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Leverkusen könnte den stärksten Kader seit den Jahren unter Jupp Heynckes haben.
Leverkusen könnte den stärksten Kader seit den Jahren unter Jupp Heynckes haben.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 23. August 2016

Bundesliga-Check: Leverkusen: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Christian Bartlau

Da braut sich was zusammen unterm Bayer-Kreuz. Der Kader so gut wie seit der legendären Saison 2002 nicht mehr, die Spieler voller Selbstbewusstsein. Auch Josep Guardiola ist schon hellhörig geworden.

Nanu, was ist denn hier los? Da geben die Bundesliga-Trainer wie jedes Jahr ihre Meistertipps ab, und Herthas Pal Dardai setzt doch tatsächlich auf Bayer Leverkusen. "Das ist eine gefährliche Mannschaft", raunt der Ungar. Und weil er weiß, was für eine Prognose er da wagt, setzt er hinterher: "Das ist ernst gemeint." Nicht, dass noch jemand denkt, Dardai wolle sich über die ewigen Gratulanten lustig machen. Das wäre auch fahrlässig - Leverkusen scheint den stärksten Kader seit den Jahren unter Jupp Heynckes zu haben, wenn nicht sogar seit der legendären Vizekusen-Saison 2002 mit zweiten Plätzen in Meisterschaft, Pokal und Champions League. "Ich habe noch nie in einer so starken Truppe gespielt, ausgenommen die Nationalmannschaft", sagte Neuzugang Kevin Volland. Manager Jonas Boldt übt sich in Eigenlob: "Der Kader ist schon eine Hausnummer." Aber welche? Nummer zwei?

Was gibt’s Neues?

Mit Leverkusen die Meisterschaft gewinnen? Für Kevin Volland nicht total abwegig.
Mit Leverkusen die Meisterschaft gewinnen? Für Kevin Volland nicht total abwegig.(Foto: picture alliance / dpa)

So war das doch gar nicht gemeint, ruderte Kevin Volland zurück, nachdem er gesagt hatte, er würde gern um die Meisterschaft mitspielen. "Ich würde niemals sagen, dass wir dieses Jahr Meister werden. Was ich gesagt habe, war: Wenn man mit unserer Qualität mal ins Rollen kommt und konstant bleibt, dann kann man auch mal etwas Überraschendes schaffen." Aber was wäre denn überraschender als ein Leverkusener Titel, Herr Volland? Eine große "Für immer einer von uns"-Choreographie der Gelben Wand für Mats Hummels vielleicht, oder eine Rote Karte für Franck Ribery wegen Ellbogenschlags – sonst fiele uns nichts ein. Und wenn man schon mal 20 Millionen für einen wie Volland ausgibt, und viel Wichtiger noch: 22 Millionen Euro für Ömer Toprak und 36 Millionen Euro für Karim Bellarabi ausschlägt, dann darf man sich ruhig öffentlich zu höchsten Zielen bekennen. Kevin Kampl hat es getan, Kyriakos Papadopoulos auch. Ganz neue Töne von Bayer-Spielern, und ein verheißungsvolles Zeichen für alle Fans, die sich einen spannenden Titelkampf wünschen.

Auf wen kommt es an?

So vielen Angeboten hat Jonas Boldt widerstanden, aber da ging es um den Verein. Er hätte Ömer Toprak oder Karim Bellarabi für Riesensummen nach Dortmund ziehen lassen können, aber er hat sie behalten. Chicharito wird wohl weiter das Bayer-Trikot tragen, von dem in Mexiko schon 12.000 verkauft worden sind. Bernd Leno wird heftig umworben, auch er bleibt. Aber wenn Josep Guardiola anklopft, nicht wegen eines Spielers, sondern wegen einem selbst – wird man da nicht schwach? Die englischen Medien berichten hartnäckig über das Interesse des neuen Trainers von Manchester City an dem erst 34-jährigen Kaderplaners von Bayer. Boldt selber gibt keinen Kommentar ab, unterstreicht lieber mit Transfers, warum das Interesse aufgekommen ist: Neben Kevin Volland holte er für schlappe 4 Millionen Euro den fußballerisch begabtesten Duracell-Hasen der Liga, Julian Baumgartlinger. Das Talent Danny da Costa und den soliden Goalie Ramazan Özcan schnappte er sich für je 500.000 Euro aus Ingolstadt.

Was fehlt?

Eigentlich nur noch der Reality-Check. Sieben von sieben Testspielen gewonnen, was sagt das schon aus? Im DFB-Pokal krampften sich die Leverkusener durch ein 2:1 beim pfälzischen Fünftligisten SC Hauenstein in die zweite Runde, aber wen interessiert das in zwei Wochen noch? Wichtig wird es am Samstag gleich im ersten Samstag-Topspiel in Gladbach.

Wie lautet das Saisonziel?

Die feindliche Übernahme von Monsanto und der Aufstieg zum weltgrößten ... ach nein, falsches Ressort. Aber wo wir beim Finanziellen sind: Die Fußballabteilung des sympathischen Pharma-Riesen aus Leverkusen hat den FC Bayern in seiner Königsdisziplin geschlagen, im Geld scheffeln. Über 45 Millionen Euro Gewinn haben die Leverkusener in der vergangenen Saison gemacht, 15 Millionen mehr als die Bayern. Den Rekordmeister auch sportlich angreifen, das ist zumindest offiziell nicht das Ziel. Rudi Völler will wieder in die Champions League, Roger Schmidt "in den drei Wettbewerben einen Schritt nach vorne machen." Das bedeutet: Mindestens Platz zwei in der Liga, Halbfinale im DFB-Pokal und Achtelfinale in der Champions League.

Die n-tv.de-Prognose

Stets schwingt eine Calmund-große Portion Ironie mit, wenn die Leverkusener Fans "Deutscher Meister wird nur der SVB" skandieren. Deutscher Meister wird der SVB auch nur, wenn Bayern München Schwäche zeigt, und der BVB aus Dortmund gleich mit. Aber es spricht viel dafür, dass diese Leverkusener im Falle dieses unwahrscheinlichen Falles bereit stehen könnten.

Quelle: n-tv.de

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