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"Für München, gegen Olympia" - so lautet der Slogan der des "NOlympia"-Netzwerks.
"Für München, gegen Olympia" - so lautet der Slogan der des "NOlympia"-Netzwerks.(Foto: picture alliance / dpa)

"NOlympia" über Münchens grüne Versprechen: "Die nachhaltigsten Spiele? Nie und nimmer"

Die grünsten Winterspiele aller Zeiten versprechen Münchens Olympia-Werber vor dem heutigen Bürgerentscheid über eine erneute Bewerbung für 2022. "NOlympia"-Sprecher Christian Hierneis widerspricht bei n-tv.de: "Wenn man die Konzepte kennt, weiß man, dass das nie und nimmer der Fall ist." Er beklagt fehlende Transparenz, Nachteile im Wahlkampf, Knebelverträge und Kommerz beim IOC - und den Umstand, dass sogar Sotschi mit nachhaltigen Spielen wirbt.

n-tv.de: Wie optimistisch sind Sie, dass sich die Bürger gegen eine Olympiabewerbung entscheiden werden?

Der Grünen-Politiker Christian Hierneis ist einer der Sprecher des "NOlympia"-Netzwerks.
Der Grünen-Politiker Christian Hierneis ist einer der Sprecher des "NOlympia"-Netzwerks.(Foto: picture alliance / dpa)

Christian Hierneis: Als ehrenamtlicher Umweltschützer braucht man einen soliden Grundoptimismus. Deshalb hoffe ich sehr, dass sich unser Einsatz gelohnt hat. Aber sicher sind wir uns nicht. Mit der Wahlkampagne der Befürworter konnten wir als ehrenamtliche Bürgerbewegung nur schwer mithalten. Aber unsere Argumente sind die besseren. Und wir hoffen darauf, dass die Menschen dies genau so sehen.

Was ist ihr Hauptargument?

Es sind vor allem ökonomische, ökologische und soziale Gründe. Die Spiele werden jetzt schon offiziell mit 3,3 Milliarden Euro veranschlagt. Wieviel davon der deutsche Steuerzahler zu tragen hat, ist offen. Am Ende werden die Spiele wie immer deutlich mehr kosten. Ökologische Gründe, weil Natur und Landschaft in wesentlich größerem Umfang zerstört wird, als uns die Bewerber Glauben machen wollen. Und soziale Gründe, da wir in München kein Wachstum, von dem die Mehrheit der Bürger nichts hat, mehr brauchen und die Mieten und Lebenshaltungskosten vor solchen Olympischen Spielen immer massiv ansteigen. Darauf können wir gerade in München verzichten.

Die 22 Oja-Gründe für Olympia 2022
  1. Winterspiele 2022 in München: Nach fünfzig Jahren kehrt Olympia zurück
  2. Die sehr gute Bewerbung für 2018 wird weiter verbessert
  3. München 2022 wäre die nachhaltigste Bewerbung in der Geschichte Olympischer Winterspiele
  4. München 2022 schafft ein langfristiges grünes Erbe
  5. Deutschland ist eine Wintersportnation mit starken Verbänden und begeisterten Fans
  6. Deutschland ist erfahrener Gastgeber großer Sportereignisse
  7. München 2022 schafft nachhaltigen Aufbau neuer wirtschaftlicher Standbeine
  8. Olympische und Paralympische Spiele sind Motor für Wirtschaft und Tourismus
  9. Durch die Spiele wird vermehrt in Tourismus investiert
  10. In München entstehen hochwertige neue Wohnquartiere
  11. Der Ausbau des Olympiaparks ist Musterbeispiel für gelungene Nutzung Olympischer Anlagen
  12. München 2022 stärkt das Image des Landes und der Region
  13. Die Sportinfrastruktur wird verbessert, für den Spitzensport
  14. ... und auch für den Breitensport
  15. Olympische und Paralympische Spiele im eigenen Land begeistern die Jugend und beleben den Breitensport und den Behindertensport
  16. Olympische und Paralympische Spiele fördern den Zusammenhalt
  17. Integration und Inklusion
  18. Barrierefreier Ausbau von Sportstätten, Bahnhöfen und Gebäuden
  19. Der Markt Garmisch-Partenkirchen wird vom Durchgangsverkehr entlastet
  20. Die Verkehrsverbindung zwischen München und Berchtesgadener Land wird verbessert
  21. Der Wirtschaftsstandort Oberbayern wird gestärkt
  22. Wir wollen die Spiele: Nach 2018 jetzt 2022 – jetzt erst recht.

Die Gründe mit Erkärung auf www.oja22.de

Die Olympia-Befürworter um Ude führen 22 Gründe für die Winterspiele 2022 in München an. Mit welchem stimmen Sie am wenigsten überein?

Am meisten geärgert hat mich die Behauptung, dass es die nachhaltigsten Spiele aller Zeiten werden sollen. Wenn man die Konzepte kennt, weiß man, dass das nie und nimmer der Fall ist. Und auch alle anderen, sogar Sotchi, werben damit. Und es ärgert mich, dass die Bewerber Zahlen immer so hindrehen, dass sie für sie günstig erscheinen und immer nur Halbwahrheiten verbreiten. Erfreulicherweise können wir das immer widerlegen.

Haben Sie den Wahlkampf, auch verglichen mit anderen Bürger-und Volksentscheiden, als demokratisch fair empfunden?

Nein. Erst wurden den offiziellen Wahlunterlagen für den Bürgerentscheid nur die Begründung Pro Olympia und ein Hochglanzflyer Pro Olympia beigelegt und unsere Argumente nicht aufgezählt. Die sind aber für eine objektive Wahlentscheidung notwendig. Dann hat der Oberbürgermeister Christian Ude in der offiziellen Seite "Die Stadt informiert", die in allen Münchner Tageszeitungen abgedruckt wird, einseitig Pro Olympia geschrieben. Und schließlich hat die Münchner S-Bahn ihre Fahrgäste per Lautsprecherdurchsagen aufgefordert, beim Bürgerentscheid mit Ja zu stimmen. Das verstößt in unseren Augen gegen das Neutralitätsgebot des bundeseigenen Unternehmens Deutsche Bahn. Die Fahrgäste haben für ihren Transport bezahlt, nicht für einseitige Wahlwerbung.

Sie kritisieren auch explizit das Internationale Olympische Komitees. Warum?

Weil wir uns in die Allmacht des IOC begeben und Verträge unterschreiben, die nach deutschem Recht sittenwidrig sind, weil sie Pflichten und Kosten einseitig an die Bewerberstadt geben, das IOC jedoch nur davon profitiert. Die bayerische Haushaltsordnung muss ausgehebelt und es müssen auch vom Bundestag extra Gesetze erlassen werden, damit diese Verträge überhaupt umgesetzt werden können.

Wird es im Falle eines positiven Votums erneut einen Bürgerentscheid über die Rechtmäßigkeit der IOC-Verträge geben, so wie 2011?

Darüber könnte ein Bürgerentscheid nicht entscheiden. Gegen die Verträge müsste man juristisch vorgehen, was schwierig ist, da diese Verträge jeden ordentlichen Gerichtsweg ausschließen. Wenn die Verträge unterschrieben sind, entscheidet alleine das IOC und nicht mehr die Stadt München. In diesen Verträgen stehen Dinge drin, die der Oberbürgermeister Ude, der Rechtsanwalt ist, privat niemals unterschreiben würde. Zudem sind die Verträge so geheim, dass die Wähler sie gar nicht kennen - aber auch darüber abstimmen sollen.

Das klingt, als lehnen Sie Olympische Spiele generell ab.

Unser Ziel ist es nicht, eine Sport-Großveranstaltung zu verhindern, weil wir total gegen alles sind. Die meisten von uns wie auch ich sind selbst aktiv wie passiv sportbegeistert. Olympische Spiele in ihrer jetzigen Form werden jedoch nur am Rande wegen des Sports ausgetragen, es geht vor allem ums Kommerzielle, ums Geldverdienen für das IOC und einige Weltkonzerne. Dabei bleiben die Austragungsorte und ihre Bürger immer auf der Strecke, wirtschaftlich wie ökologisch.

Was ist ihr Vorschlag?

Wir sind für den sinnvollen Einsatz von Steuergeldern und für den Erhalt unserer Umwelt. Und wir sind auch für den Sport, wenn auch vor allem für den Breitensport. Deshalb ist unser Ziel, dass die Olympischen Spiele langfristig wieder das werden, was sie sein sollen: Ein Sportfest für die Jugend der Welt. Und nicht eine Steuergeld- und Umweltvernichtungsmaschine auf Kosten vieler und zu Gunsten ganz weniger. Wenn wir das erreicht haben, sind wir am Ziel. Unabhängig vom Ausgang dieses Bürgerentscheides.

Wie wird das "NOlympia"-Netzwerk im Falle eines Ja für eine Olympia-Bewerbung weiterarbeiten?

Wir werden ganz genau darauf achten, dass sich von den Grundlagen für diesen Bürgerentscheides nichts verändert. Also kein Euro mehr als 3,3 Milliarden, kein Hektar mehr Umweltzerstörung. Sollte sich da etwas ändern, und das wird es, ist dieser Bürgerentscheid hinfällig. Und wir werden den Fortgang der Bewerbung laufend öffentlich machen. Denn Transparenz gibt es seitens der Bewerber nicht.

Die Fragen stellte Christoph Wolf.

Quelle: n-tv.de

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