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"Das Wichtigste ist, dass ich authentisch bleibe und den sportlichen Fokus bewahre": Christian Prokop.
"Das Wichtigste ist, dass ich authentisch bleibe und den sportlichen Fokus bewahre": Christian Prokop.(Foto: imago/Otto Krschak)

Bundestrainer im Interview: Prokop: Handball muss ins Fernsehen

Sein Vorgänger setzt Erfolgsmarken, doch dem neuen Bundestrainer Christian Prokop ist nicht bange. Im Interview mit n-tv.de fordert er mehr Präsenz und erklärt, wie der deutsche Handball noch besser werden kann. Attraktiv und emotional soll sein Team spielen.

Der neue Handball-Bundestrainer Christian Prokop nimmt an diesem Wochenende seinen Dienst auf. Die DHB-Auswahl bestreitet am Samstag das erste Testspiel in Göteborg gegen Schweden. Am Sonntag dann findet die gleiche Begegnung in Hamburg statt. Bis zum Saisonende trainiert Prokop parallel den Bundesligisten DHfK Leipzig. Ab Sommer kann sich der 38-Jährige dann voll auf die Nationalmannschaft konzentrieren. Im exklusiven Interview mit n-tv.de erklärt Prokop, wie der deutsche Handball noch erfolgreicher werden kann.

n-tv.de: Herr Prokop, als Bundesligatrainer kannten Sie lediglich die Handball-Fans. Als Bundestrainer sind Sie nun eine Person des öffentlichen Lebens. Sind Sie darauf vorbereitet?

Prokop: Ich möchte einfach so bleiben wie ich bin. Das Wichtigste ist, dass ich authentisch bleibe und den sportlichen Fokus bewahre. Noch habe ich jedenfalls nicht festgestellt, dass ich auf der Straße häufiger erkannt werde als vorher.

Sie treten allerdings in große Fußstapfen. Ihr Vorgänger Dagur Sigurdsson hat Deutschland im vergangenen Jahr zum EM-Titel und zur Bronze-Medaille bei Olympia geführt. Müssen Sie befürchten, immer daran gemessen zu werden?

"Er hat eine super Mannschaft hinterlassen": Dagur Sigurdsson.
"Er hat eine super Mannschaft hinterlassen": Dagur Sigurdsson.(Foto: imago/Heuberger)

Erst einmal hat er eine super Mannschaft hinterlassen. Das ist für meine Arbeit als Bundestrainer ein riesiger Vorteil. Mir ist klar, dass ich an den Ergebnissen gemessen werde. Ich mache mir aber keinen Druck, etwas im Vergleich mit Dagur Sigurdsson beweisen zu müssen. Ich möchte einfach den Weg, dass wir attraktiv und emotional spielen, fortsetzen. Erstes Ziel ist die Qualifikation für die Europameisterschaft.

Die Nationalmannschaft und die Bundesligisten liegen aufgrund der Belastung der Spieler in einem ständigen Clinch. Die Nationalmannschaft möchte immer die besten Spieler dabei haben. Die Klubs hingegen wünschen sich mehr Auszeiten für ihre Spieler. Können Sie als Bundesligatrainer diesen Streit beenden?

Es hat bereits einen Schulterschluss mit den Bundesligisten gegeben. Ich habe für die bevorstehenden Länderspiele keine Akteure vom THW Kiel und den Rhein-Neckar Löwen nominiert, weil die Vereine bereits am Mittwoch in der Champions League gegeneinander antreten.

Es kann aber keine Dauerlösung sein, immer auf die besten Spieler zu verzichten ...

Wichtig ist, dass die Bundesligisten und die Nationalmannschaft wieder an einem Strang ziehen. Die Nationalmannschaft ist das Aushängeschild unseres Sports. Wenn wir mit den besten Spielern antreten und uns weiter in der Weltspitze etablieren, profitieren davon auch die Vereine. Aber ich verstehe auch die Sicht der Bundesligisten.

Was ist Ihr Lösungsansatz?

Im deutschen Handballbund gibt es einen großen Kader potenzieller Nationalspieler. Die Bundesligisten haben die letzten Jahre eine hervorragende Nachwuchsarbeit geleistet. Das müssen und können wir nutzen, indem wir auch immer wieder neue Spieler für die unsere Lehrgänge nominieren. So könnten wir die Belastung besser verteilen und haben eine größere Auswahl an Spielern. Bei den Großturnieren wollen wir natürlich in Bestbesetzung antreten.

Seit Jahren wird über die hohe Belastung im Handball diskutiert. Gebessert hat sich allerdings nichts. Mit der EM, Olympia und WM gab es zuletzt drei Großturniere innerhalb von 13 Monaten. Auf Vereinsebene gab es Reformen in der Champions League und im DHB-Pokal, die die Spielbelastung weiter erhöht haben. Warum lässt sich das Problem nicht in den Griff bekommen?

"Das alles wird auf dem Rücken der Spieler ausgetragen."
"Das alles wird auf dem Rücken der Spieler ausgetragen."(Foto: imago/Claus Bergmann)

Alle Beteiligten wissen um die Problematik. Aber keiner ist dazu bereit, einen konsequenten Schritt zurück zu machen. Das alles wird auf dem Rücken der Spieler ausgetragen.

Der deutsche Handball verfügt über viele starke Spieler. Vor jedem Turnier gibt es allerdings unzählige Verletzte. Hinzu kommen Spieler wie Hendrik Pekeler, Christian Dissinger und Martin Strobel, die bei der Nationalmannschaft eine Pause eingelegt haben. Ist es die größte Herausforderung für einen Trainer, trotzdem ein Top-Team zu formen?

Das ist sicherlich die größte Herausforderung, ja. Wir müssen ein taktisches System entwickeln, das viele Spieler gut umsetzen können. Da ist ein hohes Maß an Flexibilität erforderlich. Es ist leider unrealistisch, immer den gleichen Kader nominieren zu können. Umso wichtiger, dass wir Alternativen entwickeln.

Die Weltmeisterschaft in Frankreich konnten die deutschen Handball-Fans lediglich über das Internet verfolgen. Wie sehr belastet das den Sport?

Die Situation ist sehr bedauerlich. Die deutsche Nationalmannschaft muss in der Öffentlichkeit präsent sein. Nationalspieler sind Vorbilder und müssen gesehen werden. Sie können eine Begeisterung für den Sport entfachen und dafür sorgen, dass noch mehr Kinder Handball spielen. Das käme dann auch wieder uns zugute.

Wie kann der Handball in Deutschland noch populärer werden?

Ich habe große Hoffnung, dass die Weltmeisterschaften im eigenen Land einen Schub bringen. Im Dezember findet in Deutschland die WM der Frauen statt, 2019 die WM der Männer. Wir alle haben bei der Heim-WM 2007 erlebt, wie viel Begeisterung so ein Turnier entfachen kann. Das war der Wahnsinn. Aber natürlich hing das auch mit dem sportlichen Erfolg zusammen. Deshalb ist es wichtig, dass unsere Nationalmannschaften bei den beiden Turnieren erfolgreich sind.

In der Bundesliga ist die Fernsehsituation geklärt: Ab der kommenden Saison wird der Bezahlsender Sky die Bundesliga übertragen. Zudem werden die Öffentlich Rechtlichen etwa zwölf Partien live übertragen und regelmäßig Highlights zeigen. Ist das für den deutschen Handballsport ein Fortschritt?

Ich finde es super, dass nun alle Spiele der Bundesliga übertragen werden. Sky hat zudem in der Handball-Champions-League bewiesen, bei der Übertragung eine hohe Qualität zu haben. Das ist ähnlich wie beim Fußball. Natürlich werden nun weniger Spiele im Free-TV zu sehen sein als vorher bei Sport1. Umso mehr sind wir als Nationalmannschaft gefordert, eine große Reichweite für unseren Sport zu erzielen.

Deutsche Vereine wie der THW Kiel zählen nicht zur europäischen Spitze. Der FC Barcelona, Paris Saint-Germain und Veszprem verfügen über mehr Geld. Verliert unsere Liga an Bedeutung?

Die Bundesliga ist weiterhin die stärkste Liga der Welt, besonders in der Breite. Hier können die Spitzenvereine zumindest auswärts bei jeder Mannschaft verlieren. Das ist in Spanien oder Frankreich nicht der Fall. Dort stehen die Ergebnisse schon vorher fest, weil das Leistungsgefälle innerhalb der Liga extrem groß ist. Sicherlich haben die ausländischen Top-Vereine mehr Geld und zudem eine geringere Belastung. Ich verstehe, dass viele Spieler, die lange in der Bundesliga erfolgreich waren, irgendwann den Schritt in das Ausland machen. Aber vom Fan-Potential und der Spannung ist die Handball-Bundesliga die Nummer 1.

Mit Christian Prokop sprach Oliver Jensen

Quelle: n-tv.de

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