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Nach stundenlanger Ebay-Störung: Verkäufer fordern Schadensersatz

Kluge Ebay-Verkäufer timen ihre Angebote so, dass zum Countdown möglichst viele Menschen vor dem Rechner sitzen. Dumm nur, wenn ein Systemausfall potenzielle Käufer vom Bieten abhält. Ob die Händler Entschädigung fordern können, ist fraglich.

Viele Ebayer konnten sich gestern nicht einloggen.
Viele Ebayer konnten sich gestern nicht einloggen.(Foto: imago/Rüdiger Wölk)

Eine Systemstörung bei Ebay bringt Nutzer in Rage. Über mehrere Stunden hinweg war die Plattform am Sonntag für viele Nutzer nicht oder nur eingeschränkt erreichbar. Viele konnten sich nicht einloggen, bei manchen waren einzelne Funktionen, etwa die Bezahlmöglichkeit, blockiert. Das Ergebnis: Verkäufer sind frustriert, weil ihre Auktionen weit unter dem erhofften Wert endeten. Und Käufer grämen sich, weil sie bei auslaufenden Versteigerungen nicht mitbieten konnten.

Die Störung begannen zur Mittagszeit und zogen sich bin in den Abend. Die Hotlines liefen heiß, so dass viele verärgerte Kunden nicht beim Kundenservice durchkamen. Erst gegen 19.45 Uhr gab Ebay offiziell Entwarnung. Die Seite funktioniere jetzt wieder wie gewohnt. Das Problem traf nicht nur Mitglieder in Deutschland, sondern weltweit. Der Umweg über ebay.co.uk oder andere ausländische Ebay-Seiten funktionierte also nicht. Mehr Glück hatten einige Nutzer mit der App. Hier sei nach einer Neuanmeldung wieder alles normal gelaufen, heißt es beispielsweise im Golem-Forum. Doch die mobile Variante funktionierte offenbar auch nicht bei jedem.

"Ich liebe Ebay-Ausfälle"

Wer noch Zugriff hatte, konnte mangels Biet-Konkurrenz unter Umständen Ware zum Schleuderpreis  ergattern. "Ich liebe Ebay-Ausfälle. Das waren schöne Schnäppchenkäufe", freut sich eine Nutzerin bei allestörungen.de. Ein anderer berichtet, er habe zwei neue Android-7-Zoll-Tablets für 100 Euro ergattert. Verkäufer waren darüber natürlich weniger glücklich: Eine Nutzerin beschwert sich, weil ihr BMW Baujahr 2010 für läppische 2300 Euro versteigert worden sei, eine weitere klagt, die Markensachen ihres Sohnes seien "für einen Spottpreis weggegangen", einer meint, er habe "locker 300 Euro" verloren und verlangt von Ebay Entschädigung.

Doch die dürfte Ebay kaum zahlen. Denn auch wenn sich die Verkäufer weit mehr erhofft hatten, ist ihnen kein nachweisbarer Schaden entstanden. Wer ein Produkt zum Startpreis von einem Euro einstellt, erklärt damit seinen Willen, die Ware zum entsprechenden Preis an den Höchstbietenden zu verkaufen – auch wenn die Summe weit unter dem Verkehrswert liegt. Denn rechtlich gelten für Ebay-Auktionen keine anderen Regeln als für normale Kaufverträge: Der Verkäufer macht ein Angebot, der Käufer nimmt es an und der Kaufvertrag gilt.

Nun lassen sich Kaufverträge wegen Irrtums anfechten, doch das dürfte hier nur schwer möglich sein, schließlich hat der Verkäufer bewusst das Risiko in Kauf genommen, einen Artikel zum günstigen Einstiegspreis abgeben zu müssen. Arglistige Täuschung wäre ein weiterer Rücktrittsgrund, doch auch der fällt hier flach. Dafür müsste man dem Käufer schon nachweisen, dass er den Ebay-Ausfall ganz bewusst für seine Zwecke missbraucht hat. Das Recht ist also zunächst mal auf Seiten der Käufer.

Hält sich Ebay an die Grundsätze?

Die enttäuschten Verkäufer können jetzt nur noch auf Ebay und deren "Grundsatz zu Systemausfällen" hoffen. Bei Störungen von ein bis zwei Stunden werden den betroffenen Verkäufern nur die Gebühren erstattet. Bei längeren Ausfällen sollen zusätzlich die entsprechenden Angebote um 24 Stunden verlängert werden. Doch das ist gestern nicht geschehen. Aus der Pressestelle heißt es dazu nur, man prüfe derzeit, wie mit Angeboten umgegangen werde, die in der fraglichen Zeit ausgelaufen sind. In den nächsten ein bis zwei Tagen will Ebay die betroffenen Verkäufer kontaktieren.

Es ist nicht der erste Ebay-Ausfall in diesem Monat: Vor knapp zwei Wochen war der Dienst im Zuge einer Server-Wartung für mehrere Stunden nicht erreichbar. Ebay hat den betroffenen Verkäufern die Gebühren für ihre Angebote gutgeschrieben. 

Quelle: n-tv.de

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