Ratgeber

Gut getarnte PreiserhöhungWie Flexstrom Kunden neppt

07.04.2009, 08:17 Uhr

Wenn ein Stromanbieter den Preis erhöht, hat der Kund ein Sonderkündigungsrecht. Flexstrom lässt sich deshalb etwas einfallen, um die Preiserhöhung zu verschleiern.

Strom wird immer teurer. Daran haben wir uns zwar nicht gewöhnt, aber es ist ein nicht abwendbares Übel. Die Preisspirale kann man nicht aufhalten, doch durch einen Wechsel des Stromanbieters kann man sie in vielen Fällen etwas verzögern.

Der Wechsel ist ganz einfach: Vergleichsrechner starten, günstigsten Stromanbieter heraussuchen, Vertrag abschließen. Der neue Stromanbieter erledigt alle Formalitäten inklusive Kündigung des alten Vertrages.

Wie dann der günstigste Stromanbieter gegenüber seinen Kunden auftritt, kann man vorher nicht wissen. Flexstrom ist beispielsweise in Berlin mit dem Tarif Berlins Best am Start. Der Grundpreis beträgt 5,70 Euro pro Monat und die kWh Strom kostet 17,70 Cent. Der Preis ist gültig seit dem 1. August 2008 und gehört zu den günstigsten Angeboten in Berlin.

Auffälligkeiten beim Abschluss

Schon beim Abschluss gibt es Auffälligkeiten. Standardmäßig wurde da eine Preisgarantie für ein Jahr hinzugebucht, die vom Kunden nicht bestellt wurde, sondern nachträglich aktiv abbestellt werden musste. Der Aufpreis für diese Preisgarantie betrug 2 Cent pro kWh, was das Angebot im Preisvergleich uninteressant macht.

Wer keine Preisgarantie bucht, muss mit einer Preiserhöhung rechnen, denn Flexstrom garantiert den Einstiegspreis nur für drei Monate. Da Kunden bei einer Vertragsänderung ein Sonderkündigungsrecht haben, können diese im Fall einer Preiserhöhung den Anbieter wieder wechseln.

Ein Wechsel zu einem anderen Stromanbieter liegt natürlich nicht im Interesse von Flexstrom. Das ist wahrscheinlich der Antrieb, um statt des üblichen formellen Schreibens die Preiserhöhung in einen als Werbung anmutenden Flyer zu packen. Da ist von einem Reisegutschein im Wert von bis zu 100 Euro die Rede und von stark steigenden Preisen an der Leipziger Strombörse. "Trotz der rasanten Entwicklung ist es uns gelungen, Ihnen weiterhin besonders günstige Konditionen zu bieten", heißt es in dem Flyer. Hört sich doch so an, als bliebe alles beim Alten – und der Flyer verschwindet im Altpapier.

Ein schwerwiegender Fehler, dessen Folgen dann erst in der Jahresabrechnung zu sehen sind. Denn der Flyer kündigt eine Preiserhöhung von immerhin rund 15 Prozent an (bezogen auf den Tarif Berlins Best). Für einen Haushalt mit einem Verbrauch von 3000 kWh Strom pro Jahr sind das immerhin fast 100 Euro. Flexstrom hat sich auf Anfrage von n-tv.de nicht zu der Vorgehensweise geäußert.