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Durch die als fortlaufend empfundene Verhinderungspolitik der Universitätsspitze wird es keinen ordentlichen Schlussstrich unter einem der wichtigsten Projekte der jüngeren deutschen Sportvergangenheit geben": Fritz Sörgel.
Durch die als fortlaufend empfundene Verhinderungspolitik der Universitätsspitze wird es keinen ordentlichen Schlussstrich unter einem der wichtigsten Projekte der jüngeren deutschen Sportvergangenheit geben": Fritz Sörgel.(Foto: picture alliance / dpa)

Skandalöse Freiburger Sportmedizin: Doping-Aufklärung endet im Chaos

Sie treten an, um den die Historie der kriminellen Sportmedizin zu untersuchen. Nun löst sich die Evaluierungskommission auf, weil sie sich von der Freiburger Universität behindert fühlt. "Warum soll offensichtlich nicht das ganze Maß an die Öffentlichkeit?"

Die Doping-Kommission an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg hat sich aufgelöst. Das bestätigte Kommissionsmitglied Fritz Sörgel, nachdem um Mitternacht ein Ultimatum an die Universitätsführung verstrichen war. Die "Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin" protestiert damit gegen die angebliche Einschränkung ihrer Unabhängigkeit durch den Rektor der Universität, Professor Hans-Jochen Schiewer. Ein Kompromissvorschlag Schiewers bewertete die Kommission als nicht weitgehend genug. Eine offiziellen Erklärung der Kommission wird für Mittwoch erwartet.

"Den Rückzug der Kommission kann man auch gerne als symbolischen Akt interpretieren. Durch die als fortlaufend empfundene Verhinderungspolitik der Universitätsspitze wird es keinen ordentlichen Schlussstrich unter einem der wichtigsten Projekte der jüngeren deutschen Sportvergangenheit geben", sagte Sörgel. "Man muss sich also fragen, warum offensichtlich nicht das ganze Maß an die Öffentlichkeit soll." Die Uni werde ein Abschlussdokument erhalten. "Wie sie damit umgeht, will sie selbst entscheiden. Was dieses Dokument wert ist, wird man sehen. Es ist unvollendet und in der Hand der Universität. Es steht noch nicht mal fest, was damit geschieht. Wird geschwärzt? Wir lassen uns nicht zu Lieferanten von Textbausteinen machen, die beliebig und zugunsten der Universität zusammengesetzt werden. Die Wahrheit, wie sie sich uns darstellt, das war unsere Aufgabe." Der Nürnberger Pharmakologe kündigte an: "Dass die Kommissionsmitglieder ihre eigene Sicht der Dinge in einer gesonderten Publikation zur Kenntnis bringen werden, das liegt auf der Hand."

Doping beim Team Telekom

Die Kommission war 2007 gegründet worden, um die Geschichte der skandalumwitterten Freiburger Sportmedizin unter ihren ehemaligen Professoren Joseph Keul und Armin Klümper zu untersuchen. Anlass war die die Titelgeschichte des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" über das Doping bei der früheren Bonner Profiradsportmannschaft Team Telekom, das ab 2004 Team T-Mobile hieß. Ärzte der Freiburger Universitätsklinik hatten es systematisch organisiert. Seit dem hatte die Forschergruppe viele aufschlussreiche Details entdeckt und so die Bedeutung der Freiburger Sportmedizin als Zentrum in der Dopinggeschichte der Bundesrepublik Deutschland bestätigt. Dort wurden nicht nur Radsportler, sondern auch andere Spitzenathleten mit verbotenen Medikamenten zur Leistungssteigerung versorgt. Die Kommission widerlegte so auch die Mär vom dopingfreien Fußball. Schon in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde dort erstmals mit Aufputschmitteln experimentiert.

Darüber hinaus entdeckte sie bei der Sichtung von Promotions- und Habilitationsschriften zahlreiche Hinweise auf Plagiate. Die Kommission bestand aus sechs führenden Anti-Doping-Experten: Letizia Paoli aus Italien, Hans Hoppeler aus der Schweiz, Perikles Simon aus Mainz, Gerhard Treutlein aus Heidelberg, Hellmut Mahler aus Düsseldorf und Sörgel aus Nürnberg. Das Gremium hatte unter Leitung der Kriminologin Paoli von der Universität Leuwen in Belgien wiederholt massive Behinderungen durch die Uni Freiburg beklagt. Diese hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Quelle: n-tv.de

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