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König unter den Einbeinigen: Manuel Fettner auf seiner artistischen Goldfahrt über die Sturzlinie.
König unter den Einbeinigen: Manuel Fettner auf seiner artistischen Goldfahrt über die Sturzlinie.(Foto: dpa)

Auf einem Bein ins Rampenlicht: Skisprung-Welt huldigt Fettner

Österreichs Cheftrainer Alexander Pointner zieht spontan seine Kappe, Bundestrainer Werner Schuster applaudiert und die Konkurrenten staunen bewundernd. Mit seiner artistischen Landeausfahrt auf einem Ski sichert Manuel Fettner Österreichs Team WM-Gold.

Gregor Schlierenzauer und Thomas Morgenstern staunten im Schanzenturm Bauklötze, Wolfgang Loitzl verfiel im Auslauf in Schnappatmung und verlor "ein paar Jahre meines Lebens" - nur WM-Debütant Manuel Fettner blieb kalt wie eine Hundeschnauze. "Ich hab mir nur gedacht, irgendwie muss ich über diese scheiß Sturzlinie drüber", sagte er, nachdem er soeben Österreichs Skispringern den Weltmeistertitel im Team gerettet hatte.

Dank Fettner nahm Österreich schließlich das fünfte Team-Gold in Folge mit.
Dank Fettner nahm Österreich schließlich das fünfte Team-Gold in Folge mit.(Foto: AP/dpa)

Es war die Szene der WM, eine Szene, die es wohl in jeden sportlichen Jahresrückblick schaffen wird. Fettner war am Samstagabend bei seinem zweiten Sprung auf 128 Metergeflogen, hatte aber bei der Landung leicht verkantet. Die Sicherheitsbindung löste sich, der rechte Ski flog weg. Wäre Fettner gestürzt, Österreich hätte Gold verloren, die Skisprung-Nation Nummer eins wäre ohne Titel nach Hause gefahren.

"Etwas Besonderes geschafft"

Doch der 27-Jährige blieb stehen, balancierte auf einem Bein irgendwie in den sicheren Bereich und ließ sich jubelnd unter dem Gejohle der Zuschauer in den Schnee fallen. "Das sind so Momente, wenn man es probiert, gelingen sie sicher nicht. Ich weiß nicht, ob mir das überhaupt ein zweites Mal gelingen wird", sagte Fettner, der sofort wusste, "dass ich etwas Besonderes geschafft habe".

Und so hatte der unbekannteste unter Österreichs Sprungstars auf einmal ganz viele Fans. "Gottseidank steht der Fetti so gut auf dem Ski", sagte Schlierenzauer. Der deutsche Vize-Weltmeister Severin Freund befand: "Wer so etwas hinbekommt, hat Gold verdient." Und Bundestrainer Werner Schuster erkannte "die solide österreichische Grundausbildung".

Der am wenigsten Schlechte

Der Österreicher Schuster muss es wissen - er hatte Fettner als Juniorencoach einst selbst unter seinen Fittichen. Fettner galt lange als ewiges Talent, als hoffnungsloser Fall. Seit 2001 springt er im Weltcup, wurde dabei ein einziges Mal Dritter. Und er schaffte es in Val di Fiemme nur in die Mannschaft, weil er im Kampf um den vierten Platz im kriselnden Team Austria unter diversen formschwachen Kandidaten noch der am wenigsten schlechte war.

Und wenn schon: Fettner selbst genoss seine 15 Minuten Ruhm in dem Wissen, dass er wohl ein einbeiniger Held für einen Tag bleiben wird. "So etwas wie heute", sinnierte er, "das gelingt einem nur einmal im Leben." Schuster hingegen glaubt: "Er hat lange warten müssen. Heute ist er berühmt geworden."

Quelle: n-tv.de

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