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Das Freiburger Doping-Symposium war hochkarätig besetzt. Im Bild WADA-Vizepräsident Arne Ljungqvist (r.).
Das Freiburger Doping-Symposium war hochkarätig besetzt. Im Bild WADA-Vizepräsident Arne Ljungqvist (r.).(Foto: picture alliance / dpa)

Zwischen Optimismus und Ohnmacht: Doping-Jäger plagen Zweifel

Wo steht der Anti-Doping-Kampf? Diese Frage stellte sich in dieser Woche in Freiburg bei einem internationalen Symposium die Creme de la Creme der Dopingjäger. Die Antworten waren höchst unterschiedlich, die Szene schwankt zwischen Ohnmacht und Zuversicht.

Auch Deutschlands profiliertester Doping-Jäger Werner Franke war in Freiburg dabei.
Auch Deutschlands profiliertester Doping-Jäger Werner Franke war in Freiburg dabei.(Foto: dpa)

Irgendwann wurde Arne Ljungqvist die Stimmung zu destruktiv, also ergriff der Vize-Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA das Mikrofon. "Ich bin optimistisch, was den Kampf gegen Doping angeht", sagte der 80-Jährige während des Internationalen Doping-Symposiums in Freiburg und legte alle Überzeugungskraft in seine Stimme: "Die Wissenschaft hat immer wieder bewiesen, dass sie Mittel findet, die zu finden ihr niemals jemand zugetraut hat. Und so wird es immer wieder kommen."

Viele Experten im Kreis des hochkarätig besetzten Treffens mochten den Optimismus des Schweden nicht teilen. Das Rennen gegen die Betrüger im Sport scheint noch immer eines zwischen Hase und Igel zu sein. Weniger als ein Prozent der getesteten Athleten wird erwischt. Der Schweizer Statistiker Pierre-Edouard Sottas vom Antidopinglabor Lausanne schätzt nach Auswertung von 7289 Blut-Proben aus der Leichtathletik jedoch, dass wesentlich mehr Sportler gedopt. 14 Prozent der analysierten Proben wiesen auf Blutdoping hin. In den Ausdauerdisziplinen, wo die Manipulation besonders effektiv ist, betrug der Wert sogar 18 Prozent. Bei den Tests in Lausanne sind allerdings maximal 2 Prozent der Tests positiv.

Intelligent, skrupellos und effektiv

Die Mehrheit der Betrüger bleiben unentdeckt, sie dopen intelligent, skrupellos und effektiv. Immer neue Variationen des Doping-Klassikers Epo, verabreicht in extrem schwer, weil nur kurz nachweisbaren Mikrodosen, machen den Jägern das Jagen schwer - zumal die weltweite Durchführung unangemeldeter Tests rund um die Uhr eine Utopie ist. Hinzu kommen die Wachstumshormone, und das Horrorszenario eines genmutierten Superathleten bürdet der Szene ein weiteres, extrem schwer fassbares Thema auf.

"Der Kampf gegen Doping ist nicht beendet, er hat im Gegenteil gerade erst begonnen": Sagt Richard Pound, langjähriger WADA-Chef.
"Der Kampf gegen Doping ist nicht beendet, er hat im Gegenteil gerade erst begonnen": Sagt Richard Pound, langjähriger WADA-Chef.(Foto: dpa)

"Der Kampf gegen Doping ist nicht beendet, er hat im Gegenteil gerade erst begonnen", sagte Richard Pound. Der Gründungspräsident der WADA trug durch schonungslose Offenheit maßgeblich dazu bei, dass in Freiburg Zweifel an der Effektivität der Anti-Doping-Arbeit eher auf- als abgebaut wurden. Ein weiterer seiner Sätze lautete: "Ein Sportler, der bei Wettkämpfen erwischt wird, muss durch zwei Tests gefallen sein: den Doping-Test und den IQ-Test, denn so blöd kann er eigentlich gar nicht sein."

Zudem verwies der Kanadier immer wieder auf die Interessenkonflikte, in denen sich die Entscheider im Sport befinden. Zum Beispiel das Internationale Olympische Komitee (IOC), dem Pound beinahe als Präsident vorgestanden hätte, hätte er 2001 nicht die Wahl gegen Jacques Rogge verloren. Ende dieses Jahres veröffentlicht die WADA angeblich ihren sogenannten Compliance Report (Einhaltungsbericht), in dem diejenigen Staaten gebrandmarkt werden sollen, die sich nicht an den WADA-Code gehalten haben. Nach den IOC-Statuten müsste diesen Ländern die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2012 in London verwehrt werden. "Glauben Sie ernsthaft, das IOC wäre so konsequent?", fragte Pound in die Runde.

Ausgelacht von Sportpolitikern

In Freiburg tauchten Feinde des Anti-Doping-Kampfes aus den verschiedensten Ecken auf. Perikles Simon, Leiter der Abteilung Sportmedizin an der Uni Mainz und einer der Hoffnungsträger der Branche, berichtete in einer Diskussion eher beiläufig, dass er von einer Gruppe deutscher Sportpolitiker eingeladen und um Rat gefragt worden war. Er sei ausgelacht worden, als er die Notwendigkeiten für einen effektiven Anti-Doping-Kampf erläuterte. Simon: "Glauben Sie, da gehe ich noch einmal hin?"

Perikles Simon ist Experte für Gen-Doping. Er hat einen Test entwickelt, um Manipulationen am eigenen Erbgut aufdecken zu können.
Perikles Simon ist Experte für Gen-Doping. Er hat einen Test entwickelt, um Manipulationen am eigenen Erbgut aufdecken zu können.(Foto: picture alliance / dpa)

Der Mainzer ist Experte für das ultimative Horror-Szenario: Gen-Doping. Eine Variante funktioniert in der Theorie vereinfacht wie folgt: Der Sportler spritzt sich sogenannte rekombinante Viren, die die Erbsubstanz von Epo im Muskelgewebe ablegen, wo dann scheinbar körpereigenes, "sauberes" Epo produziert wird. Die Methode ist möglicherweise perfekt steuerbar, da der Prozess theoretisch erst von außen durch die Einnahme eines Antibiotikums aktiviert werden kann.

Niemand weiß, ob es schon Sportler gibt, die an ihrem Erbgut herumgepfuscht haben. Simon fürchtet, dass "sich die ersten Bodybuilder solche Viren schon gespritzt haben", und der Weg aus den Studios bis in den Spitzensport sei noch nie weit gewesen.

Die gute Nachricht: Simon hat nach eigenen Angaben bereits ein Verfahren entwickelt, das diese Form von Gen-Doping nachweist, auch rückwirkend, im eingefrorenen Blut von Athleten. Arne Ljungqvist lächelt, wenn er von solchen Nachrichten hört.

Quelle: n-tv.de

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