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Die drei mächtigsten Männer im Weltsport: IOC-Präsident Thomas Bach, Wladimir Putin, Fifa-Boss Joseph Blatter.
Die drei mächtigsten Männer im Weltsport: IOC-Präsident Thomas Bach, Wladimir Putin, Fifa-Boss Joseph Blatter.(Foto: imago/ITAR-TASS)

WM-Entzug, Formel-1-Boykott: Politiker greifen Sportmacht Russland an

Von Christian Bartlau

Deutsche Politikern fordern, Russland die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 zu entziehen. Auch das Formel-1-Rennen in Sotschi steht in der Kritik. Aussicht auf Erfolg haben die Vorstöße kaum - denn Russland ist eine der dominierenden Mächte im Weltsport. Dank Wladimir Putin.

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Soll die Fifa Russland die WM wegnehmen?

Auf der Suche nach Sanktionen gegen Russland wegen der Ukraine-Krise begeben sich deutsche Politiker auf das Feld des Sports. Einige fordern einen Entzug der Fußball-Weltmeisterschaft 2018. "Ein Land, das nicht einmal die Überflugrechte von Flugzeugen garantieren kann, sollte keine Weltmeisterschaft ausrichten", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Fraktion, Michael Fuchs, der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Die WM in vier Jahren in Russland auszurichten sei "nicht angemessen".

Grünen-Politiker Volker Beck sagte der "HAZ": "Man darf eine Fußball-WM nicht in einem Land austragen, das völkerrechtswidrig einen Teil eines anderen Landes annektiert hat." Marieluise Beck, Obfrau der Grünen im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages, bemühte humanitäre Gründe: "Die Vergabe der Fußball-WM an Russland war bereits vor der Ukraine-Krise fragwürdig, weil der Kreml seit Jahren Bürgerrechte immer weiter einschränkt." Russlands Präsident Wladimir Putin sei "kein würdiger Gastgeber."

Die Erwartungen an den Weltfußballverband Fifa erscheinen allerdings optimistisch - denn die Fifa ist nicht bekannt dafür, sich von moralischen oder humanitären Erwägungen beeindrucken zu lassen. Die WM-Vergabe an Russland im Jahr 2011 - damals bekam auch Katar den Zuschlag für 2022 - ist wegen Korruptionsverdacht weiterhin Gegenstand einer Untersuchung durch die hauseigene Fifa-Ethikkommission. 

Russische Millionen für Fifa

Russlands Sportminister Witali Mutko hatte noch vor dem Absturz der Maschine der Malaysian Airlines in der Ostukraine jeden Zusammenhang von Ukraine-Krise und Fußball-WM zurückgewiesen. "Ich kann diesbezüglich keinen Zusammenhang sehen. Es sind unterschiedliche Dinge. Es wird keinen Einfluss auf die WM haben", sagte der Politiker kürzlich bei einer Pressekonferenz. Mutko ist ganz nebenbei auch Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees.

Um die Kräfteverhältnisse im Weltfußball noch deutlicher zu illustrieren: Der russische Staatskonzern Gazprom spült der Fifa als Premiumsponsor von 2015 bis 2018 ungenannte Millionen in die Kasse. Zur Unterzeichnung des Vertrags lud Wladimir Putin Fifa-Präsident Sepp Blatter nach Sotschi ein.

Eine Hand wäscht die andere

Das Schwarzmeer-Resort symbolisiert den Machtzuwachs Russlands im Weltsport. Wladimir Putin hat beste Verbindungen in alle wichtigen Sportverbände, auch ins Internationale Olympische Komitee (IOC). Er ließ Sotschi zum Wintersportressort ausbauen - und holte die Winterspiele 2014, die zu den teuersten aller Zeiten wurden. Im Oktober dieses Jahres soll in Sotschi ein Formel-1-Grand-Prix über die Runden gehen. Formel-1-Chef Bernie Ecclestone steht deswegen in Großbritannien in der Kritik. Viele britische Politiker forderten in den letzten Tagen eine Absage des Rennens. "Das moralisch Richtige wäre, das Rennen abzusagen", erklärte der konservative Abgeordnete David Davis.

Doch Ecclestone wies diese Forderungen zurück. Er werde den Vertrag mit den Veranstaltern "zu 100 Prozent" respektieren, sagte er der "Daily Mail". Auch Ecclestone ist nicht gerade als Verfechter der Menschenrechte bekannt - der Grand Prix in Bahrain 2011 wurde nicht abgesagt, weil die Opposition im Land blutig unterdrückt wurde, sondern weil die Sicherheit der Teams nicht gewährleistet werden konnte. Was Sotschi angeht, kümmert Ecclestone nur, was der russische Präsident schon für ihn getan hat: "Mr. Putin hat uns enorm unterstützt und war sehr hilfreich, und wir werden das gleiche tun."

Quelle: n-tv.de

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