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Auch Norwegen schreckt die Favoriten: So tickt Deutschlands Handball-Zwilling

Von Judith Günther

Bei der Handball-EM in Polen kommt es zum Showdown der Überraschungsteams. Ab 18.30 Uhr kämpfen Deutschland und Norwegen um den Einzug ins Finale. Einen Favoriten gibt es nicht, dafür sind sich beide Teams viel zu ähnlich.

Spätestens seit dem Sieg gegen Dänemark ist klar: Einen Favoriten stürzen, das kann die deutsche Handball-Nationalmannschaft ganz hervorragend. Heute geht es gegen Norwegen um den Einzug in das EM-Finale (ab 18.15 Uhr im Liveticker bei n-tv.de). Gibt es den nächsten Favoritensturz? Mitnichten. Denn ähnlich wie Deutschland haben sich auch die Skandinavier im Laufe des Turniers das Etikett des Favoritenschrecks erarbeitet. Bestes Beispiel dafür: Auf dem Weg ins Halbfinale fegten die Nordeuropäer mal eben Titelanwärter Frankreich vom Parkett. Eine ähnlich hoch einzuschätzende Leistung wie der Sieg des DHB-Teams gegen Dänemark.

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Die Skandinavier sind neben Deutschland die zweite große Überraschung bei der Europameisterschaft in Polen – und sie weisen erstaunlich viele Parallelen zum deutschen Team auf. "Wir wussten, dass wir gut sein können. Wir wussten nur noch nicht, ab wann", stellte  Trainer Christian Berge gerade erst fest - dieser Satz könnte auch vom deutschen Trainer Dagur Sigurdsson stammen. Unter der Leitung von Ex-Bundesligaprofi Berge leistet "Team Norge" nun wahre Wunder - und das nicht erst seit dem Erfolg gegen die Franzosen. Auch Gastgeber Polen und Geheimfavorit Kroatien mussten sich dem Underdog geschlagen geben. Ähnlich schlecht in das Turnier gestartet wie die Deutschen, steigerte sich das norwegische Team nach der Auftaktniederlage gegen Island von Spiel zu Spiel - und das ziemlich beeindruckend. Bundestrainer Dagur Sigurdsson warnt deshalb auch davor, die Skandinavier zu unterschätzen: "Sie sind jung, haben sehr viel Wurfkraft aus der zweiten Reihe, zwei starke Kreisläufer und eine bewegliche Abwehr".

Vor allem haben die Norweger aber einen großen Vorteil: Das Team kann auf einen vollen Kader zurückgreifen, während Deutschland nunmehr sieben Verluste zu verkraften hat, zuletzt Kapitän Steffen Weinhold und Rückraumspieler Christian Dissinger. Abgesehen davon ähnelt sich die Aufstellung der beiden Halbfinalgegner enorm. Ausgeglichenheit ist das Zauberwort, Teamgeist und jugendlicher Elan ersetzen die ganz großen Stars.

Teamgeist statt Starallüren

Bjarte Myrtol gehört zu den Routiniers im Kader der Norweger: Hat der Kreisläufer einmal den Ball, ist er kaum zu verteidigen.
Bjarte Myrtol gehört zu den Routiniers im Kader der Norweger: Hat der Kreisläufer einmal den Ball, ist er kaum zu verteidigen.(Foto: imago/Newspix)

Beide Teams kennen sich gut aus der Bundesliga: Acht Spieler aus dem Kader standen bereits in Deutschland unter Vertrag (fünf sind es aktuell). Routiniers wie Kreisläufer Bjarte Myrtol (ehemals Rhein-Neckar Löwen) oder Erlend Mamelund vom Rekordmeister THW Kiel halten die Abwehr zusammen und bringen Sicherheit in das norwegische Angriffspiel. Aber auch der wurfgewaltige Shootingstar Kent Robin Tønnesen von den Füchsen Berlin spielt bei der EM in absoluter Topform. Gegen Frankreich wurde er mit sechs Treffern bei acht Versuchen zum "Man of the Match" gewählt.

Die Handballphilosophie der Skandinavier ist eigentlich schnell erklärt: Tempo, Tempo, Tempo. Gleichermaßen schnell und variabel im Angriff, zeigt das Team äußerste Nervenstärke und spielt völlig respektlos auf – so wie eben auch das DHB-Team. Aus einer kompakten Abwehr heraus machen die Norweger schließlich das, was sie mit am besten können: gnadenlose Gegenstöße laufen.

"Keiner will gerne gegen uns spielen", stellte DHB-Torwart Andreas Wolff vor dem Halbfinale fest. Das stimmt, nur hat auch niemand einen Grund, gerne gegen die Skandinavier zu spielen. "Zwei Märchen kommen am Freitag zusammen. Sie sind auf der gleichen Welle wie wir unterwegs, sind jung und hungrig. Das wird sehr interessant", stellt der Bundestrainer völlig zu Recht fest.

Quelle: n-tv.de

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