enkel ein vermeintliches Testament . Leider hat die alte Dame ihren letzten Willen nur auf zwei Papierstückchen notiert. Und auch sonst kommt den Richtern einiges seltsam vor.

Wer sicher gehen will, dass das Testament auch gefunden wird, lässt es im Zentralen Testamentsregister eintragen.
Wer sicher gehen will, dass das Testament auch gefunden wird, lässt es im Zentralen Testamentsregister eintragen.(Foto: imago/Steinach)

Wer Haus und Hof vererben will, muss diesen Willen auch "ernstlich" kundtun. Einige Worte auf einem kleinen Zettel oder einem Stück Pergamentpapier reichen für eine "rechtsverbindliche Anordnung" nicht aus, hat das Oberlandesgericht Hamm entschieden. (Az. 10 W 153/159)

In dem aktuellen Fall hatten vier Enkel in einer Schatulle ihrer 2013 verstorbenen Großmutter zwei Papierstücke aus dem Jahr 1986 gefunden. Darauf hatte sie ihren dann 2009 ebenfalls verstorben Sohn als Erben ihres Hauses vorgesehen. Ein acht mal vier Zentimeter großer Zettel trug die Überschrift "Tesemt" und die Worte "Haus, das für" sowie den Namen ihres Sohnes und ihre Unterschrift. Auf dem Stück gefalteten Pergamentpapier fanden sich die gleichen Worte in anderer Reihenfolge.

Die vier Kinder des Mannes sahen darin Testamente und beantragten im Streit mit der Schwester ihres verstorbenen Vaters einen Erbschein, der sie als Miterben ausweisen sollte. Doch den wollte ihnen das zuständige Amtsgericht nicht ausstellen. Nun hat auch das Oberlandesgericht die Entscheidung der ersten Instanz bestätigt. Es bestünden erhebliche Zweifel, dass es sich bei den Schriftstücken tatsächlich um den letzten Willen der Verstorbenen handle.

Bei den Papieren handele es sich vermutlich allenfalls um "Vorüberlegungen" und Entwürfe, fand das Gericht. Dafür spreche, dass die vermeintlichen Testamente nicht auf einer "üblichen Schreibunterlage", sondern auf einem ausgeschnittenen Stück Papier und einem gefalteten Bogen Pergamentpapier geschrieben worden seien. Die Überschrift enthalte gravierende Schreibfehler, im Text fehle ein vollständiger Satz. Dabei sei die Frau der deutschen Sprache mächtig gewesen.

Außerdem seien die Schriftstücke mit diversen unwichtigen und wichtigen Unterlagen ungeordnet in einer Schatulle aufgefunden worden. Auch dies lasse nicht notwendig auf einen ernsthaften Testierwillen schließen. Es sei gut möglich, dass die Erblasserin die Schriftstücke lediglich vergessen habe. Dass sie danach kein klarstellendes Testament errichtet habe, sei kein Grund, die beiden "Zettel-Testamente" anzuerkennen. 

Quelle: n-tv.de

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